Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/85263.html    Veröffentlicht: 27.07.2011 14:55    Kurz-URL: https://glm.io/85263

Test

KDE SC 4.7 auf dem Weg zur Tablet-Oberfläche

In KDE SC 4.7 arbeiten Kontact und das Akonadi-Framework problemlos zusammen. Der Window-Manager KWin unterstützt OpenGL ES 2.0, um Effekte auf Tablets darzustellen. Trotz nur kleiner Änderungen lohnt sich ein Update.

Das Entwicklerteam von KDE SC 4.7 hat viele kleine Änderungen am Quellcode vorgenommen. Diese bleiben den meisten Nutzern verborgen. Der Kio-Slave network:/ funktioniert beispielsweise nun auch mit dem SSDP-Daemon Cagibi 0.2. Außerdem hat das Framework zur semantischen Suche Nepomuk einen Service für das Datenmanagement bekommen. Das MMS-Plugin des Download-Managers KGet funktioniert jetzt problemlos.

KWin für mobile Geräte

Eine der größten Neuerungen in KDE SC 4.7 kommt vor allem der Nutzung der freien Oberfläche auf mobilen Geräten zu Gute. Der Compositing-Manager KWin ist mit dem OpenGL-ES-2.0-API ausgestattet worden. Damit kann KWin direkt auf die Hardware einer entsprechenden Grafikkarte zugreifen. OpenGL ES ist in erster Linie für die Verwendung auf mobilen Geräten gedacht. So ist die vollständige Integration der API auch der erste große Schritt, um eine Variante der Oberfläche des KDE-Projektes für Tablets, Smartphones oder auch Set-Top-Boxen zu verwirklichen. Noch befindet sich Plasma Active - so der Name der mobilen Oberfläche - in der Entwicklungsphase. In einer Demo zeigen die Entwickler das Potenzial der Plasma-Variante auf einem WeTab. Von dem neuen Code sollen jedoch auch Desktop-Nutzer profitieren. Der Compositor von KWin hat außerdem ein neues System erhalten, um Schatten darzustellen, und ein Effekt sorgt für das Rendern von Umrissen.

Marble als Offline-Routenplaner

Der virtuelle Globus Marble kann künftig ohne Internetverbindung als Routenplaner genutzt werden. Dazu wird der Monav-Daemon eingesetzt, der auf dem genutzten System vorhanden sein muss. Ein Hinweis darauf findet sich in der Anwendung allerdings nicht.

Für Monav lässt sich das benötigte Kartenmaterial über ein Kontextmenü in Marble herunterladen. Dabei sind Pakete der Openstreetmap-Daten für jeden Staat einzeln verfügbar. Um die benötigte Datenmenge weiter zu reduzieren, werden Pakete auch für kleinere Regionen zur Verfügung gestellt. So sind zum Beispiel die Bundesstaaten der USA oder die Länder der Bundesrepublik einzeln abrufbar.

Zusammen mit der ebenfalls in Version 1.2 von Marble integrierten Sprachausgabe wird die Anwendung auf Smartphones zur Navigationssoftware, außerdem lassen sich nun Lesezeichen setzen. Die in Marble eingepflegte Stimme ist in einem Wettbewerb ausgewählt worden. Für Neugierige stehen auch die Beiträge aller anderen Wettbewerbsteilnehmer zum Download bereit. Kontact 2 mit Akonadi-Framework

Bereits mit KDE 4.6.4 erschien die PIM-Suite Kontact 4.6. Diese nutzt in der aktuellen Version das Akonadi-Framework als Zwischenspeicher für Daten. Als Quellen dienen Akonadi dabei die Kontaktdatenbank oder E-Mails. Die gesammelten Informationen werden den verschiedenen Komponenten von KDE-PIM über ein API bereitgestellt. Als Datenbankserver für Akonadi dient wahlweise MySQL oder Postgresql. Von den Änderungen bekommen Anwender aber nicht viel mit. Die Oberfläche der Anwendung blieb so gut wie unverändert. Auch die Migration der Daten macht keine Probleme.

Dolphin mit minimaler Optik

Die Oberfläche des Dateimanagers Dolphin wurde leicht überarbeitet. Die Standardansicht wirkt nun ein wenig aufgeräumter als zuvor. Am oberen Rand der Anwendung ist lediglich die Werkzeugleiste mit den wichtigsten Funktionen zur Navigation zu sehen, die Menüleiste ist versteckt.

Die Funktionen der Menüleiste sind aber weiterhin über das Schraubenschlüsselsymbol in der rechten oberen Ecke zu erreichen. Das entsprechende Menü verzichtet dabei auf die Untermenüs "Datei" und "Bearbeiten", denn diese sind über die rechte Maustaste im Ordnerbrowser erreichbar. Das leicht überarbeitete Designkonzept erinnert an das der Browser Firefox und Chrome, bei denen das Menü in einem Punkt zusammengefasst ist.

Ebenfalls neu in Dolphin ist die Möglichkeit, Seitenleisten wie die Ordner-Favoriten zu sperren. Diese Option ist standardmäßig aktiviert, so dass sich die Position der Seitenleisten nicht verändern lässt. Die Überschrift und die Knöpfe zum Schließen beziehungsweise zum Herauslösen der Seitenleisten aus der Dolphin-Ansicht verschwinden ebenfalls beim Sperren. Eine ähnliche Funktion ist bereits aus dem Mediaplayer Amarok bekannt. Dort lässt sich ebenfalls die Ansicht sperren und die Bedienfelder lassen sich frei positionieren. Anwendungen unterschiedliche Tastaturlayouts zuordnen

Für das Tastaturlayout sind Umschaltregeln implementiert worden. Damit lässt sich - je nach Einstellung - das Layout für das ganze System festlegen oder auch nur bestimmten Anwendungen zuordnen. Die getroffenen Zuordnungen werden im System gespeichert, so dass beispielsweise in KMail immer deutsche Umlaute zur Verfügung stehen und der Editor KWrite mit einem US-Layout startet. Neben dem Wechsel über die Schaltfläche in der Kontrollleiste, kann verschiedenen Layouts auch eine Tastenkombination zugewiesen werden.

Digikam mit Gesichtserkennung

Die Fotoverwaltung Digikam 2.0.0 erscheint gleichzeitig zu KDE SC 4.7. Digikam gehört zwar zum KDE-Projekt, wird aber größtenteils unabhängig von der Software Compilation entwickelt. Die Anwendung besitzt zwei neue Funktionen, um Bilder zu taggen. So können digitale Fotos mit dem XMP-Format (Extensible Metadata Platform) getaggt werden. Somit stehen Bildern auch dann zusätzliche Informationen zur Verfügung, wenn deren Format intern keine Metadaten speichern kann.

Die zweite Art, mit Digikam 2.0 Bilder zu markieren, ist per Gesichtserkennung. Die von der Software erfassten Bilder werden nach Gesichtern durchsucht und mit bekannten verglichen. Diese Funktion ist im Release Candidate aber noch nicht ausgereift und liegt manchmal daneben. So erschienen Bilder in den Suchergebnissen, auf denen gar keine Personen zu sehen sind.

Der Displaymanager KDM arbeitet nun mit Grub 2 zusammen. Dadurch ist es möglich, einen Neustart in ein anderes Betriebssystem zu vollziehen. Es muss lediglich der entsprechende Eintrag im Abmeldedialog ausgewählt werden.

Fazit

Die Softwaresammlung KDE SC 4.7 macht einen stabilen Eindruck, weil das KDE-SC-Team keine großen Neuentwicklungen wagt. Die Veröffentlichung von Kontact mit Akonadi-Anbindung ist wegen vieler Fehler immer wieder verschoben worden. Die Wartezeit hat sich aber gelohnt. Die Anwendung funktioniert wie gewünscht und bei der Migration bleiben die alten Daten erhalten. Somit können Anwender jederzeit auf die Vorgängerversion zurück wechseln. Die Veränderungen an KWin und Marble sind nützlich, zielen aber auf die Nutzung in Mobilgeräten ab. Die entsprechende Oberfläche Plasma Active soll noch im Herbst 2011 in einer stabilen Version erscheinen.

Der Quellcode steht auf den Servern des Projekts zum Download bereit.  (sg)


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