Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/85022.html    Veröffentlicht: 18.07.2011 15:02    Kurz-URL: https://glm.io/85022

Autonome Systeme

Maschinen lernen aus dem Internet

Maschinen sollen künftig aus Dokumenten lernen, die im Internet veröffentlicht werden. Das soll die Weiterentwicklung autonomer Systeme wie Roboter vorantreiben. Gleichzeitig soll der Mensch die Kontrolle darüber behalten, indem er die Entwicklung steuert.

Roboter und andere autonome Maschinen sollen künftig Vorschläge für Aktualisierungen online veröffentlichen. Diese These vertritt Sandor Veres von der Universität im südenglischen Southampton in dem Aufsatz Knowledge of Machines: Review and Forward Look, der im Fachmagazin Journal of Systems and Control Engineering erschienen ist. Die Informationen sollen nach der Vorstellung Veres' in einer gemeinsamen Sprache veröffentlicht werden.

Weiterentwicklung steuern

Das soll gleich einen doppelten Nutzen haben: Die Maschinen sollen auf diese Weise besser werden. Gleichzeitig dient das der Transparenz. Die Menschen bekommen dadurch einen Einblick in die Entwicklung, was das Vertrauen der Menschen in die Maschinen befördern soll. Außerdem haben die Menschen so die Möglichkeit, die Entwicklung der Maschinen zu leiten. Nach Veres' Vision werden künftig intelligente Systeme mit ihren Nutzern über mögliche Aktualisierungen und Weiterentwicklungen diskutieren.

Das könnte beispielsweise mit der Methode Natural Language Programming (NLP) geschehen, bei der in einer weitgehend natürlichen Sprache programmiert wird, etwa in sEnglisch, was für Systemenglisch steht. Programmierer können Dokumente in dieser Sprache verfassen und diese als HTML- oder PDF-Dokumente im Internet veröffentlichen, wo sie von autonomen Systemen gelesen werden. Maschinen könnten so, auch wenn sie schon lange im Einsatz sind, technische Dokumente lesen und so ihre Leistung verbessern.

Vertrauen in die Maschinen aufbauen

"Der Ansatz 'Dokumente für Maschinen' kann großen praktischen Nutzen haben, indem er den Aufbau autonomer Systeme in einigen kritischen Bereichen ermöglicht, in denen ein großes Maß an Intelligenz gebraucht wird und in denen Sicherheit immens wichtig ist", sagte Veres. "In diesen Bereichen kann 'Dokumente für Maschinen' helfen, das Vertrauen der Kunden und des Bedienungspersonals in das aufzubauen, was die Maschinen in bestimmten Situationen tun."

Veres ist nicht der Einzige, der ein solches Ziel verfolgt: Im vergangenen Jahr haben Forscher in mehreren europäischen Ländern das Projekt Robo Earth initiiert. Dessen Ziel ist es, eine Wissensdatenbank für Roboter aufzubauen. Roboter sollen darin speichern, was sie über Aktionen und Umgebungen gelernt haben. Andere Roboter können dieses Wissen abrufen, um sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden.

Autos, Produktion, Datensammler

Automatisierte Systeme werden bereits in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt: in Verkehrsmitteln wie Autos oder Flugzeugen, in der Produktion oder als Roboter, die in der Luft oder im Wasser autonom Daten sammeln. Gesteuert werden sie meist über den Computer mit Hilfe eines Supervisory-Control-and-Data-Acquisition-Systems (Scada).

In Zukunft werden autonome Maschinen möglicherweise nicht mehr von Menschen, sondern von Netzen autonomer Systeme kontrolliert. Das soll zum einen Menschen von dieser Aufgabe entlasten. Zum anderen könnten so Systeme geschaffen werden, die menschliche Fähigkeiten übertreffen, etwa was Schnelligkeit oder Präzision betrifft.  (wp)


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