Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84505.html    Veröffentlicht: 27.06.2011 14:37    Kurz-URL: https://glm.io/84505

Test Shadows of the Damned

Mit Humor durch die Hölle

Flüsse voller Blut sind für echte Abenteurer kein Hindernis - sondern eine Herausforderung! In Shadows of the Damned witzelt sich der Held zusammen mit einem plappernden Multifunktionsrevolver durch die Hölle, am makabren Humor des Duos dürfte auch Quentin Tarantino seine Freude haben.

Kann ja mal passieren: Da kommt man zum Feierabend nach Hause und dann wartet da schon ein dreiköpfiger Riesendämon mit ein paar Zombies im Gefolge, um die Freundin in die Hölle zu entführen. Was tun? Je nach Zustand der Beziehung legt der ein oder andere endlich mal einen ungestörten Fernsehabend ein. Anders Garcia Hotspur, die Hauptfigur in Shadows oft the Damned: Er zögert keinen Moment, um seine Paula zu retten und springt dem bösen Geist sofort hinterher ins Schattenreich. Das Actionadventure stammt vom japanischen Entwicklerstudio Grasshopper Manufacture, an der Produktion waren Branchengrößen wie Suda 51 (No More Heroes) und Shinji Mikami (Resident Evil 4) beteiligt.

Auf den ersten Blick wirkt Shadows of the Damned wie gängige Horror-Survival-Kost. Der Spieler kämpft sich mit dem obercoolen Garcia - dessen fast vollständig tätowierter Oberkörper gelegentlich auch ohne Lederjacke zu sehen ist - aus der Schulterperspektive durch die Hölle. Immer wieder greifen Zombies mit unterschiedlicher Kampfkraft und Taktik an, dazu kommen gelegentlich Knobelstellen und der ein oder andere Oberboss.

Obwohl das Programm die Story um Freundin Paula und den Riesendämon durchaus ernst nimmt und der Protagonist im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder durch Flüsse voller Blut watet, geht es in Shadows of the Damned humorvoll zu; der makaber-ironische Stil erinnert an Filme von Quentin Tarantino und an From Dusk till Dawn von Robert Rodriguez. Besonders für Witz sorgt Johnson: So heißt ein Multifunktionsbegleiter, der eigentlich ein kleiner Totenschädel mit Irokesenschnitt ist, sich aber je nach Bedarf in einen Revolver, ein Motorrad oder eine Fackel verwandelt. Vor allem aber plaudert er mit seinem Besitzer und gibt ihm als alter Kenner der Hölle immer wieder Tipps, wie mit Zombies oder einer versperrten Tür umzugehen ist.

Alkohol ist gut für die Gesundheit

Auch sonst haben sich die Macher einiges an Skurrilitäten ausgedacht. Beispielsweise muss Garcia durch gezielte Schüsse bestimmte Ziegenköpfe an der Wand in Brand setzen, um die Finsternis wenigstens ein bisschen zurückzudrängen. Oder er muss kleinen bösen Babygesichtern, die als Türschloss dienen, mit einer betont fiesen Animation eine Erdbeere ins Maul stopfen, damit er weiterkann. Ab und zu versperrt ein Vorhang aus Dämonenschamhaar den Weg, das auf passend makabre Weise aus dem Weg geräumt werden muss. Whisky und anderer hochprozentiger Alkohol dienen als Heilmittel. Die Logik: Was in der echten Welt tötet, bringt in der Hölle die Lebenspunkte zurück.

Einen Großteil des Spiels bestreitet Garcia trotz aller Witzeleien in Kämpfen gegen Untote, denen er mit Johnson, einer weiteren Schusswaffe sowie mit Fäusten und Tritten zu Leibe rückt. Die Gefechte finden meist in sehr engen Gängen oder Räumen statt, so dass es gelegentlich etwas unübersichtlich zugeht. Dazu kommen kleine Rätselpassagen, etwa die Suche nach gut versteckten Erdbeeren. Ab und zu muss Garcia in eine Dunkelwelt wechseln, um Schalter zu aktivieren - dann kommen Erinnerungen an Alan Wake oder den Klassiker Legacy of Kain: Soul Reaver hoch.

Das Programm basiert auf der Unreal Engine, reizt die eigentlich ja durchaus leistungsstarke Technologie aber kaum aus. Die Texturen wirken blass, die Umgebungen sind sehr überschaubar, Animationen und Spezialeffekte bis auf wenige Ausnahmen nur Durchschnitt. Trotzdem wirkt das Ganze sehr stimmig in Szene gesetzt. Dazu trägt auch die Musik bei, die einen breiten und gelungenen Mix aus spanischen Gitarrenklängen, viel Hardrock und gelegentlich sogar Jazz bietet.

Shadows of the Damned ist für Playstation 3 und Xbox 360 zu haben, es kostet rund 60 Euro. Die englische Sprachausgabe ist sehr gut, auf Wunsch lassen sich sauber übersetzte deutsche Untertitel einblenden. Das Programm erscheint hierzulande ungeschnitten mit einer USK-Freigabe ab 18 Jahren - was angesichts der Massen an Blut oder Details wie den einzeln abschießbaren Gliedmaßen von Untoten auch in Ordnung geht.

Fazit

Nein, das Massenpublikum kann, wird und will Shadows of the Damned nicht erreichen. Für erwachsene Spieler mit einer Vorliebe für tiefschwarzen Humor ist das Ding allerdings ein kleines Juwel, das ähnlich gelagerte Unterhaltung wie ein gutes B-Movie bietet. Also keine epische Handlung zum Abtauchen, sondern ein locker-flockiger und überraschungsreicher Mix aus viel Action, ein bisschen Knobelei und vielen vorwiegend bizarren sonstigen Ideen. Macht ein paar Stunden lang Spaß, ist dann aber rasch wieder vergessen.  (ps)


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