Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1107/84749.html    Veröffentlicht: 06.07.2011 12:40    Kurz-URL: https://glm.io/84749

Heimroboter

Corpora testet Open-Source-Roboter Qbo

Qbo ist ein kleiner rollender Roboter, den das spanische Unternehmen The Corpora entwickelt hat. Er ist einerseits als Testfeld für Open-Source-Systeme und andererseits als Roboter für daheim gedacht.

Das spanische Unternehmen The Corpora testet ausgiebig seinen Roboter Qbo. Qbo ist konzipiert als Roboter für zu Hause und ist komplett Open Source.

Der Roboter, dessen Konzept Entwickler Francisco Paz im vergangenen Jahr vorgestellt hatte, besteht aus etwa 40 Kunststoffteilen, die in Taiwan gefertigt werden. Zusammengesetzt wurde er dann vor Ort in Spanien. Paz verwendet in seinem Roboter nur quelloffene Software. Er will an Qbo alle Open-Source-Systeme von Maschinensehen, Spracherkennung und -synthese ausprobieren. Unter anderem kommt das vom US-Unternehmen Willow Garage entwickelte Robot Operating System (ROS) zum Einsatz.

Zu dicht aufgefahren

Die ersten Versuche mit Testpersonen, die nicht zum Entwicklerteam gehörten, seien vielversprechend verlaufen, schreibt Paz in seinem Blog. Der Roboter habe wie erwartet mit den Besuchern autonom interagiert, wenn auch nicht ganz fehlerlos. So zeigte sich ein Fehler in der Programmierung bei der Entfernungsabschätzung: Qbo ist darauf trainiert, zu allen Menschen den gleichen Abstand einzuhalten. Bei der Auswertung der Logfiles zeigte sich jedoch, dass er zu größeren Menschen weniger Abstand gehalten hat als zu kleineren.

Tatsächlich hielt Qbo zu allen Besuchern die gleiche Entfernung ein. Er orientiert sich dabei aber an den Gesichtern. Das Gesicht eines größeren Menschen befindet sich aber weiter oben als das eines kleineren. Also muss Qbo jenem näher sein, um den vorgegebenen Abstand zu wahren.

Geblendet von der Sonne

Der zweite Fehler war, dass Qbo manchmal eine Person aus dem Blick verloren und erst später wiedergefunden hat. Wie sich später herausstellte, lag das an der Beleuchtung: An einigen Stellen des Raumes fiel Licht von außen ein, das das Bild der Kameras schlicht überstrahlte - Qbo war geblendet von der Sonne und sah deshalb nicht mehr richtig.

Qbo ist etwa 45 cm hoch, wiegt rund 10 kg und erinnert mit seinem rundlichen Körper, dem runden Kopf und den fehlenden Extremitäten ein wenig an einen Schneemann auf Rollen. Auf Arme und Beine wird verzichtet, um die Kosten für den Qbo gering zu halten. Der Roboter rollt auf drei Rädern, von denen zwei angetrieben sind.

Sehen und Hören

Damit der Qbo beim Umherfahren nicht anstößt, verfügt er über mehrere Ultraschall- und Infrarotsensoren, mit denen er Hindernisse erkennt. Zwei Kameras in den Augen erlauben stereoskopisches Sehen. Über drei Mikrofone nimmt er Geräusche und Sprache in seiner Umgebung wahr. Über zwei Lautsprecher im Körper kann er antworten. Für Mimik sorgen Augenlider und 21 Leuchtdioden, die Nase und Mund darstellen.

Gesteuert wird der Roboter über eine webbasierte Anwendung. Die Befehle werden per WLAN (802.11g/n) oder Bluetooth an den Qbo übertragen. Für die Informationsverarbeitung sorgen ein Atom-Prozessor von Intel und ein Ion-Grafikkern von Nvidia auf einem Mini-ITX-Board. Die Energie dafür liefert ein Akku. Bevor dieser komplett leer ist, soll Qbo automatisch seine Ladestation ansteuern.  (wp)


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