Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/84874.html    Veröffentlicht: 12.07.2011 10:37    Kurz-URL: https://glm.io/84874

Booz Allen Hamilton gehackt

Anonymous veröffentlicht 90.000 Militäradressen

Mit Booz Allen Hamilton ist ein weiteres Sicherheits- und Militärberatungsunternehmen zum Ziel von Anonymous geworden. Aufgrund eines laut Anonymous "epischen Sicherheitsversagens" konnten sich die Eindringlinge unbeschränkten Zugriff auf einen praktisch ungesicherten Server verschaffen und veröffentlichten daraufhin unter anderem 90.000 Militäradressen - inklusive zugehöriger Passwörter.

Im Februar erwischte es HBGary, am Montag auch Booz Allen Hamilton: Vertrauliche Daten des Unternehmens landeten in der Öffentlichkeit. Das Anonymous-Kollektiv hat das auch von ehemaligen Mitarbeitern des CIA, der NSA und des US-Verteidungsministeriums geleitete Beratungsungsunternehmen nach eigenen Angaben bereits seit längerem beobachtet und wirft ihm allerlei dubiose Aktivitäten vor - darunter "das Betreiben möglicherweise illegaler Abhörsysteme, Korruption zwischen Unternehmens- und Regierungsstellen, ungenehmigte Telefonüberwachungsmaßnahmen und verschiedene andere fragwürdige Überwachungsprojekte". Alles das geschehe hinter geschlossenen Toren, ohne Kenntnis der Öffentlichkeit und ohne deren prüfenden Blick, so die Cracker.

"Man sollte meinen, dass die Worte 'Rechnet mit uns!' ausgereicht hätten, um ein weiteres episches Sicherheitsversagen zu verhindern, oder nicht? Nun, da liegt ihr falsch. Und dank der erschreckenden Inkompetenz bei Booz Allen Hamilton muss nun wahrscheinlich das gesamte US-Militärpersonal seine Passwörter verändern", so Anonymous. Der "Military Meltdown Monday" des Kollektivs hat es damit auch in die US-Tagespresse geschafft.

Die 90.000 von Anonymous veröffentlichten E-Mail-Adressen und zugehörigen schwach verschlüsselten Passwörter stammten laut dem Kollektiv aus einem ungesicherten Server von Booz Allen Hamilton. Auf dem gehackten Server konnte Anonymous eigene Software installieren, Daten auslesen und verändern. So wurden unter anderem auch 4 GByte an Quellcode aus Booz Allen Hamiltons Apache Subversion (SVN) kopiert und hinterher gelöscht sowie Datenbankeinträge modifiziert.

"Und zu guter Letzt haben wir auch Karten und Schlüssel für verschiedene weitere Schatzkisten gefunden, die auf den Inseln der Regierungsbehörden, Auftragsunternehmen und dubioser Whitehat-Firmen vergraben sind. Dieses Material wird unsere Blackhat-Freunde für eine Weile beschäftigen", so Anonymous. Der Hack von Booz Allen Hamilton könnte damit noch weitere Kreise ziehen.

Booz Allen Hamilton hat über Twitter zwar kurz angegeben, sich aufgrund der eigenen Security Policy nicht öffentlich auf spezifische Bedrohungen oder Aktionen gegen die eigenen Systeme zu äußern. Das Beratungsunternehmen hat sich damit aber nur noch mehr Spott seitens Anonymous eingehandelt. In einem Anonymous-Tweet heißt es dazu: "Ihr habt eine Security Policy? Wir sind verblüfft, wirklich, bemerkten wir gar nicht."  (ck)


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