Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86411.html    Veröffentlicht: 13.09.2011 18:05    Kurz-URL: https://glm.io/86411

Hands on

Windows 8 neu gedacht

"Reimagining Windows": Unter diesem Motto hat Microsoft auf seiner Konferenz Build erstmals Windows 8 im Detail vorgestellt. Wir konnten das System ausprobieren.

Noch bevor Windows 7 im Juni 2009 fertiggestellt war, begann Microsoft mit der Entwicklung von Windows 8; jetzt ist es im kalifornischen Anaheim auf der Konferenz Build erstmals näher vorgestellt worden. Mit Windows 8 will Microsoft auf dem Erfolg von Windows 7 aufbauen und dessen Vorteile weiter nutzen, sich aber zugleich auf die sich verändernde Computerwelt einstellen. Gemeint ist der Trend zu neuen Geräteklassen wie Tablets und Ultrabooks, die parallele Nutzung mehrerer Geräte, vom Telefon bis zum Desktop-PC, eine zunehmende mobile Nutzung - auf der Couch, im Bett oder unterwegs - sowie ein steigender Grad an Vernetzung von Menschen und Applikationen. Mobilität bedeute nicht, Geräte herumzutragen und anschließend zu nutzen, sondern Geräte unterwegs zu verwenden, sagte Julie Larson-Green, Corporate Vice President Windows Experience. Dienste sollen Bestandteil des Betriebssystems werden, damit nicht jede Applikation diese selbst einbinden muss.

Geht es nach Microsoft, wird bald kein Display ohne Multitouch-Unterstützung mehr verkauft. Dem soll Windows 8 mit seinem neuen User Interface "Metro" gerecht werden. Microsoft greift einige bekannte Multitouchgesten auf, nutzt diese aber zum Teil clever, um die Touchbedienung besonders effizient zu gestalten. Dabei stehen Funktionen wie der semantische Zoom auch Metro-Apps zur Verfügung, was für eine konsistente User Experience sorgen soll.

Microsoft lässt keinen Zweifel daran, dass es klassische Desktopapplikationen auch weiterhin geben wird. Sie sollen auch im neuen Windows Store gelistet werden. Zudem verbindet Microsoft Windows 8 mit der Cloud, was den Wechsel zwischen Geräten vereinfachen soll.

Befürchtungen, Microsoft vernachlässige Silverlight- und .Net-Entwickler, sind unbegründet, auch in der neuen Metro-Welt können die alten Sprachen und Frameworks weiterhin genutzt werden.

Auch bedarf es keiner neuen Hardware für Windows 8 - von der Touchbedienung abgesehen -, denn das neue Betriebssystem soll mit Ressourcen sparsamer umgehen als Windows 7. Microsoft hat nicht nur den Startprozess beschleunigt, sondern führt auch neue Stromspartechniken ein, sorgt für eine immer optimale Internetverbindung und hat einige häufig genutzte Bestandteile von Windows gründlich überholt, darunter der Explorer und der Task-Manager. Neue Klassentreiber sollen den Umgang mit UMTS-Modems, Druckern und USB 3.0 vereinfachen.

Neue Möglichkeiten gibt es, um ein verkorkstes Windows-System wiederherzustellen, und dank Windows to Go läuft Windows 8 auch komplett von einem USB-Stick.



Schneller Start in die Metro-Oberfläche

Windows 8 bootet deutlich schneller und zeigt nach dem Start einen neuen "Lock Screen" an. Dessen Hintergrundbild legt der Nutzer fest. Zudem sind Informationen zum Netzwerkstatus, dem Ladestand des Akkus und eine Übersicht über anstehende Termine sowie die Zahl der neuen E-Mails, verpassten Anrufe und verpassten IM-Nachrichten zu sehen.

Mit einem Wisch gibt der Lock Screen die Anmeldeseite frei. Hier kann sich der Nutzer mit einem Passwort, einer PIN oder einem sogenannten Picture-Passwort anmelden. Bei dieser neuen Variante zeigt Windows ein vom Nutzer hinterlegtes Foto, auf dem dieser drei Gesten ausführt, die er vorher festgelegt hat. Das Bild dient der Orientierung, wo die Gesten auf dem Display ausgeführt werden müssen. In der Demo klappte das Login mit einem Tippen auf das linke Auge, einem Tippen auf das rechte Auge und einer Linie, die von einem zum anderen Auge gezogen wird.

Nach dem Login zeigt Windows 8 die neue Metro-Oberfläche. Diese hat Microsoft schon auf der Konferenz D9 demonstriert. Die auf Touchbedienung optimierte Oberfläche stellt auch die zentrale "Windows-Shell" dar und ersetzt das, was bis einschließlich Windows 7 der klassische Desktop war. Dennoch gilt: Jede Applikation, die unter Windows 7 läuft, soll auch unter Windows 8 laufen. Der klassische Desktop ist weiterhin ein fester Bestandteil von Windows 8, er wird aber erst dann gestartet, wenn eine Applikation ihn erfordert. Der Desktop kann also als eine Art Applikation betrachtet werden, die unter Windows 8 läuft. Es soll keine Möglichkeit geben, direkt in den klassischen Windows Desktop zu booten.

Startbildschirm statt Desktop

Der Startbildschirm der neuen Metro-Oberfläche ist der Ausgangspunkt für alles, was mit Windows 8 erledigt werden soll. Der Nutzer kommt immer wieder hierher zurück. Der Startbildschirm hält den Nutzer auf dem Laufenden und wird genutzt, um Applikationen zu starten.

Er besteht aus sogenannten Tiles auch Kacheln genannt, wie sie auch Windows Phone 7 hat. Anders als bei Microsofts Smartphone-Betriebssystem wird bei Windows 8 aber horizontal und nicht vertikal durch die Kacheln gescrollt. Jede Applikation wird als Kachel dargestellt, aber nicht jede Kachel entspricht einer Applikation. Der Inhalt der Kacheln ändert sich live, wenn sich die dahinterliegenden Inhalte verändern oder um verschiedene Inhalte zu zeigen, wie den Status der Freunde bei Facebook, das aktuelle Wetter, eine neue E-Mail, den nächsten Termin, abwechselnd gezeigte Fotos oder Nachrichten aus RSS-Feeds.

Die Kacheln betrachtet Microsoft als moderne Form von Icons. Denn Icons, sagt Jensen Harris, Director of Program Management Windows User Experience, seien von gestern. Der Nutzer soll auf einen Blick sehen, was in seinem Leben passiert, statt für jeden Aspekt eine eigene App starten zu müssen, beschreibt Harris die Idee hinter dem neuen Startbildschirm. Das neue Konzept bringe so die Vielfalt des Webs in die Welt von Windows.

Dabei können Nutzer die Kacheln nach ihren Wünschen gestalten. Sie legen die Reihenfolge und Größe der Kacheln fest, können diese gruppieren und auch gezielt Bestandteile einer App als Kachel ablegen, beispielsweise einen RSS-Feed aus der Reader-Applikation, das Wetter für eine bestimmte Stadt, oder eine Auswahl von Fotos.



Konsistentes UI statt verschiedener Modi

Microsoft verzichtet bewusst auf verschiedene Modi, wie sie andere für touchoptimierte Betriebssysteme verwenden, um zum Beispiel Icons zu verschieben. In Windows 8 gibt es also keinen speziellen Bearbeitungsmodus, um das User Interface (UI) anzupassen, und es muss nicht besonders lange auf ein Icon getippt werden, um in einen solchen Modus zu wechseln. Stattdessen werden die Kacheln einfach leicht nach unten geschoben. Windows 8 blendet dann eine sogenannte App-Bar ein, die zusätzliche Bedienelemente enthält, darunter auch Schaltflächen, um die Kacheln kleiner oder größer zu machen. Zudem können Kacheln hier angepinnt oder gelöst werden.

Wer eine Kachel verschieben will, "greift" sie und verschiebt sie mit dem Finger. Soll eine Kachel über mehrere Bildschirme verschoben werden, ist das mit einem Finger etwas mühsam, funktioniert aber. Einfacher wird das per Multitouch: Mit einem Finger wird die Kachel aus der Position geschoben und festgehalten, mit einem anderen schnell horizontal gescrollt. Will der Nutzer die Aktion abbrechen, schiebt er die Kachel einfach nach unten aus dem Bildschirm.

Semantic Zoom

Das Scrollen auf dem Startbildschirm war in den gezeigten Demos beeindruckend schnell. Doch Microsoft hat sich zur Navigation in sehr langen Listen etwas Neues ausgedacht: "Semantic Zoom". Mit den üblichen Spreiz- und Kneifgesten (Pinch and Zoom) kann die Darstellung der Kacheln verkleinert werden, bis alle Kacheln nebeneinander auf einen Bildschirm passen. In dieser semantischen Zoom-Ansicht können dann ganze Gruppen von Kacheln verschoben werden. Das geht sehr flott. Zudem können Gruppen einfach umbenannt werden.

Apps im neuen Metro-Stil

Metro-Apps laufen immer im Vollbild, Microsoft verzichtet auf jegliches Chrome - der Applikation stehen also alle Pixel des Displays zur Verfügung. Und was auf dem Startscreen funktioniert, das geht auch in den Metro-Apps, beispielsweise der semantische Zoom. Mit diesem einheitlichen Konzept will Microsoft die Bedienung vereinfachen, Nutzer sollen sich immer gleich zurechtfinden.

Wie auf der Startseite können auch in der News-App Kacheln mit einem Wisch nach unten markiert werden, in diesem Fall allerdings auch mehrere. Mit einem Klick auf Magazinify erzeugt die App dann eine magazinartige Übersicht über die ausgewählten Nachrichten, durch die horizontal gescrollt werden kann. Dieses Konzept der Mehrfachauswahl kann einfach in Metro-Apps integriert werden.

Charms

Ein wesentlicher Bestandteil des Metro-UI sind die sogenannten Charms, fünf Funktionen, die Windows 8 anzeigt, wenn vom rechten Rand in den Bildschirm gewischt wird: Search, Share, Start, Devices und Settings. Zugleich blendet Windows 8 unten links die Uhrzeit, den Netzwerkstatus und den Ladezustand des Akkus ein.

"Search" ist eine integrierte Suche. Wird hier ein Suchbegriff eingegeben, sucht Windows 8 den String in Apps, in den Einstellungen und Dateien und zeigt an, wie viele Treffer jeweils vorliegen. Darunter findet sich eine Liste der Apps, die ihrerseits eine Suchfunktion bereitstellen. So kann der Suchbegriff beispielsweise in Bing oder Twitter nachgeschlagen werden. Das ist auch einfacher, denn um einen Begriff zu suchen, genügt es, auf dem Startscreen drauflos zu tippen, vorausgesetzt, es ist eine Tastatur angeschlossen. Dabei kann jede App ihr eigenes User Interface darstellen.

"Share" ermöglicht es, beliebige Inhalte mit anderen Applikationen zu teilen. Das können URLs sein, die in Twitter oder Facebook mit Freunden geteilt werden sollen, aber auch ganz andere komplexe Inhalte, die zwischen Applikationen ausgetauscht werden sollen. Microsoft beschreibt die Share-Funktion als eine Weiterentwicklung der Zwischenablage. Auch hier gilt: Für das genutzte UI ist die App verantwortlich.

Mit "Start" wird der Startbildschirm aufgerufen, was aber auch über die Windows-Taste möglich ist. "Devices" zeigt eine Übersicht der kontextrelevanten Geräte und über "Settings" können Einstellungen der jeweiligen App aufgerufen werden, die Microsoft ebenfalls vereinheitlicht hat.

Leider funktioniert das Aufrufen der Charms nicht immer zuverlässig, immer wieder passierte es im Test, dass stattdessen ein Klick registriert und die am rechten Rand befindliche App-Kachel oder ein Link im Browser aufgerufen wurde. Das kann am frühen Stadium von Windows 8, dem Testgerät oder am Nutzer gelegen haben.

Multitasking und App-Wechsel

Um zwischen Apps zu wechseln, wird von links in den Bildschirm gewischt. Das funktionierte im Test zuverlässiger als das Wischen von rechts. Stoppt die Wischbewegung ab, wird nicht die App gewechselt, sondern die von links hineingewischte App neben der aktuellen App dargestellt. Die neue App nimmt etwa ein Viertel des Bildschirms ein. Wird der Trenner zwischen den beiden Apps verschoben, bekommt die andere App den Großteil des Bildschirms. Wird der Trenner ganz aus dem Bildschirm geschoben, erhält eine App wieder allein den ganzen Bildschirm. So lassen sich neben einem Video beispielsweise aktuelle Tweets darstellen.

Windows sei immer gut im Multitasking gewesen, zumindest seit Windows 95, sagte Harris, was wie eine Spitze gegen Apple klang, beherrschte iOS doch nur eingeschränkt Multitasking. Dabei nutzt Microsoft allerdings einen ähnlichen Ansatz wie Apple, um für lange Akkulaufzeit zu sorgen: Metro-Apps werden nach Möglichkeit pausiert (suspended) und vom Betriebssystem mit Nachrichten versorgt. Microsoft nennt dies Windows Push Notification Service (WNS). Über einen entsprechenden Kontrakt können Apps zudem Hintergrundressourcen anfordern, so dass ein Musikplayer auch im Hintergrund weiterlaufen kann.



Die wichtigste App in Windows 8

Die wichtigste App, die Microsoft nach Ansicht von Jensen Harris für Windows 8 entwickelt hat, ist der Internet Explorer 10. Der IE folgt dem Metro-Stil, nimmt das ganze Display ein und versteckt das Browser-Chrome. Mit Kneif- und Spreizgesten kann auch hier gezoomt werden. Das von iOS und Android bekannte Doppeltippen, um einen Bereich zu vergrößern, unterstützt Microsofts Browser derzeit nicht.

Die Bedienelemente zeigt der Browser erst, wenn von oben oder unten ins Bild gewischt wird. Das gilt für alle Metro-Apps. Die URL-Zeile findet sich unten, die Tabs in Form kleiner Vorschaubilder oben. Wird ein neues Tab geöffnet, zeigt der IE links häufig benutzte Seiten, rechts die angepinnten. Wird dann in die URL-Zeile etwas eingegeben, filtert der Browser die entsprechenden Kacheln und zeigt nur solche an, die zur Eingabe passen. Hinzu kommt eine Bing-Kachel, um die Eingaben direkt in Microsofts Suchmaschine nachzuschlagen.

Kontrakte verbinden

Damit unterschiedliche Apps reibungslos zusammenarbeiten, ohne dass sie speziell aufeinander abgestimmt werden, führt Microsoft sogenannte Kontrakte (englisch Contracts) ein. Darüber realisiert Microsoft zum Beispiel die Sharing- und Suchfunktion. Eine App, die den Such-Kontrakt implementiert, erscheint in der Liste der Apps, wenn die Suche aufgerufen wird. Und Apps, die den Sharing-Kontrakt integrieren, können miteinander Inhalte austauschen. Das Ganze erinnert an die von Mozilla und Google vorgestellten Web Intents.

Auch Kontaktinformationen können über solche Kontrakte ausgetauscht werden. Werden Inhalte mit Personen geteilt, merkt sich Windows 8 dies und zeigt die Personen beim nächsten Mal unter "Frequent" als potenzielle Tauschpartner an. Ein Tippen genügt, um über die gleiche App mit dieser Person wieder Inhalte auszutauschen. Sollen Apps dabei nicht auftauchen, kann dies in den Einstellungen geregelt werden.

Jedem Gerät seine App

Sogenannte Device-Apps lassen sich für Geräte hinterlegen, beispielsweise, um spezielle Funktionen eines Druckers zugänglich zu machen. Doch Device-Apps sind nicht auf Drucker beschränkt, jedes Gerät kann sie verwenden. Microsoft zeigte das mit einer Device-App für einen HP-Drucker, die im Metro-Stil umgesetzt wurde.

Letztendlich soll so eine Welt miteinander verbundener Apps entstehen. Microsoft verspricht ein Nutzungserlebnis, wie es auf keiner anderen Plattform zu finden ist.

Tippen vereinfacht

Die Eingabe auf Touchgeräten will Microsoft auf unterschiedliche Art und Weise vereinfachen. Dazu gibt es neben der normalen virtuellen Tastatur eine zweigeteilte, um mit beiden Daumen zu tippen, und eine integrierte Handschrifterkennung. Wer will, kann das System auch per Stift bedienen.

Hinzu kommt eine automatische Vervollständigung und Rechtschreibkorrektur, die stark an iOS und Android erinnert. Bei der Eingabe schlägt Windows 8 passende Wörter vor, die angeklickt oder durch Betätigen der Leertaste genutzt werden können. Allerdings kann Windows 8 auch mehrere Schreibweisen vorschlagen.

Auch für Menschen mit Behinderung soll Windows 8 gut geeignet sein. Das Tastaturlayout soll sich je nach eingestellter Sprache anpassen.



Maus und Tastatur haben eine Zukunft

Auch wenn Windows 8 mit seinem Metro-UI konsequent auf eine Touchbedienung ausgerichtet wurde und Microsoft davon ausgeht, dass demnächst nur noch Bildschirme mit Touch-Unterstützung verkauft werden, so haben Maus und Tastatur weiterhin ihren Platz im neuen User Interface: Wer schnell tippen wolle, komme an einer Tastatur nicht vorbei, erklärt Microsoft, und für Desktopapplikationen, die es auch weiterhin geben solle, sei eine Maus das bessere, weil präzisere Eingabegerät.

Wird eine Maus angeschlossen, erscheint im Metro-UI ein Mauszeiger und am unteren Rand das altbekannte Startmenü sowie eine Scrollleiste. Mit dem Mausrad kann dann durch den Startscreen gescrollt werden. Ein Rechtsklick in einer Metro-App zeigt deren UI-Elemente und wer am linken Bildschirmrand klickt, kann durch die offenen Apps wechseln.

Klassische Desktopapplikationen wird es weiter geben

Microsoft geht zwar davon aus, dass viele kleine Aufgaben mit dem neuen Metro-UI besser erledigt werden können als mit klassischen Desktop-Apps, für manche Aufgaben führt aber kein Weg an den klassischen Desktop-Apps vorbei. Als Beispiel nennt Microsoft Photoshop, dessen Funktionsumfang sich unmöglich im Metro-UI abbilden lässt.

Dabei wird der Desktop wie eine Metro-App behandelt: Per Wisch von links wird vom Desktop zur nächsten Metro-App gewechselt und auch eine geteilte Darstellung - Metro-App und Desktop auf einem Bildschirm - ist möglich.

Cloud fest integriert

Windows 8 integriert Cloud-Funktionen: So können sämtliche Logins an eine Live-ID gebunden werden, mit der sich der Nutzer am PC anmelden kann, aber nicht muss. Microsoft nennt diese Single-Sign-On-Technik Live Connect. Die Live-ID bietet einige praktische Möglichkeiten: So können neue Geräte leicht eingerichtet werden, es genügt, sich auch hier mit der Live-ID anzumelden. Windows 8 sorgt dann dafür, dass die Einstellungen übernommen werden, so dass das System genauso aussieht und der Nutzer auch an dem neuen Rechner bei allen Diensten angemeldet ist.

Zudem können so Mails und Kalender in das System integriert werden, einschließlich geteilter Kalender, um auch die Termine von Familienmitgliedern im Auge zu behalten. Die Cloud-Integration sorgt auch dafür, dass die wichtigsten persönlichen Daten mit dem Nutzer von Gerät zu Gerät wandern.

Unter People fasst Windows 8 die Kontakte aus unterschiedlichen Quellen zusammen, darunter Facebook, Twitter und LinkedIn, aber auch Instant Messenger samt deren Kommunikation, die so dienst- und geräteübergreifend zur Verfügung steht.

In der rechten oberen Ecke zeigt Windows 8 in dieser Ansicht, mit welchen Diensten das System verbunden ist. Wird eine Person angeklickt, zeigt Windows 8 die aktuellen Statusmeldungen und Bilder, unabhängig davon, über welchen Dienst diese verbreitet wurden.

Fotos vereint

Die neue Foto-App von Windows 8 gewährt Zugriff auf alle Fotos, ganz gleich, ob diese auf der eigenen Festplatte oder auf Microsofts Cloud-Storage Skydrive, bei Facebook oder Flickr liegen. Fotos werden auch hier mit einem Wisch nach unten ausgewählt, was auch über mehrere Quellen hinweg funktioniert.

Skydrive ist von Hause aus in Windows 8 integriert, denn Microsoft will seinen Nutzern direkt einen Platz in der Cloud geben, wo sie ihre Daten ablegen können. Das könnte so manchem Konkurrenten missfallen.

Für Nutzer bedeutet das: Sie können Fotos per E-Mail teilen, ohne sie komplett als Anhang versenden zu müssen. Die Bilder auf dem Skydrive werden dabei in hoher Auflösung vom Skydrive heruntergeladen, die E-Mail enthält nur entsprechende Referenzen.

Nicht alles muss in die Cloud

Nutzer müssen aber nicht alle Daten in der Cloud ablegen, nur, um von überall auf sie zugreifen zu können. So soll es auch möglich sein, auf den PC im Büro von daheim oder unterwegs zuzugreifen. Abgewickelt wird dies über Skydrive, so dass den Ressourcen auf dem Büro-PC quasi URLs zugewiesen werden. So kann auch von einem Smartphone mit Windows Phone 7.5 auf die Daten zugegriffen werden, sofern sich der Nutzer dort mit seiner Live-ID anmeldet. Die mit dem Windows Phone gemachten Fotos landen in der sogenannten Camera Roll auf dem Skydrive und sind dann ebenfalls überall verfügbar.



Hardwareanforderungen

Die Hardwareanforderungen von Windows 8 unterscheiden sich nicht von Windows 7, dass heißt, Windows 8 soll auf jedem Rechner laufen, auf dem auch Windows 7 läuft. Windows 8 soll auf PCs laufen, die mindestens einen 32-Bit-Prozessor mit 1 GHz, 1 GByte RAM und 16 GByte freien Speicherplatz haben. Für die 64-Bit-Version von Windows 8 braucht es 2 GByte RAM und 20 GByte freien Platz auf dem Speichermedium. Zudem sollte eine Grafikkarte im Rechner stecken, die mindestens DirectX 9 und WDDM 1.0 unterstützt.

Aufgrund einiger Optimierungen, die Microsoft an Windows 8 vorgenommen hat, soll das System sogar eine höhere Leistung bieten als Windows 7 auf gleicher Hardware, wie Gabriel Aul, Director of Program Management Windows Fundamentals, sagte. Er zeigte zwei identische Systeme im Vergleich, eines mit Windows 7, eines mit Windows 8. Der Rechner mit Windows 8 benötigte weniger Speicher und wies eine geringere CPU-Belastung auf.

So hat Microsoft unter anderem eine neue Timer-Clock-Mechanik realisiert, die dafür sorgen soll, dass CPUs länger in einem tieferen Stromsparmodus verweilen.

Windows 8 für ARM

Windows 8 läuft auch auf ARM-Prozessoren. Das aber gilt zunächst einmal nur für Metro-Apps. Komplexe Desktopapplikationen bleiben auf x86-Prozessoren beschränkt. Wer eine Metro-App entwickelt, kann sie laut Windows-Chef Steven Sinofsky auf allen Windows-8-Geräten einsetzen. Für komplexe Applikationen hingegen ist die auf ARM-Prozessoren basierende Hardware oft nicht geeignet. Diese fordere zu viel Leistung, was zu kurzen Akkulaufzeiten führe, sagte Sinofsky.

Schneller und sicherer Booten

Dass Windows in 8 Sekunden booten kann, hat Microsoft schon vorher gezeigt. Ein von Microsoft zur Verfügung gestelltes Gerät mit der Vorversion von Windows 8 bootete bei unserem Test in rund 20 Sekunden. Zugleich soll der Bootvorgang dank "Secure Boot" sicherer werden: Dabei werden alle Komponenten im Rechner signiert und bei fehlenden oder fehlerhaften Signaturen wird der Bootvorgang gestoppt. Das soll verhindern, dass Malware schon vor dem Start des Betriebssystems ausgeführt wird.

Noch beim Booten greift eine erweiterte Version des Windows Defender ein, der in Echtzeit vor Viren und Malware schützen und Antivirensoftware von Drittanbietern einen sicheren Start garantieren soll, wenn diese übernehmen. Microsoft setzt dabei auf signatur- und verhaltensbasierte Malwarefilter, die mit der Smartscreen-Funktion seit längerem im Internet Explorer genutzt werden.

Connected Standby

Mit Windows 8 führt Microsoft auch einen neuen Stromsparmodus ein: Connected Standby. In diesem Modus hat das System eine extrem geringe Leistungsaufnahme, lediglich gelegentlich steigt sie für einen kurzen Moment leicht an. So soll dafür gesorgt werden, dass die Apps immer auf dem aktuellen Stand sind und nicht erst aktualisiert werden müssen, wenn das System wieder genutzt wird.

Immer optimal verbunden

Windows 8 verfügt über ein Icon, das die Netzwerkqualität anzeigt. Dahinter verbirgt sich eine Übersicht aller drahtlosen Verbindungen, die WLAN und WWAN umfasst. Windows nutzt immer die beste Verbindung. Eine Gigabit-Ethernet-Verbindung wird in aller Regel einer WLAN-Verbindung vorgezogen und diese ist meist besser als der Internetzugang über das Mobilfunknetz. Dabei wird automatisch umgeschaltet, beispielsweise wenn der Nutzer aus dem Haus und damit aus der Reichweite seines WLANs geht. Der Nutzer aber soll davon nichts mitbekommen, das Umschalten soll transparent erfolgen.

Nach Volumen abgerechnete Mobilfunkverträge ("Metered Network") werden besonders behandelt: So werden bestimmte Datenübertragungen wie das Herunterladen von Updates im Hintergrund automatisch ausgesetzt, wenn nur eine solche Verbindung besteht. Auch Apps können darauf reagieren und beispielsweise Bilder in verringerter Auflösung anzeigen, um weniger Daten zu übertragen.

Task-Manager aufgebohrt

Deutlich überarbeitet wurde der Task-Manager. In einer erweiterten Ansicht zeigt er umfangreiche Details zum Systemzustand: So gibt es tabellarische Übersichten zur CPU-Auslastung, zur Speichernutzung, dem verwenden Plattenplatz und den Netzwerkressourcen für jede App, in denen farblich hervorgehoben wird, wo der Ressourcenbedarf besonders hoch ist. Zudem gibt es eine grafische Darstellung der Leistung. Und per Rechtsklick auf einen Prozess kann dieser in Bing nachgeschlagen werden.

Unter App History zeigt der Task-Manager an, welche Apps in der Vergangenheit welche Ressourcen beansprucht haben. So soll erkennbar werden, welche App dafür verantwortlich ist, dass der Akku schneller leer ist als gedacht. Zudem wird angezeigt, welchen Traffic eine App über ein "Metered Network" abgewickelt hat. Außerdem sind pausierte Apps im Task-Manager erkennbar.

Neue Klassentreiber

Mit neuen Klassentreibern will Microsoft die Nutzung von Zusatzhardware vereinfachen. Diese Klassentreiber decken eine Vielzahl von Geräten einer Kategorie ab, so dass keine zusätzlichen Treiber installiert werden müssen. Unter anderem gibt es einen neuen Klassentreiber für WWAN-Devices, also Mobilfunkmodems - sowohl solche in Form eines USB-Dongle als auch die in Notebooks und Tablets integrierten.

Zudem gibt es einen neuen Klassentreiber für USB-3.0-Storage und einen HID-Treiber für diverse Sensoren die Licht, Temperatur, Druck, Ladung und Bewegung auswerten. Hinzu kommt ein Klassentreiber für Drucker, der rund 70 Prozent aller mit Windows 7 genutzten Drucker abdecken und sicherstellen soll, dass gedruckt werden kann. Für erweiterte Funktionen können dann entsprechende Device-Apps installiert werden.



Windows to Go

Für Geschäftskunden gedacht ist "Windows to Go". Sie können damit Windows 8 samt aller geschäftlichen Applikationen, Einstellungen und Daten auf einem bootbaren USB-Stick installieren. Nach getaner Arbeit wird der USB-Stick einfach abgezogen, so dass keine Datenspuren auf dem verwendeten Computer zurückbleiben.

Wird der USB-Stick im laufenden Betrieb entfernt, friert Windows zwar ein, läuft aber ohne Absturz weiter, wenn der Stick wieder eingesteckt wird.

Microsoft sieht darin eine billige Alternative zu virtuellen Desktopinfrastrukturen, da für die USB-Stick-Variante keine Serverinfrastruktur benötigt wird.

Den eigenen PC auf der Arbeit nutzen

Auf diesem Weg, aber auch mit einem Remote-Desktop ist es mit Windows 8 problemlos möglich, den eigenen PC für die Arbeit zu nutzen. Das Betriebssystem kann dennoch vom Unternehmen verwaltet werden. Der Remote-Desktop bietet zudem die Möglichkeit, zwischen dem privaten und beruflichen System zu wechseln. Dabei können auch mehrere Remote-Desktops parallel genutzt werden. Zwischen diesen kann wie zwischen Metro-Apps gewechselt werden. Dabei werden auch Multitouch und Sound über den Remote-Desktop unterstützt.

Hyper-V integriert

Microsoft hat mit Client Hyper-V seine aus dem Windows Server bekannte Virtualisierungstechnik in Windows 8 integriert. Dabei kann schnell zwischen verschiedenen VMs gewechselt werden und ihre Geschwindigkeit soll sich nicht merklich von der eines nativen Desktops unterscheiden.

Reset und Refresh

Wer ein System mit Windows 8 zurücksetzen will, dem bietet Microsoft zwei integrierte Methoden: Der erweiterte Reset versetzt einen Rechner wieder in den Auslieferungszustand. Sämtliche Daten gehen dabei verloren. Diese Funktion kann daher nur mit Administratorrechten durchgeführt werden.

Alternativ kann ein Refresh durchgeführt werden. Dabei werden die persönlichen Daten und die installierten Metro-Apps gesichert, anschließend wird das Betriebssystem wiederhergestellt und dann die Daten. So soll sich ein beispielsweise mit unnützen Toolbars versehenes System wieder flottmachen lassen. Dabei nutzt Windows 8 die gleiche Image-Technik wie zur Virtualisierung.

Erreichbar sind diese Funktionen, wenn beim Start des Systems die Windows-Taste unter dem Punkt "Troubleshoot" gedrückt wird. Das System kann hier auch von einem bestimmten Image oder einem Wiederherstellungspunkt wiederhergestellt werden. Auch alternative Betriebssysteme können auf diesem Weg auf dem System gestartet oder automatische Reparaturen durchgeführt werden, sollte Windows nicht mehr starten.

Speichernutzung optimieren

Verwenden mehrere laufende Applikationen die gleiche Runtime oder gleiche Bibliotheken, bietet Windows 8 mit der Funktion "Combine Pages" die Möglichkeit, den Speicherbedarf dieser Apps zu reduzieren. Dabei wird nach Speicherseiten mit gleichen Inhalten gesucht, die zu einer gemeinsamen, geteilten Bibliothek zusammengefasst werden. So verwenden alle Apps am Ende dieselbe Bibliothek beziehungsweise Runtime, die dann nur noch einmal im Speicher liegt.



Entwickeln für Windows 8

Für das Metro-UI führt Microsoft mit Windows 8 die sogenannten Windows Runtime APIs ein (WinRT), die tief in das System integriert sind. Die WinRT-APIs unterstützen verschiedene Sprachen, so dass Metro-Apps mit Webtechnik wie HTML, CSS und Javascript ebenso entwickelt werden können wie mit C/C++, C# oder Visual Basic. Auch bestehende Microsoft-Frameworks können für die Entwicklung von Metro-Apps genutzt werden, einschließlich .Net und der Windows C Runtime Library.

Das gilt auch für Spiele: Während einfache Spiele mit Javascript realisiert werden können, werden andere in C++ geschrieben und nutzen DirectX 11.1.

Entwicklern stellt Microsoft diverse Komponenten zur Verfügung, von der App Bar über Live Tiles bis hin zu den Kontrakte (Contracts). Diese Bausteine lassen sich einfach in eigene Applikationen integrieren und stellen dann die gleichen Funktionen zur Verfügung, wie man sie in Microsofts Metro-Apps findet. Das gilt auch für Views und Texteingabefelder, für Applikationslayouts wie Grids und den semantischen Zoom sowie für Dialogelemente wie Slider (Schieberegler), die sich mit CSS im Aussehen leicht anpassen lassen.

Visual Studio 11 und Expression Blend 5

Um die Entwicklung von Metro-Apps zu vereinfachen, liefert Microsoft mit der Entwicklerversion von Windows 8 auch Vorabversionen von Visual Studio 11 und Expression Blend 5 aus. Werden Metro-Apps mit HTML, CSS und Javascript erstellt, laufen sie auch in anderen Browsern, nicht nur im Internet Exporer 10, der in Windows zur Darstellung von Metro Apps verwendet wird. Die Verträge stehen über Javascript-APIs bereit und lassen sich mit wenigen Zeilen Code in eigene Apps integrieren.

Visual Studio bietet Widgets, um das Stylen von Apps zu vereinfachen. Expression Blend geht einen Schritt weiter und erlaubt es, Elemente in den Webapplikationen mit der Maus absolut zu positionieren, Layouts auszuwählen und Komponenten wie die App Bar mit wenigen Klicks zu einer App hinzuzufügen.

Dabei gibt Microsoft Entwicklern die Möglichkeit, die Dialogelemente optisch und inhaltlich anzupassen, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass diese mit Webtechnik umgesetzten Elemente auch mit Multitouch funktionieren, so dass beispielsweise mehrere Schieberegler gleichzeitig bedient werden können, ohne dass Entwickler dafür spezielle Vorkehrungen treffen müssen.

Bestehende Silverlight-Applikationen sollen sich mit einem überschaubaren Aufwand in Metro-Apps umwandeln lassen. Es muss der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Metro-Apps nicht im Browser laufen. Die WinRT-Schnittstellen verwenden daher andere Namen. Mit ein paar weiteren Änderungen lässt sich das Aussehen der Silverlight-Applikationen zudem leicht dem Metro-UI anpassen.

Windows Store für Apps

Mit Windows 8 führt Microsoft auch einen App Store ein, der Windows Store genannt wird. Entwickler können ihre Apps hier einreichen und verkaufen. Dabei sieht Microsoft die Möglichkeit vor, dass Nutzer Apps für eine begrenzte Zeit kostenlos testen können, und auch In-App-Käufe werden unterstützt. Allerdings steht der Windows Store in der ersten öffentlichen Entwicklerversion von Windows 8 noch nicht zur Verfügung.

Entwicklern verspricht Microsoft eine hohe Transparenz: Sie sollen sehen können, in welchem Status der Prüfung sich eine App jeweils befindet, denn sie muss dabei mehrere Stufen durchlaufen: Nach einer Vorverarbeitung gibt es eine Sicherheitsprüfung und anschließend eine technische und inhaltliche Prüfung. Dann wird die App signiert und veröffentlicht.

Der Store selbst ist als Metro-App umgesetzt und zeigt auf den Detailseiten der Apps unter anderem eine Beschreibung, eine Bewertung, ein großes Bild und die Hardwareanforderungen. Dabei gilt: Metro-Apps werden ausschließlich über den Windows Store verteilt, alle anderen Applikationen können auch über den Store angeboten werden. Normale Desktopapplikationen werden aber nur gelistet, um die Abrechnung und Verteilung der Apps müssen sich die Hersteller selbst kümmern. Dafür will Microsoft in diesen Fällen aber dann keine Provision verlangen.

Metro-Apps können auf bis zu fünf Rechnern verwendet werden.

Statistiken für Entwickler

Über ein App Dashboard will Microsoft Entwicklern Berichte zu ihren Apps zur Verfügung stellen. Die Statistiken zeigen, wie oft Apps heruntergeladen, ausprobiert oder gekauft wurden und wie erolgreich sie im Vergleich zu anderen Apps der gleichen Kategorie sind.

Zudem zeigt das Dashboard, wie die Apps über Suchmaschinen gefunden werden, denn der Windows Store Shop soll Suchmaschinen offenstehen. Hinzu kommen Daten zu Abstürzen, zu nicht reagierenden Anwendungen, zur Bewertung und dem kommerziellen Erfolg.

Neue Werkzeuge für Hardwarehersteller

Hardwareherstellern gibt Microsoft eine umfangreiche Testinfrastruktur an die Hand, mit der sie herausfinden können, wie gut Windows 8 auf einer bestimmten Konfiguration läuft. Microsoft hofft, dass dies zu besserer, auf Windows 8 abgestimmter Hardware führt.

Microsoft selbst hat nach eigenen Angaben Windows 8 im Rahmen der Entwicklung und beim Testen über zwei Millionen Mal installiert, mehr als 9,3 Millionen Stunden an Performancetests durchgeführt, mehr als eine Billion Telemetrie-Datenpunkte gesammelt und über 380.000 Stunden Kompatibilitätstests mit 12.000 Apps durchgeführt.



Fazit

"Windows reimagined" klingt hochtrabend, passt aber dazu, dass Microsoft mit Windows 8 eine ganz neue Plattform mit neuem UI und neuer Entwicklerbibliothek einführt. Das neue UI "Metro" hat seit seiner Vorstellung viel Kritik geerntet, denn so manch einer hält es für überflüssig. In den von Microsoft gezeigten Demos macht das neue User Interface aber einen durchdachten Eindruck. Es ist zwar nicht für alle Applikationen geeignet, aber sehr viele Aufgaben lassen sich damit erledigen - und das aufgrund der cleveren Verzahnung von Apps über Verträge womöglich besser als mit klassischen Desktopapplikationen.

Die aktuelle Entwicklervorschau von Windows 8 wirkt allerdings noch etwas wackelig. Sowohl in den Demos von Microsoft als auch bei unseren Tests auf einem Vorschau-Gerät gab es immer wieder Abstürze und Hänger einzelner Applikationen. Das Betriebssystem selbst wurde davon aber nicht beeinflusst. Zudem fehlen der aktuellen Entwicklervorschau noch einige Funktionen und vor allem Applikationen, die in den Demos einen besonders interessanten Eindruck machten. So fehlt die People-App ebenso wie die Foto-App und Videos lassen sich derzeit ebenfalls nur mit der Desktopversion des Windows Media Player wiedergeben.

Gedacht ist die Entwicklervorschau aber ohnehin für Entwickler, denen Microsoft damit die APIs an die Hand geben will, um neue Apps zu schaffen. Schließlich lebt ein Betriebssystem von den verfügbaren Apps. Dabei sollte auch helfen, dass es Microsoft ermöglicht, Metro-Apps nicht nur mit HTML, CSS und Javascript zu entwickeln, sondern auch mit .Net und Silverlight sowie C und C++.

Während sich das Metro-Interface per Touch, Tastatur und Maus aber bedienen lässt, macht es wenig Spaß, normale Desktop-Apps in Windows 8 per Touch zu bedienen. Diese sind dafür nicht gemacht und Microsoft betont zu Recht, dass für diese Apps die Maus unverzichtbar ist. Ob Nutzer aber bereit sind, auf einem Gerät zwei grundlegend verschiedene UI-Konzepte zu akzeptieren, ist ungewiss.

Microsoft hat auch bei den zu Windows gehörenden Desktopapplikationen große Veränderungen umgesetzt, zu nennen sind hier vor allem der Explorer und der Task-Manager.

Die Cloud-Integration fällt kaum auf, und das ist positiv zu werten. Erfreulich ist auch, dass es Microsoft gelungen ist, den Bootvorgang zu beschleunigen, den Speicher zu optimieren und neue Klassentreiber zu entwickeln.

Entwicklervorschau zum Herunterladen

Die Entwicklervorschau von Windows 8 soll im Laufe der Woche unter dev.windows.com zum Download bereitgestellt werden. Zudem wird Microsoft während der Build-Konferenz in zahlreichen Sessions weitere technische Details zu Windows 8 veröffentlichen.

Nachtrag vom 14. September 2011, 6:56 Uhr

Microsoft hat die Entwicklervorschau von Windows 8 mittlerweile zum Download bereitgestellt.  (ji)


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