Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/85557.html    Veröffentlicht: 08.08.2011 16:16    Kurz-URL: https://glm.io/85557

Antiprotonen

Wissenschaftler entdecken Antimateriegürtel um die Erde

Wissenschaftler haben eine größere Menge Antiprotonen in der Atmosphäre entdeckt. Sie schließen daraus, dass es einen Gürtel aus Antimaterie um die Erde gibt.

Ein Ring von Antimaterie umgibt offensichtlich die Erde. Ein Experiment an einem russischen Erdbeobachtungssatelliten hat die Antimaterieteilchen im inneren Van-Allen-Gürtel entdeckt.

Die Van-Allen-Gürtel sind zwei Torus-förmige Areale aus geladenen Teilchen. Die energiereichen Teilchen stammen vom Sonnenwind und der kosmischen Strahlung. Kollidieren diese Partikel mit Molekülen aus der Atmosphäre, entstehen neue Partikel, die vom Erdmagnetfeld festgehalten werden. Der äußere Gürtel besteht aus leichteren, der innere aus schwereren Teilchen.

Gürtel aus Antiprotonen

Wissenschaftler haben schon vor einiger Zeit die Theorie aufgestellt, dass unter den neu entstandenen Partikeln auch Antimaterieteilchen sind. Dies konnten die Wissenschaftler um Piergiorgio Picozza von der Universität Tor Vergata in Rom bestätigen. Sie hätten einen Gürtel aus Antiprotonen um die Erde entdeckt, schreiben sie in der Ende des Monats erscheinenden Ausgabe des Fachmagazins Astrophysical Journal Letters. Ein Preprint ist auf dem Dokumentenserver Arxiv veröffentlicht worden.

Entdeckt wurden die Antimaterieteilchen von Payload For Antimatter Matter Exploration And Light-Nuclei Astrophysics (Pamela), einem wissenschaftlichen Experiment, das an dem russischen Erdbeobachtungssatelliten Resurs-DK1 sitzt. Resurs-DK1 kreist seit 2006 im inneren Van-Allen-Gürtel über dem Südatlantik um die Erde. Picozza ist der hauptverantwortliche Wissenschaftler des Pamela-Experiments.

Antiprotonen über dem Südatlantik

In einem Bereich erhöhter Strahlungsaktivität, der sogenannten Südatlantischen Anomalie (South Atlantic Anomaly, SAA) stellte Pamela zwischen Juli 2006 und Dezember 2008 28 Antiprotonen fest. Das Aufkommen der relativ schweren Antipartikel sei mehrere tausend Mal höher als durch normalen Teilchenzerfall, schreiben die Forscher und schlussfolgern, dass es einen Gürtel aus Antiprotonen um die Erde geben müsse, vergleichbar den Van-Allen-Gürteln.

Dieser Gürtel sei die größte Quelle von Antiprotonen in der Nähe der Erde, sagte Alessandro Bruno von der Universität in Bari, einer der Autoren des Aufsatzes der BBC. Kommen Antimaterieteilchen mit Materie in Berührung, werden sie ausgelöscht. Das geschehe vor allem in unteren Schichten der Atmosphäre. In einigen hundert Kilometer Höhe hingegen sei die Verlustrate deutlich geringer, so dass dort mehr Antiprotonen zu finden sein müssten.  (wp)


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