Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1108/85391.html    Veröffentlicht: 01.08.2011 14:31    Kurz-URL: https://glm.io/85391

Test Call of Juarez 3

Dröger Drogenkrieg statt Wilder Western

Kraftfahrzeug statt Kutsche, Drogen- statt Bürgerkrieg und leichte Mädchen statt großer Liebe: Der dritte Teil von Call of Juarez setzt auf ein ganz anderes Szenario als die Vorgänger - und schreckt damit alte Fans ab, ohne neue zu gewinnen.

Ciudad Juárez: So heißt eine Großstadt in Mexiko, die direkt gegenüber von El Paso liegt, ganz in der Nähe des Rio Grande. Klingt nach Westernromantik, aber damit ist in der Wirklichkeit längst Schluss. Der Ort ist einer der Hauptschauplätze des internationalen Drogenkriegs, er ist mehr oder weniger fest in der Hand des Juarez-Kartells, fast täglich sterben dort Menschen. Jetzt hat das polnische Entwicklerteam Techland, dessen bislang zweiteilige Westernreihe Call of Juarez vermutlich eher zufällig den Namen der Stadt im Titel trägt, seinen Egoshooter The Cartel zeitgemäß und passend zum Namen neu ausgerichtet: Spieler treten in der Gegenwart als Drogenermittler in den Diensten der US-Behörden gegen Verbrecherbanden an.

Spieler steuern den für die Polizei von Los Angeles antretenden Ben McCall, einen Nachfahren der früheren Hauptfiguren, den zwielichten DEA-Agenten Eddie Guerra oder eine gewisse Kimberly Evans vom FBI. Alle haben dezent unterschiedliche Vorlieben bei den Waffen: Ben etwa greift bevorzugt zu Pistole und MP, Kimberly zum Scharfschützengewehr. Wer sich nicht alleine mit den computergesteuerten Sidekicks durch die Kampagne ballern möchte, kann mit bis zu zwei Freunden im Koopmodus antreten.

Die Handlung dreht sich um den Kampf gegen das Mendoza-Kartell - auch dessen Anführer ist ein Nachfahre einer Figur aus den früheren Spielen. Gemeinsam absolviert das Trio in der Kampagne eine Reihe von Missionen. Die erste führt in eine bergige Waldlandschaft, wo gegen den erbitterten Widerstand von Wachleuten die verbotenen Marihuanaplantagen abzufackeln sind. Zwischendurch geht es auch mal im Auto während einer Verfolgungsjagd über eine Straße, gegen Ende gibt es ein Duell mit einem Helikopter.

Weiße Punkte weisen den Weg

Aus ähnlichen Versatzstücken des Shooter-Genres sind auch die weiteren Einsätze zusammengebaut: Mal kommt es zum Showdown in den Straßen von Los Angeles, gefolgt von Ermittlungen im Nachtclub und in einer Disko. Zum Schluss gelangt der Spieler dann auch in mexikanisches Gebiet. Fast alle Missionen sind extrem linear, dicke weiße Punkte mitten in der Landschaft weisen so gut wie immer den Weg. Das Waffenarsenal besteht ebenfalls aus einem nicht weiter auffälligen Best-Of von aktuellem Spiele-Kampfgerät vom Revolver bis zum Raketenwerfer.

Die Grafik hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während einige Einsätze in der freien Natur recht gelungen wirken und mit Hügeln und Wasserläufen viel Stimmung vermitteln, sehen die Straßen von Los Angeles und ganz besonders die Einsätze in Gebäuden sehr künstlich aus. Einzig nennenswerter Spezialeffekt ist ein sogenannter Konzentrationsmodus, der ab und an zur Verfügung steht und die Zeit verlangsamt und das Bild einfärbt.

Call of Juarez: The Cartel ist für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 über Publisher Ubisoft erhältlich. Die Konsolenfassung kostet rund 60 Euro, die PC-Version ist für 50 Euro zu haben. Neben der Kampagne gibt es auch einen Multiplayermodus. Das Programm erscheint hierzulande ordentlich lokalisiert ohne inhaltliche Veränderungen gegenüber dem Original mit einer USK-Freigabe ab 18.

Fazit

Schade, dass Call of Juarez: The Cartel nicht auch im Wilden Westen spielt - die beiden Vorgänger hatten deutlich mehr Atmosphäre als das austauschbare Los Angeles der Gegenwart. Auch das Gameplay von The Cartel fesselt selten: Den weitaus größten Teil der Zeit verbringt man damit, auf große Entfernung und mit überdurchschnittlich viel Glück beim Zielen auf namen- und gesichtslose Feinde zu feuern. Auch die Handlung überzeugt nicht, dazu ist sie viel zu kompliziert, einen interessanten Hauptgegner gibt es nicht und die drei Protagonisten bleiben farblos. Auf der Habenseite verbucht das Programm halbwegs viel Abwechslung in den Missionen, etwa wenn zwischendurch eine Verfolgungsjagd ansteht. Auch die Grafik ist okay, insbesondere in Wäldern oder der Wüste. Trotzdem ist The Cartel unter dem Strich eine Enttäuschung - selbst ohne Wildwest hätten die Entwickler mehr aus dem Thema herausholen können.  (ps)


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