Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/86881.html    Veröffentlicht: 06.10.2011 19:57    Kurz-URL: https://glm.io/86881

Breitbandnetze

EU-Kommission will Ausbau der Glasfasernetze beschleunigen

EU-Kommissarin Neelie Kroes geht der Ausbau der Glasfasernetze in der Europäischen Union zu langsam voran. Mit einer Politik von Anreizen und Auflagen will die Kommissarin der Glasfasertechnologie zum Durchbruch verhelfen.

EU-Kommissarin Neelie Kroes will den Ausbau der europäischen Breitbandnetze vorantreiben. Statt weiter teuer alte Kupferleitungen zu vermieten, sollen die großen Telekomkonzerne mehr in moderne Glasfasernetze investieren. Dafür will die für die digitale Agenda zuständige Kommissarin Kroes eine Gebührensenkung für die Überlassung der Kupferleitungen verordnen. Ausgenommen werden sollen teilweise jene Telekomunternehmen, die "sich glaubhaft zu Investitionen in Glasfasernetzwerke in einem relevanten Zeitrahmen verpflichten". Das erklärte Kroes auf dem Gipfel ETNO Financial Times 2011 CEO in Brüssel.

Die "Netzwerke der nächsten Generation" sollen nach Vorstellung von Kroes die "bandbreitenhungrigen Dienste und Anwendungen liefern, die künftiges Wachstum antreiben". Der Ausbau der modernen Netze stocke allerdings, weil diese mit dem existierenden Kupferleitungsnetzwerk konkurrieren müssten. Die Preise für die Kupferleitungen würden "eine Schlüsselrolle für Investitionsentscheidungen bei Glasfasernetzen spielen".

Konkurrenten der großen, ehemals staatlichen Telekomunternehmen beschweren sich immer wieder über zu hohe Gebühren für die Überlassung von Kupferleitungsanschlüssen. Die damit von den Telekom-Giganten erzielten Profite würden den teuren Ausbau konkurrierender Glasfasernetze unattraktiv machen. Die großen Telekomunternehmen argumentieren dagegen. Sie behaupten, nur hohe, möglichst gesetzlich geschützte Profite aus dem Geschäft mit den Kupferleitungen würden ihnen das nötige Kapital für Investitionen in den Glasfaserausbau liefern.

Unternehmen wie die spanische Telefónica, Telecom Italia und France Télécom sind von den Ideen der EU-Kommissarin nicht begeistert. Der Chef der Telecom Italia, Franco Bernabe, hält Kroes' Idee für "einfach verrückt". Auf der Brüsseler Konferenz beschrieb er seine Vorstellungen von der richtigen Vorgehensweise so: "Wir brauchen niedrigere Steuern, weniger Regulation, ein gutes operatives Umfeld und mehr Profite."

Neben der Anbieterseite hat Kroes auch die Nachfrageseite im Blick: "Wir müssen sicherstellen, dass die europäischen Verbraucher Zugang zu interessanten Inhalten haben - nicht nur zu Unterhaltungsangeboten, sondern auch zu Bildung, E-Health, E-Government, E-Banking und vielem mehr." Dabei müsse sichergestellt werden, dass die Verbraucher nicht durch Sicherheitsbedenken von der Inanspruchnahme der Angebote abgehalten würden. Kroes werde deshalb alles Notwendige unternehmen, um das Vertrauen zu verbessern, "einschließlich Initiativen zum Datenschutz, zur Sicherheit von Kindern und zur Internetsicherheit".

Noch stehen die Vorstellungen von Neelie Kroes nicht unmittelbar vor der Umsetzung. Die EU-Kommissarin setzt auf Dialog und Umfragen, um den Stand der Dinge zu ermitteln. Basierend auf "Fakten und Zahlen" will sie dann entscheiden, wie gehandelt werden soll.  (rag)


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