Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86767.html    Veröffentlicht: 30.09.2011 14:14    Kurz-URL: https://glm.io/86767

Eindeutig identifizierbar

Nato möchte individuelle Signatur für jeden Internetnutzer

Ein Nato-Cyberwar-Center wünscht sich das Ende jeder Anonymität im Internet. Das CCDCOE hält zudem Hintertüren in der IT-Infrastruktur anderer Staaten für sinnvoll, um dort logische Bomben platzieren zu können.

Experten einer Cyberwar-Abteilung der Nato wollen, dass jeder Internetnutzer an einer Signatur eindeutig identifiziert werden kann. Die Rechtsberaterin des Nato Cooperative Cyber Defense Center of Excellence (CCDCOE), Katharina Ziolkowski, erklärte dem Nachrichtenmagazin Focus, den Ermittlern stehe bei der Strafverfolgung vor allem die Anonymität des Internets im Weg. "Die Lösung wäre eine individuelle Signatur, die jeden, der im Internet agiert, identifizieren würde", sagte die Juristin.

Das Nato-Center CCDCOE wurde nach einem Hackerangriff auf Estland im Jahr 2007 in dem Land in einem früheren Kasernengebäude der Sowjetunion errichtet, berichtete der Economist.

Das CCDCOE hat offenbar nicht nur Verteidigungsaufgaben, sondern prüft auch Angriffe auf die IT-Infrastruktur anderer Staaten. Der CCDCOE-Informatiker Christian Czosseck erklärte Focus, es könne sinnvoll sein, "die Netzwerke fremder Staaten und potenzieller Gegner schon in Friedenszeiten zu infiltrieren und Hintertüren einzubauen, um später etwa logische Bomben leichter platzieren zu können". Besondere Gefahren lägen in einem massiven "Angriff auf Stromnetze oder andere kritische Infrastruktur" wie einem "koordinierten Schlag auf mehrere Leitbörsen", betonte Czosseck. IT-Anschläge würden aber nicht "mit einer Gegenoffensive" beantwortet.

Ein Entwurf von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen für ein neues strategisches Konzept des Bündnisses sah dagegen vor, dass die Nato IT-Angriffe als Bündnisfall bewerten soll, die das Militärbündnis gemeinsam beantwortet. Laut Artikel 5 des Nato-Vertrags wird ein bewaffneter Angriff auf ein Mitgliedsland als Attacke auf das gesamte Militärbündnis bewertet und mit einer geheimdienstlichen und militärischen Zusammenarbeit bis hin zu gemeinsamen Gegenschlägen beantwortet. Den kollektiven Verteidigungsfall hat die Nato bislang erst einmal ausgerufen, und zwar nach den Terrorattacken in den USA am 11. September 2001.  (asa)


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