Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86259.html    Veröffentlicht: 07.09.2011 15:25    Kurz-URL: https://glm.io/86259

Ace Combat Assault Horizon angespielt

Call of Duty für Piloten

Spiele der Ace-Combat-Serie als Flugsimulationen zu bezeichnen, hätte bereits bei Erscheinen des Erstlings 1995 für Kopfschütteln gesorgt. Auch der neue Teil der Reihe soll ein unkompliziertes Arcade-Actionspiel ohne Realismusanspruch werden. Golem.de hat Assault Horizon angespielt und dabei festgestellt: Flugzeuge können bluten.

Schluss mit Estovakia, Emmeria und anderen Fantasieländern. Ace Combat: Assault Horizon verabschiedet sich von den erfundenen Kulissen seiner Vorgänger und lässt Spieler über Dubai, Miami und anderen realen Städten kämpfen. Die Kampagnengeschichte rund um eine geheimnisvolle Superwaffe in den Händen von Terroristen führt unter anderem nach Russland, Ostafrika, in den Nahen Osten und die USA. Als William Bishop sind Spieler im Jahr 2015 Fliegerass einer multikulturell zusammengestellten Nato-Task-Force, deren Mitglieder in Zwischensequenzen als patriotische Kumpeltypen mit flotten Sprüchen auf den Lippen vorgestellt werden.

In der Einführungsmission von Assault Horizon sitzen Spieler in einem F22-Flugzeug, um die Stadt Miami vor angreifenden Kampfjets zu verteidigen. Während sich Standardgegner wie in jedem anderen Arcade-Flugspiel vom Himmel schießen lassen, erfordern besonders robuste Geschwaderführer den Einsatz einer ganz neuen Funktion des Spiels. Ist ein Feind in Reichweite, steht auf Knopfdruck ein spezieller Dogfightmodus zur Verfügung. Hier folgt das Flugzeug automatisch dem gerade ausgewählten Kontrahenten und Spieler dürfen sich ganz aufs Zielen konzentrieren. Eine besonders nahe am Geschehen positionierte Verfolgerkamera lässt solche Momente wie spannend inszenierte Actionszenen aus Hollywoodfilmen wirken. Besondere Dramatik erleben Spieler, wenn sie vom gejagten Piloten in Hochhausschluchten gelockt werden, in denen zusammenbrechende Kulissenteile wie Baugerüste oder Kräne nur knapp an ihren Flügeln vorbei in die Tiefe stürzen.

Die computergesteuerten Gegner können ihrerseits ebenfalls einen Nahkampf im Dogfightmodus erzwingen. Um sich aus einer solchen Lage zu befreien, greifen Spieler auf schnell ausgeführte Rollen und Loopings zurück. Ohne viel Gamepad-Akrobatik befördern sie sich sogar gleich hinter das Heck ihres überraschten Jägers, um das Katz-und-Maus-Spiel umzudrehen. Gelingt nach einem solchen Kunstmanöver ein Abschuss, werden die Explosionen der Widersacher in Nahaufnahme präsentiert. Dabei kommen selbst Splatterfans auf ihre Kosten, denn Ace Combat spart nicht mit umherspritzendem Öl als Blutersatz. Schade nur, dass sich die Animationen zerbrechender Flugzeuge in der von uns gespielten Vorabversion häufig identisch wiederholten und dabei keine Physikberechnung der Einzelteile in Echtzeit stattgefunden hat.

Übung macht den Hubschrauberpiloten

Spieler steigen in Ace Combat: Assault Horizon mit insgesamt 28 verschiedenen Kampfflugzeugen und drei unterschiedlichen Hubschraubermodellen in die Lüfte. Die Steuerung der Helikopter hat sich beim Anspielen als deutlich anspruchsvoller herausgestellt als die viel intuitiver kontrollierbaren Düsenjets. Starkem Raketenbeschuss auszuweichen und gleichzeitig die Flughöhe zu regulieren, erfordert Übung. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Spieler mit den Hubschraubern wie in einem Egoshooter nach links und rechts strafen können.

Nicht immer hatten wir beim Anspielen die volle Kontrolle über das Geschehen am Himmel. In einer interaktiven Zwischensequenz mussten wir hinter einem Geschütz sitzend aus einem Helikopter heraus feuern, was dem Ablauf eines On-Rail-Shooters entsprach. Die Flugzeugmission vorher endete mit einem Absprung im Schleudersitz, den wir anhand eines Quick-Time-Events auslösen mussten. Beides hat als auflockernde Showeinlage seinen Zweck erfüllt und wurde nahtlos ins Geschehen eingefügt. Fans der Serie könnten sich trotzdem daran stören, dass Assault Horizon eine so deutliche Abkehr vom puristischen Arcade-Flugzeugspiel darstellt.

Uns hat das überraschend westlich präsentierte Ace Combat: Assault Horizon in zwei Probemissionen bereits viel Spaß gemacht. Seinen Spitznamen "Call of Duty der Lüfte" trägt das Spiel nicht nur wegen des modernen Kriegssettings zu Recht. Mit Zwischensequenzen voller patriotischer Charaktere, packend inszenierten Quick-Time-Events und einem schicken Dogfightmodus orientiert sich die Präsentation des japanischen Titels stärker an Hollywood-Actionfilmen als es selbst Ubisofts Hawx-Reihe bisher getan hat. Das sieht toll aus, geschieht jedoch zulasten spielerischer Dynamik, für die ja auch Call of Duty nicht unbedingt bekannt ist. Selbst einige der waghalsigen Flugduelle durch Wolkenkratzer in Miami erweckten in der Vorabversion den Eindruck, stark durch Scripts vorherbestimmt gewesen zu sein.

Ace Combat: Assault Horizon vom Entwicklerteam Project Ace erscheint am 14. Oktober 2011 für Xbox 360 und Playstation 3. Es hat von der USK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten und wird sowohl kooperative als auch kompetitive Mehrspielermodi enthalten.  (dp)


Verwandte Artikel:
Spieletest: Hawx - Tom Clancy hebt ab   
(09.03.2009, https://glm.io/65786 )
Call of Duty Modern Warfare 3: Dedicated Server für PC-Version bestätigt   
(03.09.2011, https://glm.io/86193 )
X-Plane 11.20 Beta: VR-Version von X-Plane kann ausprobiert werden   
(28.12.2017, https://glm.io/131877 )
Spieletest: Ace Combat 6 - Next-Generation-Flug-Action   
(08.01.2008, https://glm.io/56872 )
Dark Souls 3 The Ringed City: Mit gigantischem Drachenschild ans Ende der Welt   
(23.01.2017, https://glm.io/125753 )

© 1997–2018 Golem.de, https://www.golem.de/