Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/84985.html    Veröffentlicht: 15.07.2011 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/84985

Test Harry Potter - das neue Spiel

Ende mit Schrecken

Der Abschluss der Potter-Saga ist in den Kinos angelaufen, gleichzeitig erscheint das (vorerst) letzte Spiel zur Reihe für PC und Konsolen: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2. Der erfolgreichste Zauberlehrling aller Zeiten hätte allerdings einen würdigeren Game-Abschied verdient.

Wie in früheren Spielen um Harry Potter orientiert sich auch die Handlung von Heiligtümer des Todes - Teil 2 lose an den Geschehnissen des parallel angelaufenen Films. Kenntnis der Buch- oder Filmvorlage ist auf jeden Fall ratsam, weil sonst die Sprünge zwischen den Missionen recht abrupt wirken und die Geschichte in ihrer Gesamtheit kaum erfassbar wird. Das Actionspiel von Electronic Arts hat für seine Einsätze bestimmte Momente aus der Story herausgepickt, vom Einbruch in den Sicherheitstrakt der Zaubererbank Gringotts bis hin zur Schlacht um Hogwarts und der Auseinandersetzung mit Oberbösewicht Voldemort und seinen Schergen.

Spielerisch ist Heiligtümer des Todes Teil 2 ebenso wie Teil 1 zuletzt allerdings mehr oder weniger ein Shooter, auch wenn statt klassischer Schusswaffen hier Zauberstäbe zum Einsatz kommen und die Protagonisten zwischen unterschiedlichen Zaubern statt zwischen MP oder Pistole hin- und herwechseln. Harry und die anderen Figuren, die Spieler steuern können, sind in der Schulteransicht zu sehen, in den düsteren Levels muss er sich per Knopfdruck hinter geeigneten Objekten wie Felsvorsprüngen verstecken und in Deckung gehen, um dann immer wieder die zahllosen Kontrahenten anzuvisieren und durch gezielte Zauberstabschüsse zu erledigen.

Schon nach den ersten Spielminuten stellt sich allerdings Monotonie ein - angesichts immer gleicher, sich komplett vorhersehbar verhaltender Kontrahenten, des extrem linearen Leveldesigns und praktisch kaum vorhandener Abwechslung. Da helfen auch gelegentliche größere Zwischengegner oder der Wechsel zwischen den Zaubersprüchen kaum.

Hinzu kommt, dass kaum Spannung entsteht. Wenn Harry etwa minutenlang immer gleiche Gegner erledigen muss, um so Hermine bei der Ausführung eines Zauberspruchs Deckung zu geben, fragt man sich, warum die junge Dame so lange für einen im Film nur wenige Sekunden benötigenden Befehl braucht. An solchen Stellen wird besonders deutlich, wie wenig sich der Stoff für einen Shooter eignet - fast alle Missionen wirken, als wären sie in ein Actionspielkorsett gezwängt, in das sie eigentlich nicht gehören.

Grafik und deutsche Sprachausgabe sind solider Durchschnitt, die Bedienung funktioniert meist recht gut - abgesehen von der immer mal wieder aussetzenden Deckungsfunktion, was gerade in brenzligen Situationen trotz mehrerer Schwierigkeitsgrade und zahlreicher Speicherpunkte zu Frust führen kann. Trotz ungewollter Bildschirmtode werden aber auch Anfänger nicht viel Zeit mit dem Spiel verbringen, nach spätestens fünf Stunden ist das Ende erreicht.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ist für Playstation 3, Xbox 360, Nintendo Wii, DS und Windows-PC erhältlich und kostet je nach Plattform zwischen 40 und 60 Euro. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

Viele der in den vergangenen Jahren veröffentlichten Harry-Potter-Spiele blieben hinter den Erwartungen zurück und konnten das eigentlich ja riesige Potenzial der Vorlage kaum nutzen. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ist allerdings ein neuer und letzter Tiefpunkt. Beliebig aneinandergereihte, monotone Shootersequenzen ohne Atmosphäre und Abwechslung dürften selbst die größten Fans enttäuscht zurücklassen.  (tw)


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