Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/86061.html    Veröffentlicht: 30.08.2011 09:56    Kurz-URL: https://glm.io/86061

Windows 8

Explorer mit Ribbons und für Power-User

Microsoft hat den Windows Explorer für Windows 8 überarbeitet und auf Dateiverwaltung optimiert. Das User Interface wurde komplett neu gestaltet und nutzt nun Ribbons. Und obwohl die Software für normale Nutzer gedacht ist, nimmt sich Microsoft auch der Wünsche von Power-User an.

Von rund 200 Funktionen, die der Windows Explorer bietet, machen die Top-10-Funktionen knapp 82 Prozent der Nutzung aus, allen voran Einfügen (19 Prozent), Eigenschaften anzeigen (11 Prozent), Kopieren (10 Prozent) und Löschen (10 Prozent). Die Daten hat Microsoft über die in Windows integrierte Telemetrie ermittelt, die Nutzer explizit aktivieren müssen, um Daten an Microsoft zu senden.

Die Zahlen zeigen: Der Explorer wird im Kern zur Dateiverwaltung genutzt. Rund 54,5 Prozent aller Aktionen werden über einen Rechtsklick eingeleitet, 32,2 Prozent über Tastenkommandos und nur 10 Prozent werden über die Befehlsleiste ausgeführt. Mehr als 85 Prozent aller Aktionen würden also auf Wegen jenseits des primären UI ausgeführt, schreibt Windows-Entwickler Alex Simons. Das lasse Raum für Verbesserungen des User Interface, zumal nur zwei der zehn am häufigsten genutzten Funktionen über die Befehlsleiste erreichbar sind.

Neben diesen Telemetriedaten hat Microsoft beim Neu-Design des Explorers auch Rückmeldungen von Nutzern in seine Überlegungen einbezogen. Die häufigste Forderung: Microsoft soll Funktionen aus Windows XP, die mit Windows Vista gestrichen wurden, wieder einführen, allen voran den Knopf, mit dem um eine Verzeichnisebene nach oben gewechselt werden kann.

Letztendlich hat Microsoft drei Ziele für den neuen Explorer in Windows 8 definiert: Er soll optimiert auf Dateiveraltung sein, ein vereinfachtes User Interface bieten, bei dem die am häufigsten genutzten Kommandos leicht erreichbar sind, und er soll seiner Herkunft treu sein, also Befehle früherer Versionen zurückbringen.

UI setzt auf Ribbons

Am Ende entschieden sich die Entwickler beim User Interface, auf die aus Microsoft Office bekannten Ribbons zu setzen. Dies biete die Möglichkeit, die wichtigen Kommandos prominent zu platzieren, und erlaube es Nutzern, Kommandos verlässlich wiederzufinden sowie eine große Zahl an Kommandos unterzubringen. Zudem würden viele Nutzer das Konzept aus anderen Applikationen bereits kennen, und die Ribbons seien besser per Touchscreen zu bedienen als Pull-Down-Menüs, sagte Simons.

Microsoft hofft, damit auch Power-User zufriedenzustellen, die den Änderungen vermutlich mit großer Skepsis begegnen werden. Laut Simons wird es mit den Ribbons möglich, versteckte Funktionen des Explorers zu nutzen, die bislang nur über Erweiterungen von Drittanbietern verfügbar waren. Zudem soll jeder Befehl über ein Tastenkürzel erreichbar sein und Nutzer sollen sich den Explorer weitgehend anpassen können, fast wie in Windows XP.

Für Erweiterungen wird es hingegen eine große Einschränkung geben: Sie können sich nicht in die Ribbons einklinken und künftig nur noch über das Kontextmenü aufgerufen werden.

Drei Haupt-Tabs

Das neue UI des Explorers wird über drei Haupttabs verfügen: Home, Share und View. Hinzu kommen ein Dateimenü und diverse kontextabhängige Tabs.

Das Tab "Home" fasst die wesentlichen Funktionen zur Dateiverwaltung zusammen: Kopieren, Einfügen, Löschen, Umbenennen, Ausschneiden und Eigenschaften. Hinzu kommen drei neue Einträge: Verschieben und Kopieren an ("copy to") und der Kopierpfad ("copy path"). Letztendlich machen die im Home-Tab zusammengefassten Funktionen rund 84 Prozent der Nutzung aus.

Im Tab Teilen ("share") sind Funktionen zum Dateiaustausch zusammengefasst, darunter das Komprimieren von Dateien und Ordnern, das Versenden per E-Mail oder das Brennen auf DVD. Zudem sollen sich Dateien darüber leicht mit anderen Personen im Heimnetz austauschen lassen und mit einem Klick lassen sich die Zugriffsrechte (ACL) einer Datei aufrufen.

Über das Tab Ansicht ("View") wird das Aussehen des Explorers angepasst, beispielsweise Navigationsleiste, Vorschauleiste und Detailansicht, sowie eine Live-Vorschau aktiviert oder deaktiviert. Auch die Sortierreihenfolge kann hier geändert, die anzuzeigenden Spalten festgelegt und die Größe der Icons eingestellt werden. Zudem gibt es Zugriff auf drei bislang versteckte Funktionen: die Anzeige der Erweiterungen von Dateinamen, die Anzeige versteckter Objekte und die Möglichkeit, Objekte zu verstecken.

Das Dateimenü

Über das neue Dateimenü können neue Explorer-Fenster geöffnet und es kann auf Shortcuts zugegriffen werden. Auf Wunsch kann außerdem die Kommandozeile direkt mit Administratorrechten aufgerufen werden, ausgehend vom aktuellen Pfad.

Daneben gibt es einige kontextbasierte Tabs mit Funktionen für spezielle Dateien und Ordner sowie Aufgaben wie Suchen, Verwalten von Bibliotheken, Betrachten von Bildern und das Abspielen von Musik. Diese werden immer dann angezeigt, wenn es die Situation erfordert, beispielsweise wird das Such-Tab verwendet, wenn ein Nutzer etwas ins Suchfeld eingibt.

Mut zu mehr Breite

Damit das neue UI nicht den Bildschirm so füllt, dass kein Platz für die eigentlichen Inhalte bleibt, hat Microsoft weitere Änderungen vorgenommen und den Explorer vor allem an die mittlerweile allgegenwärtigen Breitbilddisplays angepasst. Letztendlich soll den Inhalten trotz Ribbons ebenso viel vertikaler Platz zur Verfügung stehen wie aktuell im Explorer von Windows 7.

Dazu wurde unter anderem der Header am Kopf des Hauptfensters entfernt und die Detailansicht auf die rechte Seite verfrachtet. Eine einzeilige Statusleiste gibt es aber weiterhin am Fuß der Seite. Wer die Ribbons zusammenklappt, hat sogar mehr Platz als bisher.

Für Power-User

Power-Usern verspricht Microsoft neben Tastenkürzeln für sämtliche 200 Funktionen des Explorers eine weitgehend anpassbare Quick Access Toolbar (QAT). Ähnlich wie bei Office kann jeder Knopf mit einem Rechtsklick der QAT hinzugefügt werden. Zudem entscheidet der Nutzer, ob die QAT oberhalb oder unterhalb der Ribbons angezeigt wird und ob die Ribbons ausgeklappt oder minimiert angezeigt werden. Damit will Microsoft wieder die Flexibilität bieten, wie es sie schon unter Windows XP gab.  (ji)


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