Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86667.html    Veröffentlicht: 26.09.2011 16:53    Kurz-URL: https://glm.io/86667

Spielesucht

Verschärfte USK-Kriterien für Onlinespiele gefordert

560.000 Menschen in Deutschland sind internetsüchtig, ergab eine neue Studie der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Sie will klären, ob das Suchtpotenzial von Onlinespielen wie World of Warcraft künftig eine größere Rolle bei den Prüfungen der USK spielen soll.

"Ich werde mich der Frage widmen, wie die Behandlung von Computerspiel- und Internetsüchtigen weiter verbessert werden kann, indem zum Beispiel standardisierte Diagnose- und Behandlungsleitlinien entwickelt werden", hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, bei der Vorstellung der ersten repräsentativen Studie zur Häufigkeit der Internetabhängigkeit bei 14- bis 64-Jährigen in Deutschland gesagt. "Zusammen mit Experten möchte ich klären, ob und wie die Suchtgefährdung in die Altersbewertung von Computerspielen aufgenommen werden kann. Besonders suchtgefährdende Spiele sollten anhand von klaren Kriterien ermittelt werden und eine höhere Altersbewertung erhalten." Dyckmans erwartet, dass Computerspiel- und Internetsucht im nächsten Jahr ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sein wird.

Laut der Studie gilt etwa ein Prozent der 14- bis 64-Jährigen in Deutschland als internetabhängig. Das entspricht rund 560.000 Menschen. Rund 4,6 Prozent der 14- bis 64-Jährigen (2,5 Millionen Menschen) werden als problematische Internetnutzer angesehen. In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist die Verbreitung am größten: 2,4 Prozent gelten als abhängige und 13,6 Prozent als problematische Internetnutzer.

Auffällig ist, dass in der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen deutlich mehr Mädchen (4,9 Prozent) als Jungen (3,1 Prozent) als internetabhängig gelten. Die auffälligen Mädchen nutzen vorwiegend soziale Netzwerke im Internet (77,1 Prozent der Abhängigen) und eher selten Onlinespiele (7,2 Prozent). Bei den jungen Männern nutzen 64,8 Prozent soziale Netzwerke, aber 33,6 Prozent mögen Onlinespiele. "Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet, und dadurch auch eher eine Abhängigkeit entwickeln können", sagte der Privatdozent Dr. Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck.

Internetabhängigkeit wird in der Studie durch eine Reihe von Merkmalen definiert. So gilt als süchtig, wer nach Auffassung der Wissenschaftler fast nur noch in der virtuellen Welt des Internets lebt. Die Betroffenen verlieren demnach die Kontrolle darüber, wie viel Zeit sie im Internet verbringen, sie leiden unter Entzugserscheinungen wie Missstimmung, Angst, Reizbarkeit oder Langeweile, wenn sie nicht online sind. Abhängige nutzen das Internet, um schlechten Gefühlszuständen zu entrinnen, und nehmen dabei auch negative Konsequenzen in Kauf: Sie gehen nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule, vernachlässigen soziale Kontakte und verwahrlosen teilweise sogar körperlich. Wenn mehrere von diesen Kriterien gleichzeitig vorliegen, spricht man von einer Internetabhängigkeit.

Die Studie mit dem Titel Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA I) wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit von der Universität Lübeck und der Universität Greifswald durchgeführt. Eine Folgestudie, die noch detailliertere Daten erheben soll, ist in Auftrag gegeben.  (ps)


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