Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86693.html    Veröffentlicht: 27.09.2011 15:53    Kurz-URL: https://glm.io/86693

Erdwärme und Wasserkraft

Britischer Hoster baut Öko-Rechenzentrum in Island

Der britische Hostinganbieter Verne Global lässt in Island ein Rechenzentrum errichten, das ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben wird. Der Strom für die Anlage bei der Hauptstadt Reykjavík stammt aus Erdwärme und Wasserkraft.

In Island wird in Kürze ein Rechenzentrum errichtet, das ausschließlich mit Geothermie und Wasserkraft betrieben wird. Nach Angaben des IT- und Telekommunikationsdienstleisters Colt, der große Teile der Anlage baut, ist es das erste Rechenzentrum für Geschäftsanwendungen der Welt, das kein Kohlendioxid ausstößt.

Standort des Rechenzentrums ist die ehemalige Nato-Basis in Keflavík, etwa 50 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Reykjavík. Die Anlage besteht aus 37 Fertigkomponenten aus Glas und Stahl, die Colt in Großbritannien baut. Diese sollen Anfang Oktober nach Island verschifft und dort in einer ehemaligen Nato-Halle montiert werden.

Klimatisierte Serverboxen

Bei den Komponenten handelt es sich um klimatisierte Boxen, in denen die Server stehen werden. Diese enthalten Stromanschlüsse, Kühl- und Belüftungseinrichtungen, Beleuchtung sowie Systeme für die Überwachung und Sicherung. Den Einbau der Server selbst und der Glasfaserkabel übernimmt ein anderes Unternehmen.

Auftraggeber ist das britische Unternehmen Verne Global, ein Anbieter von Hostingdiensten. Die Bauzeit soll weniger als ein halbes Jahr betragen. Das Rechenzentrum soll noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen.

Fernwärme, Strom und Badespaß

Der Standort Keflavík liegt in einem Geothermalgebiet. Es gibt dort bereits ein Kraftwerk, das Fernwärme und elektrischen Strom aus Wasser erzeugt, das vom Vulkan Svartsengi erhitzt wird. Das heiße Wasser speist zudem ein Thermalfreibad, das unter dem Namen Bláa Lónið (Blaue Lagune) bekanntgeworden ist.

Neben der Erdwärme wird auch Strom aus Wasserkraft zum Einsatz kommen. Günstige Energie aus erneuerbaren Quellen ist ein wichtiger Standortfaktor für Island. So haben verschiedene Aluminiumhersteller Hütten auf der Insel im Nordatlantik errichtet. Die Verhüttung des Metalls ist sehr energieaufwendig. Allerdings hat der Bau von Wasserkraftwerken auch schon Proteste von Umweltschützern hervorgerufen, die darin eine Zerstörung der Landschaft und der Natur sehen.

Energiehungrige Rechenzentren

Der Betrieb von Rechenzentren erfordert viel Energie. Google etwa brauchte im Jahr 2010 rund 2,26 Terawattstunden an elektrischer Energie, um seine Rechenzentren zu betreiben - das meiste für die Kühlung. Die großen Internetunternehmen suchen deshalb nach neuen Möglichkeiten, den Energieaufwand zu verringern, etwa indem sie ihre Rechenzentren in nördlichen Regionen bauen, wie etwa in Island oder Finnland, oder dort, wo Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht.

Rechenzentren sind nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace für 1,5 bis 2 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich. Der Energiebedarf wächst danach jährlich um rund 12 Prozent.  (wp)


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