Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86477.html    Veröffentlicht: 15.09.2011 16:02    Kurz-URL: https://glm.io/86477

Test Resistance 3

Déjà-vu für Half-Life-Fans

In Resistance 3 sollen PS3-Spieler die Menschheit ein für allemal vor den außerirdischen Chimera retten. Der Weg zu diesem Ziel führt durch die zerstörten USA und gleicht einem Roadtrip, den Half-Life-Fans bereits vor sieben Jahren absolviert haben.

Die Invasion der Chimera ist in Resistance 3 noch weiter fortgeschritten als in den beiden Vorgängerteilen, deren Handlung ein animiertes Intro zusammenfasst. Trotzdem schlüpfen Spieler nicht in die Haut eines Hightech-Supersoldaten, um Aliens und anderen Gefahren entgegenzutreten. Die Hauptfigur Joseph Capelli versteckt sich mit seiner Familie im Untergrund einer Kleinstadt. Er folgt nur widerwillig dem Ruf eines Wissenschaftlers, der den Schlüssel zur Zerstörung der Chimera in New York City vermutet. Auf der Reise dorthin plagen Joe immer wieder Selbstzweifel, weil er Frau und Kind einem ungewissen Schicksal überlassen muss.

Insomniac erzählt die Geschichte von Resistance 3 in gelungen inszenierten Zwischensequenzen mit dichter Endzeitatmosphäre. Dass Joseph Capelli Gefühle zeigt und nicht nur als kühler Befehlsempfänger dargestellt wird, macht ihn sympathisch. Gleichzeitig drängt sich die emotionale Seite der Handlung nie so sehr in den Vordergrund, dass sie vom Actionanteil des Spiels ablenkt.

Spieler treffen auf dem Weg nach New York ganz unterschiedliche Gruppen überlebender Menschen. Mal sind das verbündete Rebellen im Kampf mit den Chimera, mal aggressive Wilde in einem Gefängniskomplex. Damit einher gehen häufige Schauplatzwechsel, die Resistance 3 optisch abwechslungsreich halten.

Einen originellen Eindruck macht die Kampagne des Spiels trotzdem nicht. Das liegt vor allem daran, dass sich Insomniac beim Konzept allzu offensichtlich an Half-Life 2 orientiert hat. Kaum eine Szene in Resistance 3 erinnert nicht an einen ähnlichen Abschnitt aus Valves Meisterwerk. Die Zombiestadt Ravenholm mitsamt schießwütigem Geistlichen findet sich in Resistance 3 beispielsweise genauso wieder wie der große Turm aus City 17, an dessen Spitze eine Art Wurmloch für einen Energiestrahl sorgt.

Auch spielerisch ähnelt Resistance 3 in Teilen eher Half-Life 2 als den meisten aktuellen Egoshootern. Joe Capelli kuriert seine Verletzungen nur nach Aufnahme von Medipacks und er darf so viele Waffen bei sich tragen, wie er möchte.

Das vielfältige Waffenangebot gehört zu den großen Stärken des Spiels. Neben den üblichen Standardknarren stehen Spielern im Kampf gegen die Chimera auch ungewöhnliche Tötungsgeräte zur Verfügung. Eine Vereisungskanone lässt Feinde gefrieren, Revolverpatronen explodieren auf Knopfdruck und verschossene Schleimkugeln lassen Feinde zu Tode mutieren. Jede Waffe verfügt über eine individuelle Sekundärfunktion und wird bei häufiger Nutzung automatisch in zwei Stufen aufgewertet. Bedient sich der Spieler zum Beispiel oft genug seiner Schrotflinte, lässt sie Feinde fortan nach Treffern in Flammen aufgehen.

Geduldsspiele mit der KI

Chimera und andere Gegnertypen glänzen nicht mit intelligentem Verhalten, zwingen Spieler aber nichtsdestotrotz häufig in die Defensive. Ohne automatisch regenerierende Lebensenergie ist vorsichtiges Verhalten Pflicht, besonders weil viele Feinde mit Raketenwerfern, Scharfschützengewehren und anderen stärkeren Waffen ausgerüstet sind. Da es in einem Areal oft nicht ausreicht, nur eine einzige Gegnerwelle zu besiegen, arten die Kämpfe ab und zu in zähe Geduldsspiele aus.

In unregelmäßigen Abständen verhinderten beim Testen Bugs das Weiterkommen im Level. KI-Kumpanen standen dann etwa tatenlos vor einer Tür, die sie eigentlich als Teil einer Scriptsequenz öffnen sollten. Derlei Probleme ließen sich durch einen Neustart vom letzten Speicherpunkt aus beheben. Noch häufiger bekamen wir in der Levelarchitektur gefangene Gegner zu sehen.

Davon abgesehen überzeugt das optische Gesamtbild des Spiels mit düster-realistischem Stil und hübschen Lichteffekten, auch wenn die Kulissen nicht immer sehr detailreich sind. Kämpfe gegen Chimera-Transportschiffe auf einer zusammenbrechenden Brücke oder eine Zugfahrt zwischen den Beinen einer Riesenspinne entschädigen dafür mit umso mehr Spektakel bei durchgehend flüssiger Bildrate.

Resistance 3 ist über Sony für die Playstation 3 erschienen. Es bietet optionale Unterstützung für Playstation Move und stereoskopische 3D-Effekte. Die USK hat dem Egoshooter ohne inhaltliche Kürzung eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt. Die Kampagne des Spiels lässt sich online und im Splitscreen kooperativ zu zweit absolvieren. Kompetitiv können bis zu zwölf Spieler in gängigen Spielvarianten wie Capture the Flag und Deathmatch gegeneinander antreten.

Fazit

Insomniac Games schließt seine Egoshooter-Trilogie mit einem versöhnlichen Ende ab, das auch eigenständig ohne die beiden Vorgängerspiele funktioniert. Mit seiner sympathischen Hauptfigur und der Abkehr vom militärischen Setting motiviert Resistance 3 von allen drei Spielen am meisten, die Geschichte bis zum Schluss zu verfolgen.

Trotz dieser inhaltlichen Stärken fehlt es Resistance 3 an eigenen Ideen, um mehr als nur ein sehr guter Shooter unter vielen zu sein. Abgesehen von der USA-Reise, die auch Half-Life-2-Revival-Tour hätte genannt werden können, sind selbst die tollen Spezialwaffen des Spiels nie so kreativ und individuell gestaltet wie beispielsweise in den Ratchet-und-Clank-Spielen.  (dp)


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