Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/86049.html    Veröffentlicht: 29.08.2011 18:06    Kurz-URL: https://glm.io/86049

Martin Gräßlin

KDE Plasma bald nur noch für Linux?

Der Kwin-Entwickler Martin Gräßlin denkt darüber nach, künftig nur noch Linux als Basis für die KDE-Oberflächen zu unterstützten. Der Grund dafür sind unter anderem größer werdende Unterschiede zu BSD-Systemen und Solaris mit der Einführung von Wayland und Systemd.

Um Missverständnissen vorzubeugen, betont Kwin-Entwickler Martin Gräßlin gleich zu Beginn seines Blogeintrags, dieser behandele ausschließlich seine eigene Meinung, nicht etwa die von KDE. Denn er schlägt vor, die Unterstützung der KDE Plasma Workspaces für andere freie Systeme wie Opensolaris oder FreeBSD aufzugeben.

Linux geht technisch andere Wege

Als Begründung gibt er unter anderem den technischen Fortschritt von Linux-Distributionen an. Mit dem Umstieg auf Wayland als Grafikserver und der Integration von Systemd als Initialisierungsdaemon wird die Kluft zwischen Linux und anderen künftig sehr groß. Denn Gräßlin geht davon aus, dass Wayland nicht auf andere freie Systeme portiert werde. Dazu kommt, dass Systemd zwingend einen Linux-Kernel braucht.

Auch sei das Design ein wichtiger Teil des Nutzererlebens. So werden zum Beispiel einige OpenGL-Effekte vorausgesetzt, die Nicht-Linux-Systeme nicht liefern könnten. Denn die freien Grafiktreiber dieser Systeme seien dazu nicht in der Lage, da KMS fehle. Außerdem sei die Bibliothek Mesa auf dem Stand vor der Einführung von KMS in Linux.

Es gibt kaum Nicht-Linux-Nutzer von KDE SC

Neben diesen technischen Schwierigkeiten gibt Gräßlin die geringe Nutzerzahl zu bedenken. Einerseits kenne er keinen KDE-Entwickler des Kern-Teams, der etwas anderes als Linux nutzt. Andererseits merke er an der geringen Zahl gemeldeter Bugs, dass KDE SC kaum auf Nicht-Linux-Systemen genutzt wird. So rechnet er vor, dass in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich auf etwa 250 Bugs in Kwin unter Linux nur ein Fehler auf anderen Systemen kam. Die Bugreports für Plasma zeigten ein ähnliches Bild.

Gräßlin kommt zu dem Schluss: "Das zeigt uns, dass Solaris im Grunde keine Nutzer hat und nur Arbeit für uns bedeutet. [...] Es ist klasse, dass Solaris Pakete unserer Arbeitsflächen anbietet, aber es sollte uns keine Arbeit machen. Und ja, einen Bug melden und zu diskutieren und auch einen Patch abzuweisen, verursacht Arbeit."

Unterstützung beenden

Um die Schwierigkeiten zu beenden, sei die einzige Möglichkeit, die Unterstützung anderer Systeme fallenzulassen. "Unsere Mittel sind knapp und wir sollten das Beste daraus machen. Zeit mit selten genutzten Systemen zu verschwenden [...] klingt nicht nach einer vernünftigen Idee." Für andere Betriebssysteme gibt Gräßlin den Hinweis: "Falls Nicht-Linux-Systeme Patches einpflegen wollen, sollen sie es selbst machen."  (sg)


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