Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/85572.html    Veröffentlicht: 09.08.2011 10:30    Kurz-URL: https://glm.io/85572

5. November 2011

Anonymous will Facebook vernichten

Anonymous hat sich vorgenommen, im November 2011 Facebook zu zerstören. Damit will das Aktivistenkollektiv die Nutzer des sozialen Netzwerks vor sich selber schützen.

Am 5. November 2011 will Anonymous die Operation Facebook (#opfacebook) starten und das soziale Netzwerk angreifen und vernichten. Den Nutzern wollen die Aktivisten damit nicht schaden, wie sie behaupten. Sie wollten sie nur wachrütteln, da sie die Mechanismen von Facebook von selbst nicht verstünden. Facebook gebe heimlich private Informationen an staatliche Einrichtungen und Sicherheitsunternehmen weiter, von denen einige auch für autoritäre Regierungen wie etwa denen von Ägypten und Syrien tätig seien.

"Alles, was Sie auf Facebook tun, bleibt auf Facebook, unabhängig von Ihren 'Privatsphäre'-Einstellungen. Auch das Löschen Ihres Kontos ist unmöglich. Selbst wenn Sie Ihr Konto 'löschen', dann bleiben all Ihre persönlichen Daten auf Facebook und können jederzeit wiederhergestellt werden", mahnt Anonymous in einer auch ins Deutsche übersetzte Videobotschaft zur Operation Facebook.

Dieser Punkt wurde auch schon von anderen kritisiert. Facebook löscht auch auf Wunsch des Nutzers keine Bilder von seinen Servern, sondern entfernt nur die Verlinkung. Die Bilder bleiben erhalten. Das kann für Nutzer zu gravierenden Problemen führen, wenn Bilder etwa aus urheberrechtlichen Gründen gelöscht werden müssen. Oder wenn die Privatsphäre von jemandem verletzt wurde.

Auch das Ändern der Privatshäreeinstellung in "privat" sei eine Täuschung, erklärte Anonymous. "Facebook weiß mehr über dich als deine Familie". Facebook behaupte zwar immer, dass Anwendern die Möglichkeit hätten zu wählen, aber das sei völlig falsch. Stattdessen werde den Nutzern dies nur vorgegaukelt, während Facebook Millionen mit ihnen und ihren Informationen verdiene. Da die Nutzer dies nicht verstünden, wolle Anonymous sie nun vor Facebook schützen - ohne ihnen selbst die Wahl zu lassen.

"Denken Sie nach!"

"Denken Sie eine Weile nach und bereiten sie sich auf einen Tag vor, der in die Geschichte eingehen wird", richtete sich Anonymous an die Facebook-Nutzer. Außerdem wird zur Mithilfe an der Straftat aufgerufen: "Wenn Sie ein Hackeraktivist sind oder nur ein Kerl, der einfach das Recht auf Freiheit und der Informationen schützen will, dann springen Sie auf den Zug auf und töten Facebook zum Wohle der eigenen Privatsphäre." Was Anonymous genau plant, wurde nicht angekündigt.

Als Gegenentwurf zu Facebook und Co. arbeiten einige Anonymous-Mitglieder an einem eigenen sozialen Netzwerk. Anonplus soll als eigenes kleines Internet nicht nur Netzaktivisten eine sichere und anonyme Kommunikation ermöglichen soll.

Das Datum für den Angriff auf hat Anonymous mit Bedacht gewählt: Der 5. November 1605 ging als Guy Fawkes Day und Bonfire Night in die Geschichte Großbritanniens ein. An dem Tag wurde Guy Fawkes verhaftet; er bewachte Schwarzpulverfässer, mit denen König und Parlament in die Luft gejagt werden sollten, um durch ein katholisches Staatsoberhaupt ersetzt zu werden. Der Anschlag schlug fehl. In den Jahren danach wurden immer wieder neue katholische Verschwörungen befürchtet. Die Operation Facebook bezieht sich auf den Film "V wie Vendetta", der den Anschlag in ein fiktives, zum Überwachungsstaat mutiertes Großbritannien verlegt. Aus dem Film hat Anonymous auch die Masken übernommen, die Aktivisten der Gruppe bei öffentlichen Aktionen tragen.  (ck)


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