Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1109/86192.html    Veröffentlicht: 02.09.2011 18:10    Kurz-URL: https://glm.io/86192

Reporter ohne Grenzen

Journalistenorganisation schaltet Wikileaks Mirror Site ab

Reporter ohne Grenzen will Wikileaks nicht mehr gegen Sperrungen unterstützen und schaltet seine Mirror Site für Wikileaks ab. Nach der Datenpanne müsse die Whistleblower-Plattform erst wieder das Vertrauen der Nutzer gewinnen.

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen spiegelt und hostet keine Seiten der Enthüllungsplattform Wikileaks mehr. Das gaben die Menschenrechtler am 2. September 2011 bekannt. Die am 21. Dezember 2010 erstellte Mirror Site für Wikileaks werde vorübergehend abgeschaltet, nachdem offenbar unredigierte Versionen von diplomatischen Depeschen im Internet verbreitet wurden. Diese sollen auch Namen von Informanten der US-amerikanischen Botschaften enthalten.

Wikileaks hatte bestätigt, dass die Depeschen aufgrund eines Datenlecks unverschlüsselt im Internet kursieren. Die Plattformbetreiber hatten danach begonnen, eine verschlüsselte Datei mit bereits zugänglichen, aber auch unredigierten und unveröffentlichten Dokumenten über Bittorrent zu verteilen. Über Twitter ruft Wikileaks dazu auf zu votieren, ob das Passwort für die Datei nachgeliefert werden soll.

"Auch wenn bislang nicht bekanntwurde, dass durch diese Veröffentlichungen Personen in Gefahr gebracht worden sind, dürfen doch die möglichen Auswirkungen auf das Leben von Informanten wie Kündigung ihres Arbeitsplatzes, körperliche Übergriffe und andere Repressionen nicht vernachlässigt werden", teilte Reporter ohne Grenzen mit.

Nach den umstrittenen Sperrungen der Wikileaks-Seite hatte sich die Journalistenorganisation 2010 neben anderen Organisationen entschieden, die Seiten der Enthüllungsplattform auf ihrer internationalen Homepage rsf.org zu spiegeln. Die Verteidigung des freien Informationsflusses im Internet und des Informantenschutzes seien Voraussetzungen für investigativen Journalismus, begründete Reporter ohne Grenzen die Entscheidung. Da die Sicherheit des Quellenschutzes heute infrage gestellt ist, hat sich die Gruppe entschlossen, die Spiegelung auszusetzen, bis die Sicherheitslücken aufgeklärt und beseitigt sind.

Reporter ohne Grenzen: "Derzeit müssen wir aber darauf hinweisen, dass Whistleblower-Plattformen wieder das Vertrauen ihrer potenziellen Nutzer gewinnen müssen." Entscheidend sei, dass die etablierten journalistischen Standards des Informantenschutzes eingehalten würden. Wikileaks habe in der Vergangenheit wertvolle Arbeit geleistet.  (asa)


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