Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1110/86806.html    Veröffentlicht: 04.10.2011 10:55    Kurz-URL: https://glm.io/86806

Chip im Kopf

Ratte mit Robotergehirn

Forscher in Israel haben einen Chip entwickelt, der als ein künstliches Kleinhirn fungiert. Diesen haben sie einer Ratte implantiert.

Israelischen Forschern ist gelungen, einen Teil des Kleinhirns einer Ratte durch einen Chip zu ersetzen. Dieser soll natürliche Nervenaktivitäten durchführen, erklärt Projektleiter Matti Mintz von der Universität in Tel Aviv.

Das Kleinhirn übernimmt wichtige Aufgaben bei der Steuerung und der Koordination von Bewegungen. Es empfängt Signale vom Körper und dem Gehirn und leitet sie weiter. Mintz und seine Kollegen haben ihren Chip mit dem Gehirn des Nagers verbunden, der dann diese Aufgaben übernimmt und so die Bewegungssteuerung ermöglicht.

Blinzeln mit Chip

Die Forscher narkotisierten eine Ratte, setzten ihr den Chip ein und deaktivierten ihr Kleinhirn. Dann brachten sie ihr bei, zu zwinkern, wenn sie einen bestimmten Ton hörte. Diese Aufgabe konnte sie nur dann erfüllen, wenn der Chip aktiviert war. War der Chip abgeschaltet, konnte sie nicht blinzeln.

Mit dem Chip hätten sie gezeigt, dass es möglich sei, Informationen vom Gehirn zu empfangen, sie ähnlich wie der Körper zu analysieren und an das Gehirn zurückzuschicken, sagte Mintz dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Geschädigtes Gewebe ersetzen

Solche Implantate könnten in Zukunft Teile des Gehirns ersetzen, die durch einen Schlaganfall oder ein anderes Ereignis geschädigt worden seien, erklärten die Forscher. Eine andere Möglichkeit sei, auf diese Weise die Funktionsweise des Gehirns zu steigern. Bis es so weit sei, müsse allerdings noch viel Forschungsarbeit geleistet werden.

Die Forscher um Mintz haben ihre Entwicklung kürzlich auf einer Konferenz in Großbritannien vorgestellt.  (wp)


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