Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84448.html    Veröffentlicht: 24.06.2011 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/84448

Mermaid

Das Kamerafischchen für die Magen- und Darmspiegelung

Japanische Forscher haben eine Kamera zur endoskopischen Untersuchung entwickelt, die in einer Pille sitzt, die sich mit einem Flossenantrieb ihren Weg durch den Darm des Patienten bahnt.

Mermaid (Meerjungfrau) heißt die Pille mit Fischschwanz, die eine kleine Kamera beherbergt, mit der alle zwei Sekunden Aufnahmen gemacht werden - vom Darm oder Magen des Patienten, der die Pille verabreicht bekommt.

Die Pille wurde nun erstmals an einem Menschen ausprobiert, nachdem zuvor nur Tierversuche gemacht wurden. Das selbstfahrende Pillenendoskop wird über einen Joystick vom untersuchenden Arzt gesteuert. Der Antrieb erfolgt mit einem oszillierenden Schwänzchen, das mit Elektromagneten hin- und herbewegt wird. Eine eigene Energieversorgung für die Kamera und den Antrieb ist mit dabei.

Forscher der Ryukoku-Universität und des Osaka Medical College waren an der Entwicklung der Kapselkamera beteiligt. Sie ist rund 4,5 cm lang und ungefähr 1 cm dick.

Die Kapselendoskopie gibt es schon seit mehr als zehn Jahren, doch bislang wurden die Geräte nur durch die Peristaltik voranbewegt. Die Ausrichtung der Kamera oblag genau wie die Passagezeit mehr oder minder dem Zufall. Mit der neuen Entwicklung können Ärzte nun genauer bestimmen, wo und wie lange die Aufnahmen gemacht werden. Darüber hinaus gibt es auch Kapselendoskope, die mit Hilfe von Magneten von außen bewegt werden können.

Der Gastroenterologe Kazuhide Higuchi vom Osaka Medical College sagte, dass die Untersuchung vom Ösophagus bis zum Colon in wenigen Stunden durchzuführen sei. Das entlastet nicht nur den Patienten, sondern ermöglicht auch Untersuchungen an mehr Patienten. Bis es so weit ist, werden jedoch noch einige Forschungsjahre vergehen.  (ad)


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