Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/86024.html    Veröffentlicht: 29.08.2011 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/86024

Test Age of Empires Online

"Ein bisschen Gold, bitte!"

Vom ersten bis zum letzten Zeitalter in 30 Stunden statt 30 Minuten. Age of Empires Online stellt das Prinzip der Vorgänger gründlich auf den Kopf und vermischt das Echtzeitstrategiespiel mit einer gehörigen Portion Onlinerollenspiel.

Grundvoraussetzungen für das neue Age of Empires sind eine aktive Internetverbindung und ein Konto bei Microsofts Onlineservice Games for Windows Live. Offline lässt sich das Programm nicht starten. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich: World of Warcraft oder Herr der Ringe Online laufen ja auch nicht ohne das Netz. Und von diesen Onlinerollenspielen hat sich das neue Echtzeitstrategiespiel von Gas Powered Games viele Features abgeschaut.

Spieler wählen zwischen zwei Nationen, den Griechen und Ägyptern, und gründen eine Hauptstadt. Sie stellt im weiteren Verlauf sozusagen den Onlinecharakter dar. Die Hauptstadt verkörpert das Inventar, die Tauschbörse für Gegenstände und jede Menge Buffs für Einheiten in Form von Beratern oder Gebäuden.

Missionen werden vom Volk vergeben. Mal hat der Fischer ein persönliches Anliegen, mal der Stadtphilosoph oder der Herrscher einer Nachbarstadt. Besiegte Einheiten, zerstörte Gebäude und vollendete Missionsziele bescheren dem Spieler Erfahrungspunkte, die seine Zivilisation im Level aufsteigen lassen. Pro Levelaufstieg können drei Punkte im Technologiebaum verteilt werden. So spezialisieren sich Spieler auf eine Spielweise. Der eine baut seine Infanterie aus und kauft ihr noch einen besonders starken Schild, andere versuchen, so schnell es geht die Wirtschaft anzukurbeln, und investieren in effektivere Arbeiter.

Die ersten zehn Spielstunden verbringt der Spieler in den frühen zwei von vier Technologiezeitaltern. Das Aufleveln nimmt viel Zeit in Anspruch und nur Kunden, die sich mindestens eins der beiden Premiumvölker gekauft haben, kommen so schnell voran, dass Age of Empires Online nicht langwierig wird. Dennoch dauert der Levelaufstieg auch mit den besseren Premiumeinheiten und größerem Inventar lange.

In der klassischen Solokampagne stört das allerdings überhaupt nicht. Schließlich bleibt das Programm auf diese Weise sehr einsteigerfreundlich und Spieler lernen es Stück für Stück. Manche Missionen sind sogar nur darauf ausgelegt, die ersten Spielminuten, das "Early-Game", zu trainieren. In zeitbeschränkten Herausforderungen müssen beispielsweise zehn Kornfelder so schnell wie möglich errichtet werden. Der ideale Drill, um Hotkeys zu verinnerlichen.

Kein Skirmish, aber Zufallskarten

Leider gibt es keinen Spielmodus, in dem der ganze Technologiebaum einer Zivilisation für Spieler offen steht. Es gibt keine Zufallskämpfe und im Duell gegen andere Spieler geht es oft unfair zu. Höher gestufte Spieler haben enorme Vorteile. Zwar können die Technologiepunkte jederzeit gegen Gold umverteilt werden, allerdings gibt es keine Presets, in denen die Verteilungen gespeichert werden können, um sie bei Bedarf schnell aufzurufen.

In den Missionen der Kampagne selbst sind die Unterschiede zu den Vorgängern der Ensemble Studios kaum spürbar. Die Spielmechanik ist die gleiche, die Age 1 bis 3 so erfolgreich gemacht hat. Zuerst bringen Spieler die Wirtschaft in Schwung, sammeln Nahrung, Holz, Gold und Steine und bauen ihre Stadt auf. Zwischendurch spionieren Späher die Einheitentypen des Feindes aus und decken die Karte auf. Die Truppen schalten sich genreüblich nach dem Stein-Schere-Papier-Schema gegenseitig aus.

Wie in Age of Empires 3 sind auch ein paar unterschiedlich starke Banditencamps auf den Karten verteilt, die neue Gegenstände oder Rohstoffe in Form von Schatzkisten bewachen. Die Inhalte sind aber nicht für die aktuelle Mission nutzbar, sondern nur in der Hauptstadt. Deswegen lohnt es sich, erst einmal das Missionsziel zu erledigen, bevor die Banditen dran glauben müssen.

Viele Missionen sind kooperativ mit Freunden spielbar. Außerdem verändern die Karten ihr Layout bei jedem Neustart. Dadurch bieten die Missionen immer wieder kleine Überraschungen. Grundlegend unterscheiden sich die Karten aber nicht.

Grafik, Kosten und Fazit

Ein wenig vermissen wir den eher realistischen Look von Age of Empires 1 und 2, die wir extra für den Test noch einmal installiert haben (siehe Testvideo). Negativ ist uns die comichafte Grafik nach etwas Eingewöhnungszeit aber nicht aufgefallen. Die Großstädte sind sogar ausgesprochen schick anzusehen. Mit eingeschaltetem V-Sync stockte das Spiel beim Scrollen permanent, was nervig war. Die 3D-Grafik lässt sich zudem nicht weit herauszoomen. Wer dagegen einem Maulesel dabei zusehen will, wie er vergeblich versucht, eine Möhre zu ergattern, die vor seiner Nase baumelt, kommt auf seine Kosten. An das Geschehen lässt sich ausreichend nah heranzoomen.

Age of Empires Online ist kostenlos spielbar. Durch Beschränkungen bei der Einheitenvielfalt, beim Inventar und bei den Spezialfähigkeiten ist das Leveln allerdings sehr mühselig. Erst nach dem Erwerb eines der beiden Premiumvölker für jeweils 20 Euro macht Age of Empires Online länger Spaß. Zusätzlich verkauft Microsoft über den Games-for-Windows-Marktplatz kurze Kampagnen in Form von Schlachtzügen und Ornamente für die Städte. Wer alle Inhalte haben möchte, kann für knapp 90 Euro ein sogenanntes Season-1-Pack kaufen.

Die USK hat das Strategiespiel ab 12 Jahren freigegeben. Als Systemvoraussetzungen gibt Microsoft einen Dualcore-Prozessor mit 2,0 Gigahertz, eine Grafikkarte mit 128 MByte Speicher, 1 GByte Arbeitsspeicher und 3 GByte Festplattenspeicher an.

Fazit

So ganz geht das Konzept von Age of Empires Online noch nicht auf. Die Hauptstadt als Avatar-Ersatz zu nutzen, ist zwar eine gute Idee, allerdings gefällt uns ein individuell ausgerüsteter Held in einem Onlinerollenspiel deutlich besser als eine Stadt mit vielen Gebäuden. Es wäre viel befriedigender, würden die eigenen Einheiten den extrem seltenen Lila-Gegenstand auch auf dem Schlachtfeld tragen, während die Berater im Haupthaus sitzen und dinieren.

Nichtsdestotrotz ist Gas Powered Games mit dem neuen "Age" ein tolles Strategiespiel gelungen, das sich rund spielt und das viele komplexe Möglichkeiten bietet, eine Runde für sich zu entscheiden. Das Free-to-play-Bezahlmodell funktioniert, und nur Spieler, die wirklich jedes Detail von Age of Empires Online sehen und besitzen wollen, bezahlen deutlich zu viel. Über den Einstieg in die Welt von Age of Empires Online für einmalige 20 Euro kann man nicht meckern. Die Kampagne bietet sehr gute Echtzeitstrategie für Einzelspieler. Auch wenn sie in puncto Missionsvielfalt das Rad nicht neu erfindet, ist sie sehr motivierend.  (mw)


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