Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86403.html    Veröffentlicht: 13.09.2011 10:22    Kurz-URL: https://glm.io/86403

Sensornetzwerk

Intels Waldbrandgranate ist fertig

Was auf den ersten Blick wie eine Granate aus einem Cartoon aussieht, ist in Wirklichkeit ein Messgerät für Feuerwehren. Nach zehn Jahren hat Intel das Sensorpaket fertiggestellt, das in Brände geworfen werden kann.

Auf dem IDF 2001 überraschte Intel mit der Vision, Computer in Brände zu werfen - zehn Jahre später sind die entsprechenden Geräte immerhin schon als Prototypen verfügbar. Sie sind am Vortag des IDF 2011 gezeigt worden.

Gebaut hat sie das "Rapid Protoyping Team" (RPT) von Intel auf Basis von Embedded-Atoms. Auf Wunsch von potenziellen Kunden sind aber auch ARM-Prozessoren möglich. Je nach Einsatzzweck, etwa für den Abwurf aus einem Flugzeug, stecken die kleinen Computer in Kugeln aus Aluminium oder Edelstahl.

Die Geräte sollen die für die Brandbekämpfung nötigen Daten liefern: Wo brennt es, wie heiß ist es, und welche Gase entstehen? Die Art der Gase liefert einen Hinweis auf die brennenden Materialien und damit auf das richtige Löschmittel. Das sollte auch jedem Benutzer einer Küche bekannt sein: Fettbrände löscht man wegen Explosionsgefahr nicht mit Wasser. Ebenso ist das bei vielen anderen Bränden. Was genau brennt, können Feuerwehrleute aber nur selten sicher wissen.

Im Inneren der Kugeln befinden sich Sensoren für die Temperatur und für Gase wie Kohlenmonoxid. Die Daten dieser Messeinheiten übermitteln sich die Kugeln gegenseitig per WLAN, sie bilden dazu ein Mesh-Netzwerk. Daher reicht es, wenn der Empfänger sich zur Auswertung am Rande des Brandgebietes befindet. Er kann dann über die nächstgelegene Kugel auf die Daten aller Geräte zugreifen. Ein Notebook, am besten mit einer externen Antenne, reicht dazu aus.

Die Reichweite des WLANs - Intel bietet hier maximal 802.11g an - beträgt im Freien ohne Störungen und bei Sichtverbindung einige hundert Meter, was sich auch durch Überfliegen erreichen lässt. Die Kugeln können alle Messwerte mehrmals pro Sekunde erfassen und damit einen Brand wie in Echtzeit beobachten.

Die Sensoren und das WLAN-Modul benötigen aber viel Strom. Bei voller Leistung und mehreren Messungen pro Sekunde sind die Lithium-Ionen-Akkus nach anderthalb Stunden erschöpft. Geht es um eine mögliche Brandentwicklung durch Selbstentzündung in heißen Gegenden, können aber auch nur im Abstand von einigen Minuten und mit Pausen in der Nacht Laufzeiten von mehreren Monaten erreicht werden.

Gegen Hitze geschützt wird die Elektronik von einem Keramikmantel im Inneren der Kugel. Dieser soll fast 1.500 Grad Celsius aushalten, was Brände in der Natur aber nicht erreichen. Besonders gut für den Einsatz im Freien ist die Kugel aus Aluminium geeignet: Bei ihr kann die Antenne im Inneren angebracht werden, weil das Leichtmetall nicht so stark abschirmt wie Edelstahl.

Die Stahlkugel verträgt Abwürfe aus einigen hundert Metern Höhe, braucht aber eine externe Antenne. An der kann das Gerät etwa an der Vegetation hängen bleiben oder sich am Boden beim Rollen verhaken. Nur zu Testzwecken an einem billigen Gerät ist die schwarze Kugel aus Kunststoff gedacht.

Wenn die Daten das schnelle Löschen eines Feuers ermöglichen, ist das nicht nur für die Feuerwehrleute und andere Betroffene von Vorteil: Nur solange die Kugeln noch senden, ist es leicht, sie wiederzufinden. Einen Mechanismus, um sie auch ohne Strom zu orten, gibt es bisher nicht. Die Geräte müssen in diesem Fall schlicht von Menschen gesucht werden.

Das könnte sich aber auch erübrigen, wenn sie recht günstig werden. Was sie kosten sollen, wollte Intel aber auch nicht ungefähr sagen. Auch die Namen von möglichen Herstellern behält Intel bisher für sich. Es soll aber einige Anfragen von Firmen und Behörden geben, sagten die Entwickler in San Francisco.  (nie)


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