Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/85018.html    Veröffentlicht: 18.07.2011 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/85018

Gameloft Auckland

Programmierer prangert schlechte Arbeitsbedingungen an

100- bis 120-Stunden-Wochen, oder gleich mal 24 Stunden Arbeit am Stück, und das über mehrere Monate hinweg: Ein Programmierer des auf Mobile Games spezialisierten Publishers Gameloft spricht über die Arbeitsbedingungen in der neuseeländischen Niederlassung.

"Golding": So nennen es die Angestellten von Gameloft Auckland, wenn ihnen mit Aussicht auf eine angeblich bevorstehende Goldmaster-Version vorübergehend besondere Leistungen abverlangt werden. Nur stellt sich beim "Golding" eben heraus, dass nach dem vermeintlichen Abschluss gleich die nächste Phase mit Überstunden angesagt ist. Das hat Glenn Watson, der frühere Chefprogrammierer des Studios, der australischen Spieleseite Games.On.net berichtet. Vor seiner Kündigung sei es zeitweise üblich gewesen, dass er morgens um 9:30 Uhr mit der Arbeit angefangen habe, bis 2:30 Uhr im Office gewesen sei und dann gleich morgens wieder um 8:30 Uhr beginnen musste. In vielen Wochen sei er so auf Arbeitszeiten von 100 bis 120 Stunden gekommen - was in jeder Hinsicht den neuseeländischen Gesetzen widerspreche.

Es sei insbesondere bei neuen und jungen Mitarbeitern nicht ungewöhnlich gewesen, 24 Stunden am Stück zu arbeiten. Sogar in Fällen, in denen beispielsweise auch zuverlässige Programmierer aufgrund von Erschöpfung ständig Fehler produziert hätten, habe die Firmenleitung von Gameloft Auckland auf Weiterarbeit mitten in der Nacht bestanden.

Für Spielentwickler in Neuseeland und Australien ist es derzeit schwierig, gute Arbeitgeber zu finden, weil viele Studios in den vergangenen Jahren und Monaten schließen mussten. Erst kürzlich war über schlechte Arbeitsbedingungen beim australischen Entwickler Team Bondi, das hinter L.A. Noire steckt, berichtet worden. Publisher Rockstar Games hat mittlerweile angekündigt, keine weiteren Projekte mit dem Studio umsetzen zu wollen.

Gameloft gehört zu den führenden Firmen im Bereich des Mobile Gaming. Das Unternehmen hat seine Zentrale in Paris und Filialen auf allen Kontinenten; auch in Berlin befindet sich eine Niederlassung. Gameloft beschäftigt weltweit nach eigenen Angaben über 4.000 Mitarbeiter, es gehört wie Ubisoft zu großen Teilen der Familie Guillemot. CEO ist Michel Guillemot, Bruder des Ubisoft-Chefs Yves Guillemot. Gameloft hat viele Handy- und Smartphone-Umsetzungen von Ubisoft-Titeln wie Rainbow Six und Assassin's Creed, Lizenztitel wie Fast & Furious 5 und eine Reihe eigener Marken entwickelt. Das Unternehmen wollte sich laut Games.On.net nicht zu den Vorwürfen äußern.  (ps)


Verwandte Artikel:
Order & Chaos: Gameloft erinnert mit iOS-MMORPG an World of Warcraft   
(18.03.2011, https://glm.io/82204 )
Grand Theft Leak: GTA 6 spielt in Südamerika und Black Ops 4 in der Zukunft   
(07.03.2018, https://glm.io/133192 )
Deutscher Computerspielpreis 2018: Beste deutsche Games nominiert   
(06.03.2018, https://glm.io/133168 )
Baywatch: Drohne rettet zwei Schwimmer   
(19.01.2018, https://glm.io/132250 )
Raumfahrt: Die Diskokugel im Weltraum   
(24.01.2018, https://glm.io/132368 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/