Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/85869.html    Veröffentlicht: 20.08.2011 17:24    Kurz-URL: https://glm.io/85869

Wikileaks

Domscheit-Berg will Daten löschen

Im Streit um die bei Daniel Domscheit-Berg verbliebenen Wikileaks-Daten hat der Openleaks-Gründer jetzt angekündigt, sie unter notarieller Aufsicht löschen zu lassen. Er wolle damit die Quellen schützen, sagt er.

Der ehemalige Wikileaks-Sprecher will die von ihm auf einer Festplatte gesicherten Daten und die dazugehörigen Schlüssel endgültig löschen - unter Aufsicht seiner Mitstreiter, die dazu eidesstattliche Versicherungen abgeben wollen. Zunächst hatte es geheißen, es sollten nur die Zugangsschlüssel zu den Daten vernichtet werden - auch um Gerüchten vorzubeugen, Openleaks wolle die Dokumente später auf seiner Plattform veröffentlichen.

In seiner Biografie hatte der ehemalige Wikileaks-Aktivist geschrieben, er habe im September 2010 nach seinem Ausstieg als Sprecher der Whistleblower-Plattform eine Festplatte mit verschlüsselten Daten mitgenommen, da er deren Server für unsicher gehalten habe. Julian Assange habe ihm daraufhin mit einer Klage gedroht. Das Vorstandsmitglied des CCC, Andy Müller-Maguhn, habe versucht, die Übergabe zu vermitteln. Domscheit-Berg hatte damals versichert, ihm die Festplatte innerhalb von zwei Wochen zu übergeben. Nach fast einem Jahr behält Domscheit-Berg die Daten immer noch bei sich und Müller-Maguhn soll inzwischen sein Vermittlungsangebot zurückgezogen haben. Domscheit-Berg hatte mehrfach betont, er werde die Festplatte erst zurückgeben, wenn Wikileaks für die Sicherheit der darauf befindlichen Daten sorgen könne. Müller-Maguhn hatte das Ausschlussverfahren gegen Domscheit-Berg eingeleitet.

Vier Schlüssel

Nicht nur Domscheit-Berg, auch andere ehemalige Wikileaks-Aktivisten sind im Besitz der vier Schlüssel für die mitgenommenen Daten, darunter der als "Architekt" bezeichnete Entwickler der Wikileaks-Plattform. Ihnen soll es möglich sein, alle Daten im Klartext anzusehen. Domscheit-Berg hat nach eigenen Aussagen nur einen Schlüssel für seinen Teilbereich der Daten. Um alle Missverständnisse auszuräumen, wollen Domscheit-Berg und seine Mitstreiter nun nicht nur ihre Schlüssel vernichten und dies an Eides statt versichern, sondern auch unter notarieller Aufsicht alle mitgenommenen Daten löschen.

Domscheit-Berg sagte, Wikileaks habe sich seit seinem Abgang zunächst nicht mehr um die Daten gekümmert. Das von ihm gesicherte Material habe Wikileaks erst Ende Oktober 2010 angefordert, Wochen nach der Abschaltung der Server, von denen er die Daten kopiert habe. Er habe damals eine komplette Version des Materials übergeben. Im Juli 2010 war eine 1,4 GByte große Datei mit dem Namen Insurance.aes256 veröffentlicht worden. Sollte Wikileaks allzu sehr unter Druck geraten, sagte Assange damals, werde das Passwort veröffentlicht, das den Zugang zu den Daten ermöglicht. Domscheit-Berg sagte, er kenne den Inhalt dieser Datei nicht.

Domscheit-Bergs Ausschluss noch nicht endgültig

Assange sagte Spiegel-Redakteur Holger Stark, er selbst habe keinen Schlüssel zu den Dateien. Müller-Maguhn will laut Heise Online die Löschung der Daten verhindern.

Eine endgültige Entscheidung über den Ausschluss Domscheit-Bergs aus dem CCC steht gegenwärtig noch aus. "Es gibt derzeit keine offizielle Stellungnahme des CCC zum Ausschluss von Daniel Domscheit-Berg und Openleaks. Keiner der CCC-Sprecher antwortet im Moment auf Fragen zu diesen Themen, weil die interne Debatte über den Entschluss des Vorstands noch läuft", sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz.  (jt)


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