Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86346.html    Veröffentlicht: 09.09.2011 11:40    Kurz-URL: https://glm.io/86346

Ex-Yahoo-Chefin

"These people fucked me over"

Carol Bartz nennt die Mitglieder des Yahoo-Aufsichtsrats in ihrem ersten Interview "Idioten", die sie verarscht hätten. Der Chef des Kontrollgremiums hätte zudem "nicht die Eier" gehabt, ihr die Kündigung mit eigenen Worten mitzuteilen.

Die ehemalige Yahoo-Chefin Carol Bartz hat sich in deutlichen Worten zu ihrem Rauswurf geäußert. In einem Interview mit dem CNN-Magazin Fortune sagte sie: "These people fucked me over", was ungefähr soviel bedeutet wie "Diese Leute haben mich verarscht". Yahoo-Aufsichtsratschef Roy Bostock hatte Carol Bartz am 6. September 2011 entlassen. Im Aufsichtsrat herrschte Unmut über die schlechte Performance des Unternehmens.

Kritiker warfen Bartz seit langem vor, dass sie außer Stellenabbau und der Suchmaschinenpartnerschaft mit Microsoft kein Konzept zur Überwindung des Umsatzrückgangs bei dem Internetunternehmen hatte, während Google und Facebook stark vom wachsenden Geschäft mit Onlinewerbung profitierten.

Bostock habe Bartz am Telefon ihre Kündigung als schriftliche Erklärung eines Rechtsanwalts vorgelesen. "Ich sagte: 'Roy, das ist doch aus einem Brief. Warum hast du nicht die Eier, mir das mit eigenen Worten zu sagen? Ich hätte gedacht, dass du mehr Klasse hast."

Ausbruch könnte Bartz die Abfindung kosten

Der Yahoo-Aufsichtsrat und die damalige Konzernführung hatten im Februar 2008 ein Übernahmeangebot Microsofts abgelehnt. Der Softwarekonzern wollte Yahoo damals für 44,6 Milliarden US-Dollar kaufen. "Nun versuchen sie so zu tun, als ob sie nicht die Idioten sind, die sie sind", sagte Bartz über die verpasste Chance.

Der Aufsichtsrat hätte ein Umsatzwachstum sehen wollen, obwohl Bartz ihnen gesagt habe, dass es vor 2012 in dem Bereich keinen Zuwachs geben könne, sagte sie Fortune.

In der Suchpartnerschaft zwischen Microsoft und Yahoo, die die Unternehmen am 29. Juli 2009 bekanntgegeben hatten, legten die Firmen ihre Suchmaschinen zusammen. Microsoft übernahm die Suchtechnik, Yahoo die Vermarktung. Bartz erklärte, dass Yahoo damit langfristig Kosten spare und Wachstumschancen entwickle, doch das habe der Aufsichtsrat nicht sehen wollen.

Bartz könnte das Interview ihre Abfindung in Höhe von zehn Millionen US-Dollar kosten. Laut Fortune hat sie in ihrem Vertrag eine Klausel gegen Verunglimpfung.  (asa)


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