Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/84751.html    Veröffentlicht: 06.07.2011 13:16    Kurz-URL: https://glm.io/84751

Datenroaming

EU strebt 50 Cent/MByte an

EU-Kommissarin Neelie Kroes will die Roamingpreise per Gesetz weiter senken. Mobilfunknutzer sollen frei den jeweils billigsten Roamingprovider im Ausland zeitweise auswählen und dabei ihre Rufnummer behalten können.

Die EU-Kommission will Mobilfunkroaming grundlegend neu regeln und die Preise für Datenroaming senken. Das gab Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, bekannt. Kunden sollen ab dem 1. Juli 2014 flexibel und zeitlich begrenzt einen von ihrem Mobilfunkvertrag getrennten, billigeren Roamingvertrag schließen können und dabei ihre Telefonnummer behalten. Der Vorschlag sieht vor, dass Mobilfunkbetreiber und -provider die Netze anderer Betreiber in anderen Mitgliedstaaten zu regulierten Vorleistungspreisen nutzen können, um den Wettbewerb besser als bisher zu fördern.

Ab dem 1. Juli 2014 sollen Roamingkunden zudem höchstens 24 Cent/Minute für einen ausgehenden Anruf, maximal 10 Cent/Minute für einen eingehenden Anruf, maximal 10 Cent für das Versenden einer Textnachricht und maximal 50 Cent pro MByte bezahlen.

Kroes erklärte, dass der Vorschlag das Problem des mangelnden Wettbewerbs auf den Roamingmärkten abstellen würde, Mobilfunknutzer erhielten mehr Wahlmöglichkeiten und alternative Betreiber leichteren Zugang zum Roamingmarkt. "Mit ihm würden auch die Preise für das Datenroaming, die den Betreibern derzeit phänomenale Gewinnspannen bescheren, sofort sinken." Der Vorschlag geht nun an das Europäische Parlament und den EU-Ministerrat.

Alternative Betreiber müssten von den Netzbetreibern in anderen Mitgliedstaaten Zugang zu deren Netzen zu regulierten Vorleistungspreisen erhalten.

"Bei jedem Grenzübertritt eines Kunden würde dieser automatisch zu dem von ihm gewählten Roaminganbieter wechseln, wobei er seine Nummer und seine SIM-Karte (Subscriber Identity Module) behalten würde. Dies würde für mehr Transparenz sorgen, den Kunden den Vergleich ermöglichen, wo sie die besten Roamingangebote bekommen, und für die Betreiber Anreize setzen, wettbewerbsfähigere Roamingangebote anzubieten", erklärte die EU-Kommission.

Nachtrag vom 6. Juli 2011, 14:22 Uhr

"Während wir die von der EU-Kommission festgelegten Großhandelspreise beim Datenroaming für akzeptabel halten, lehnen wir Vorgaben für den Endkundenpreis als ordnungspolitisch verfehlt ab", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. In dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten sind Unternehmen wie Vodafone, Telefónica Deutschland, Versatel, Ewe Tel und QSC organisiert.

Forderungen nach der Einführung von unabhängigen EU-Roamingprovidern "erscheinen uns technisch und wirtschaftlich undurchdacht". Es gebe schon Angebote für den Datenabruf im Ausland, sowohl im Prepaid als auch Postpaid, bei denen der Preis pro MByte unter der heute von der EU-Kommission vorgeschlagenen Obergrenze liege.  (asa)


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