Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/85544.html    Veröffentlicht: 08.08.2011 10:56    Kurz-URL: https://glm.io/85544

Lineage & Co.

Goldfarming für Nordkoreas Nuklearprogramm

Nordkorea verdient angeblich am internationalen Geschäft mit dem Goldfarming in Onlinerollenspielen. Mit den Erlösen soll das Regime sein Nuklearprogramm finanzieren und Luxusgüter für das Militär kaufen. Nordkorea bestreitet das jedoch.

Das Land Nordkorea steckt angeblich hinter einer ganzen Armee von Programmierern und Hackern, die Geld mit dem Goldfarming in Onlinerollenspielen verdienen. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf die Polizei in Südkorea, wo Anfang August 2011 mehrere Personen festgenommen wurden. Ihnen wird vorgeworfen, hinter den Aktivitäten von rund 30 jungen Computerspielern zu stecken. Alle gemeinsam sollen sich Zugang zu MMORPGs wie dem in Asien extrem populären Lineage und zu Dungeon and Fighter verschafft haben. Das geschah angeblich mithilfe einer eigens programmierten Software, mit der Bots automatisch Erfahrungspunkte sammeln konnten. Die Punkte und die Software sollen dann über Foren verkauft worden sein.

Die meisten der jetzt Festgenommenen sollen zwar aus Südkorea stammen, aber an Eliteuniversitäten in Nordkorea ausgebildet worden sein. Außerdem sollen sie von einer Unterorganisation der dort herrschenden kommunistischen Partei geführt und genötigt worden sein, einen großen Teil ihrer Gewinne nach Pjöngjang zu schicken. Die Gruppe soll nach Auskunft der Polizei in weniger als zwei Jahren über sechs Millionen US-Dollar verdient haben.

In Nordkorea wandere das Geld über einen Geheimdienstableger mit dem ominösen Namen "Office 39" direkt in einen Fond, mit dem Diktator Kim Jong-il sein Nuklearprogramm finanziere und mit dem er das Militär des Landes durch Geschenke von westlichen Luxusprodukten bei Laune halte, berichtet die New York Times. Nach Angaben der Zeitung hat Nordkorea die Vorwürfe zurückgewiesen. Es handle sich um eine südkoreanische Verschwörung.

Goldfarming ist ebenso wie das Geschäft mit Bots für alle größeren Publisher von Onlinerollenspielen ein Problem. Blizzard geht derzeit aggressiv gegen eine Reihe von Unternehmen vor, die entsprechende Software für World of Warcraft verkaufen. Frogster Interactive hat kürzlich vor dem Landgericht Hamburg eine Klage gegen den Betreiber eines Forums gewonnen, in dem illegal Gold für Runes of Magic angeboten wurde. In beiden Fällen gab es allerdings keinerlei Hinweise auf Kontakte zu asiatischen Hintermännern.  (ps)


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