Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/84837.html    Veröffentlicht: 10.07.2011 12:28    Kurz-URL: https://glm.io/84837

Wiki-Watch-Gründer

Änderte PR-Berater Wikipedia-Artikel für Pharmakonzern?

Der Fortbestand des Projekts Wiki-Watch ist infrage gestellt. Einer der Gründer soll Wikipedia-Artikel im Sinne des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis geändert haben.

Der PR-Berater Wolfgang Stock soll für den Pharmakonzern Sanofi-Aventis Wikipedia-Artikel umgeschrieben haben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Stock ist zugleich Mitbegründer des Internetportals Wiki-Watch und Chef der PR-Agentur Convincet.

Im April und Mai 2009 habe Stock unter dem Nutzernamen Wsto und unter anderen Namen mehrfach Wikipedia-Artikel zu Sanofi-Aventis und deren Produkt, dem Analoginsulin Glargin (Lantus), positiv geändert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass dabei "die besonders lange Wirkungsdauer des künstlichen Insulins" betont wurde. Stock soll zugleich Kritikpassagen in den Wikipedia-Artikel zu dem pharmaunabhängigen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) und zu dessen damaligem Leiter Peter Sawicki platziert haben. Das Institut hatte auf mögliche Krebsrisiken des Sanofi-Aventis-Produkts Lantus hingewiesen.

Stock erklärte dem Spiegel: "Die Vermutung oder Behauptung, dass ich diese Artikel gegen Bezahlung oder in Erwartung eines bezahlten Auftrags von Sanofi-Aventis editiert habe, ist unwahrhaftig." Sanofi-Aventis teilte dem Spiegel mit, Stock nicht beauftragt zu haben, Wikipedia-Artikel in ihrem Sinne umzuschreiben. Wikipedia hat den Nutzer Wsto vor drei Wochen gesperrt.

Stock ist zugleich einer der Gründer von Wiki-Watch. Ziel des Webangebotes ist es, Nutzern Metainformationen über die Onlineenzyklopädie zu geben. Wiki Watch informiert beispielsweise darüber, welche Artikel am häufigsten abgerufen werden, an welchen gerade heftig gearbeitet wird - bis hin zu den sogenannten Edit-Wars - und welche gelöscht werden sollen oder welche Wikipedianer besonders aktiv sind. Außerdem bietet die Webseite Nutzern die Möglichkeit, die Verlässlichkeit einzelner Einträge zu prüfen.

Die FAZ kommentierte: "Es belegt eine spezielle Auffassung von Forschung, wenn jemand die Qualität der Einträge bei Wikipedia eigenhändig optimiert und hinterher die Güte der Artikel statistisch bewertet, ohne die eigene Mitarbeit auszuweisen."

Der Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Uni Frankfurt (Oder), Wolff Heintschel von Heinegg, an dem Wiki-Watch angesiedelt ist, sagte dem Spiegel: Sollten sich die Vorwürfe gegen Stock bewahrheiten, "dann müssen wir in letzter Konsequenz das Ganze einstampfen".  (asa)


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