Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/85411.html    Veröffentlicht: 02.08.2011 10:40    Kurz-URL: https://glm.io/85411

Gesichtserkennung

Ein Foto sagt mehr, als manchem lieb ist

Dank Gesichtserkennung und den Profilen in Facebook & Co. lassen sich Fremde auf der Straße leicht identifizieren, wie eine Forschergruppe der Carnegie Mellon Universität zeigt. Das funktioniert auch mit Fotos auf einer Dating-Website, auf der sich Nutzer hinter Pseudonymen verstecken.

Eine Forschergruppe um Alessandro Acquisti hat in einigen Experimenten untersucht, wie gut sich mit aktuellen Methoden der Gesichtserkennung und den in Sozialen Netzwerken verfügbaren Daten Fremde identifizieren lassen. Das Ergebnis: Personen die auf Fotos getaggt sind, können auch dann identifiziert werden, wenn sie sich in einem eher anonymen Umfeld wähnen.

Zusammen mit den Forschern Ralph Gross und Fred Stutzman kombinierte Acquisti drei Dinge miteinander: eine handelsübliche Gesichtserkennung, Cloud-Computing und öffentlich verfügbare Informationen aus sozialen Netzwerken. Damit sei es möglich, Personen online und offline zu identifizieren, erklärten die Forscher. Die nötige Technik sei für jeden normalen Nutzer verfügbar.

Die Forscher führten drei Experimente durch: In einem wurden Nutzer einer populären Dating-Website identifiziert, die dort nur unter Pseudonymen auftraten. Im zweiten Experiment wurden Studenten auf dem Campus der Universität anhand ihrer Fotos auf Facebook identifiziert. Und in einem dritten Experiment stellten die Forscher allein auf Basis eines Fotos Vermutungen über die Interessen der Studenten an, wobei sie auch hier auf die Daten in Facebook zurückgreifen. In einigen Fällen gelang es allein anhand der mit Hilfe der Fotos auffindbaren öffentlichen Informationen, die Sozialversicherungsnummer der Studenten zu erraten.

Informationen auch in Echtzeit verfügbar

Zudem entwickelten die Forscher eine Smartphone-Applikation, um zu zeigen, dass sich die gleichen Informationen auch in Echtzeit herausfinden lassen. Die Augmented-Reality-App blendet neben den Gesichtern Online- und Offline-Daten zu einer Person ein.

Nach Ansicht von Acquisti zeigen die Experimente, wie sich der Begriff der Privatsphäre angesichts sozialer Netze und Technik zur Gesichtserkennung verschiebt. Und dank Cloud-Computing sei es zudem ein Leichtes, dafür auf große Rechenkapazität zurückzugreifen.

Facebook löste mit seiner Gesichtserkennung zuletzt heftige Diskussion aus und Google kaufte vor wenigen Wochen das Unternehmen Pittsburgh Pattern Recognition, das auf Objekterkennung in Video- und Fotomaterial spezialisiert ist. Interessanterweise ist Pittsburgh Pattern Recognition eine Ausgründung der Carnegie Mellon Universität.  (ji)


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