Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/86849.html    Veröffentlicht: 05.10.2011 18:23    Kurz-URL: https://glm.io/86849

Foxconn

Apples Erfolge sind billig erkauft

Die Arbeitsbedingungen bei Apples Zulieferern waren mies, Apple versprach Besserung. Einem neuen Bericht zufolge aber hat sich daran bisher nicht viel geändert.

Der neue Apple-Chef Tim Cook präsentierte am Dienstag nicht nur ein neues iPhone, sondern auch die neuen Läden des Konzerns in China. 100.000 Menschen seien am Eröffnungstag in Schanghai erschienen, sagte Cook und führte Fotos und Filme von glücklichen Käufern vor. Was er nicht zeigte: Bei der Eröffnung in Hongkong vor wenigen Tagen kamen nicht nur Fans, sondern auch viele Kritiker.

"No more iSlave" stand auf den Plakaten, mit denen die Initiative Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom) in Hongkong gegen die Bedingungen in den Produktionsstätten demonstrierte, in denen auch Apple seine Geräte zusammenschrauben lässt. Gleichzeitig veröffentlichte die Initiative ein Papier über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn, dem wichtigsten Hersteller der Apple-Hardware.

Immer wieder gibt es solche Berichte aus Chinas Elektronikbranche, immer wieder gibt es Meldungen über Vergiftungen, Selbstmorde, Hungerlöhne und grundsätzlich unwürdige Behandlung von Angestellten. Vor allem ein Unternehmen wird dabei genannt: Foxconn.

Die taiwanische Firma ist der weltweit größte Auftragsfertiger von Elektronik. Ob Nokia, Sony, Dell oder eben Apple - sie alle lassen in den chinesischen Fabriken von Foxconn ihre Produkte zusammenbauen. Ohne Foxconn könnte Apple nicht so enorme Gewinne machen, sagen Analysten.

Anfang des Jahres war daher Apple-Chef Cook persönlich nach China gereist, um sich die Fabriken in Shenzen anzusehen. Mehrfach hat Apple außerdem beteuert, man fühle sich verpflichtet, für "sichere" Arbeitsbedingungen zu sorgen und dafür, dass die Beschäftigten mit Respekt behandelt würden.

Der nun von Sacom veröffentlichte Bericht lässt den Schluss zu, dass der Konzern damit nicht sehr weit gekommen ist, beziehungsweise dass sich längst bekannte Probleme wiederholen. Die Fabriken in Shenzen, die Cook besuchte, werden darin nicht erwähnt. Doch nach einer Selbstmordserie dort verlegte Foxconn auch einen großen Teil seiner Produktion innerhalb kurzer Zeit nach Chengdu in die chinesische Provinz Sichuan.

In dem Bericht von Sacom nun geht es um eine Tochtergesellschaft von Foxconn, um die Futaihua Precision Electronics Company in Zhengzhou in der Provinz Henan. Auch dort lässt Apple fertigen, vor allem iPhones. Die Berichte der Arbeiter gleichen denen von anderen Standorten.

Sie behandeln uns wie Roboter

Von Zehn-Stunden-Schichten ohne die zugesagten Pausen ist die Rede, von militärischem Ton und Drill, von unbezahlten Überstunden in enormer Höhe, von Umgang mit Chemikalien ohne Schutzvorrichtungen, von brüllenden und drohenden Aufsehern und von unwürdigen Wohnquartieren ohne Strom und Wasser für die Zehntausenden Wanderarbeiter.

Dabei wiederholt sich vor allem ein Muster: die Produktionsvorgaben sind um jeden Preis zu erfüllen. Der Druck auf die Arbeiter, die keine Alternative haben und sich aus Not der Willkür der Firmen ausliefern, ist groß. "Wenn Du bei Foxconn verdienen willst, musst Du Dein Leben geben. Sie behandeln uns wie Roboter", zitiert die ZDF-Sendung Frontal21 eine Arbeiterin.

Auch wenn nicht nur Apple bei Foxconn fertigen lässt, ist der Konzern das Hauptziel der Kritik. Denn Apple weist einerseits enorme Gewinne aus und hat andererseits ein Firmenimage von Perfektion und Sauberkeit entworfen, das in erheblichem Kontrast zu solchen Berichten steht. Frontal21 rechnet vor, dass Apple auch dann noch 50 Prozent Gewinn an jedem iPhone machen würde, wenn das Unternehmen den Arbeitern zehnfach höhere Löhne zahlte.

Apple selbst äußert sich nur selten zu solchen Vorwürfen. Im Zweifel verweist der Konzern auf seinen "Supplier Responsibility Report". In dem steht unter anderem, die Apple-Zulieferer müssten Quartalsberichte über die Arbeitsbedingungen verfassen. Darin sollten Statistiken über "geleistete Überstunden, Ausbildungsprogramme, Verletzungen, Lebensbedingungen, Beschwerden und Mitarbeiterfluktuation" enthalten sein. Außerdem heißt es in dem Bericht, diese Sozialfaktoren seien ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung, ob man mit einem Zulieferer zusammenarbeite - neben den Punkten "Qualität, Kosten und pünktliche Lieferung". [Der Artikel erschien zuerst bei Zeit Online]  (zeit-kb)


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