Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84425.html    Veröffentlicht: 24.06.2011 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/84425

Acer Iconia W500 im Test

Windows-Tablet mit Wackeldock und AMDs C-50

Gut gedacht, schlecht umgesetzt: Acers Dock für das neue Windows-Tablet mit anschließbarer Tastatur hat sich im Test von Golem.de als sehr wackelig erwiesen. Wer meistens am Schreibtisch arbeitet und auf lange Akkulaufzeiten verzichten kann, wird mit dem Tablet trotzdem zufrieden sein.

Windows-Tablets für den Endnutzer sind eine Seltenheit. Das Gros der Tablets sind Tablet-PCs, entweder als Slate oder als Convertible, und diese Geräte sind zum Teil richtig teuer. Acers preisgünstiges Iconia Tab W500 ist daher eine willkommene Alternative. Das W500 kann zwar mit einem Tablet-PC nicht ganz mithalten - dafür fehlen Digitizer, Stift und damit verbunden eine ordentliche Notiz- und Zeichenfunktion -, aber als Tablet mit anschließbarer Tastatur hat das Gerät ein interessantes Konzept. Auf dem 10-Zoll-Tablet läuft Windows, so dass Windows-Anwender ihre gewohnten Programme nutzen können, und die Tastatur ermöglicht auf dem Tablet schnelles Tippen mit mehr als zwei Fingern.

Das Innenleben ist auch sehr interessant, immerhin setzt Acer auf AMDs C-50-Prozessor mit integrierter Grafik. Es gibt also direkt einen HDMI-Ausgang und die zu erwartende Leistung sollte im Bereich eines Dual-Core-Atom-Systems von Intel sein.

Tastaturdock liegt bei

Die Idee an sich ist toll: eine Tastatur mit einem Anschluss für das Tablet mit einigen Zusatzfunktionen. In der Tastatur, die per USB 2.0 mit dem Tablet verbunden wird, finden sich zwei USB-Anschlüsse und ein Netzwerkanschluss. Von dem per USB angebundenen Fast-Ethernet-Anschluss kann der Anwender nicht viel erwarten. Viel mehr als 10 MByte/s sind bei dem alten Anschluss nicht möglich. Die beiden USB-Anschlüsse am Tablet sind übrigens im gedockten Zustand nicht mehr nutzbar. Der Nutzer muss also einen angeschlossenen USB-Stick vor dem Docken erst einmal entfernen.

Die Tastatur ist recht gut und leise und hat einen klaren Anschlag. Der Pointing Stick ist etwas schwerfällig. Der Anwender muss etwas mehr Kraft aufwenden als bei vergleichbaren Geräten. Dafür sind die Mausersatztasten leicht bedienbar.



Wenn das Tablet aus der Tastatur fällt

Der Haltemechanismus ist problematisch und hat den Namen kaum verdient. Das Tablet wird nämlich einfach nur oben aufgesteckt, was erhebliche Nachteile hat, sobald der Anwender unterwegs oder zu Hause in einer bequemen Sitzposition das Tablet mit der Tastatur benutzen will. Bei typischer Nutzung in einem Zug fällt die Tastatur-Tablet-Kombination häufig nach hinten, sobald der Sitz höher ist als die Beine des Benutzers lang sind. Das Tablet gibt dann dem Gefälle nach, kippt, und mangels Haltemechanismus fällt es sogar auseinander. Das Kippproblem kennen wir schon von dem von uns getesteten Convertible Aspire 1825PTZ. Beim Convertible war der schwere Akku hinten ohne Gegengewicht für die fehlende Balance verantwortlich, beim Iconia Tab W500 ist es das schwere Tablet. Auch hier fehlt ein Gegengewicht.

In einer Liegeposition auf dem Sofa, also wenn die Beinhöhe vom Körper aus gesehen steigt, lässt sich das Iconia nicht nutzen. Das Tablet kippt in Richtung Anwender aus dem Tastaturdock und löst sich nach vorne heraus. Hier sind zwei fehlende Verankerungen das Problem. Einerseits ist das Tablet nur aufgesteckt und andererseits wird auch der Winkel, in dem das Display zum Anwender steht, nicht fest gehalten.

Vorsichtig muss der Anwender auch beim Abstellen auf waagerechten, aber weichen Oberflächen sein. Wird das Tablet auf einem Bett oder einer Couch abgestellt, drückt die 1,6-Kilo-Kombination unweigerlich auf die Fläche und sorgt damit für eine Schieflage, die das Umkippen durch weitere Erschütterungen begünstigt.

Auch wer das Tablet unterwegs zusammenklappt, erlebt manche Überraschung. Es gibt zwar eine Verankerung, die die Magneten unterstützt, die eigentlich die Tastatur und das Tablet übereinanderhalten. Allerdings nur auf einer Seite, mit dem Resultat, dass die Kombination in der Tasche mitunter verrutscht, was uns beim Transport auch passiert ist.

Damit unterscheidet sich Acers Dockmechanismus von der sehr stabilen Variante des Android-Geräts von Asus, dem von uns ebenfalls getesteten Eee Pad Transformer. Asus' Konstruktion ist bei weitem besser, allerdings muss Asus dank stromsparender Hardware auch nicht so einen dicken Akku im Display verbauen, um vernünftige Akkulaufzeiten zu erreichen, sondern verbaut einen Akku in der Tastatur, der zugleich als stabilisierendes Gegengewicht wirkt.



Ausstattung

Acer hat sich glücklicherweise entschieden, Windows nicht in der Startervariante zu installieren und genügend RAM zu verbauen. Es gibt also Windows 7 in der Home-Variante und 2 GByte RAM. Damit ist das Tablet spürbar schneller und angenehmer zu benutzen als viele Billig-Netbooks mit der Starterversion und 1 GByte RAM. Das Iconia Tab W500 ist eines der wenigen Geräte mit AMDs neuen C-Prozessoren alias Ontario. Der Prozessor steckt unter anderem auch in einem Acer-Netbook und einem weiteren Windows-Tablet von MSI. Acer verbaut das Modell C-50. Dieses bietet 1 MByte L2-Cache sowie zwei Kerne mit einer Taktfrequenz von jeweils 1 GHz.

Außerdem gibt es eine integrierte Grafikeinheit auf dem Prozessor-Die, die Radeon HD 6250 genannt wird. Das verspricht ein recht stromsparendes Design, ist der Prozessor doch mit einem TDP-Wert von 9 Watt für zwei Kerne und eine Grafikeinheit recht sparsam - zumindest in der x86-Welt. Die 9 Watt sind der Maximalwert, den die Kühlung als Wärme abführen muss. In der Regel arbeiten Prozessoren nur in Lastsituationen in der Nähe der TDP (Thermal Design Power).

Kleine SSD im Tablet

Für die Speicherung von Daten gibt es eine Sandisk P4 SSD mit 32 GByte Kapazität. Beim Auspacken sind immerhin fast 15 GByte Speicher frei. Den Rest belegen Windows und die installierte Software. Durch Schattenkopien, temporäre Hinterlassenschaften und Nutzerdaten dürfte der Speicher ohne Disziplin allerdings nicht lange ausreichen. Eine Nachrüstung ist nur über eine SD-Karte möglich, die dank einer Klappe im eingeschobenen Zustand nicht hervorsteht.

Die sonstige Hardwareausstattung ist Durchschnitt. WLAN gibt es nur als Single-Band-Lösung (IEEE 802.11b/g/n). Dazu kommt ein Bluetooth-Modul. Der HDMI-Anschluss ist nützlich, wenn das Tablet mal an einen Fernseher angeschlossen werden muss. SD-Karten kann das Tablet auch lesen. Zudem gibt es am Tablet zwei USB-Anschlüsse. Der in der Mitte ist für das Dock vorgesehen. Es ist kein Spezialanschluss und so lässt sich diese Buchse auch für normale USB-Geräte nutzen. Ungewohnt ist allenfalls, dass dieser Dock-USB-Anschluss falsch herum verbaut wurde. Wer sich an den Kabelsymbolen orientiert, um den Stecker richtig einzustecken, wundert sich erst einmal.

Interessant wäre noch ein 3G-Modem, darauf ist das Iconia Tab immerhin vorbereitet. Unser Testmuster hat eine Aussparung für eine SIM-Karte. Allerdings lässt sich ein 3G-Modem nicht nachrüsten.



Blickwinkelstabiles und helles Display

Das Display ist erfreulicherweise ein 16:10-Panel mit IPS-Technik. Es ist also blickwinkelstabil, was bei Tablets besonders wichtig ist. Es bietet eine angenehme Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln und ist außerdem ziemlich hell und überstrahlt somit auf Wunsch störende Spiegelungen der glänzenden Oberfläche auf Kosten der Akkulaufzeit. Einen Helligkeitssensor konnten wir nicht ausmachen, so dass der Anwender regelmäßig selbst nachjustieren muss. Der Displayrahmen ist ungewöhnlich dick. In dem Tablet befindet sich ein Lagesensor, der den Bildschirm etwa automatisch von Hochkant auf Querformat umschaltet.

Der Sensor ist etwas empfindlich und reagiert recht früh auch bei nicht allzu deutlichen Lageänderungen, wenn der Anwender sich bewegt und dabei nicht auf die Tablet-Stellung achtet. Es gibt aber einen Sperrschalter auf der Unterseite, der eine Drehung des Bildinhalts verhindert. Für Windows typisch ist der Umstand, dass die Drehung eine gefühlte Ewigkeit dauert. Mit mindestens 5 Sekunden für einen Umschaltvorgang muss der Anwender rechnen. Manchmal wartet der Anwender aber auch 10 und mehr Sekunden, wenn die CPU gerade beschäftigt ist.

Der kapazitive Touchscreen kann maximal die Eingaben von vier Fingern gleichzeitig verarbeiten. Eine Stiftoption gibt es nicht. Prinzipiell müssten aber kapazitiv arbeitende Stifte funktionieren. Allerdings gibt es dann weder einen direkten Kontextmenüklick noch einen Schwebezustand. Dazu fehlt dem Tablet der Digitizer.

Bedienung mit dem Finger

Windows ist nicht unbedingt für die Fingerbedienung geeignet, viele Schaltflächen sind schlicht zu klein. Zwar hat Microsoft mit Windows 7 deutliche und positive Veränderungen gemacht, sich aber nach der Veröffentlichung des Betriebssystems nicht weiter um Windows 7 und Touch gekümmert. Erst mit Windows 8 sind große Touch-Fortschritte zu erwarten.

Dennoch funktioniert die Fingerbedienung nach etwas Eingewöhnung ordentlich. Schade ist, dass es keine eigene Taste zum Aufrufen der virtuellen Tastatur gibt. Es gibt noch immer Programme, die bei Textfeldern kein Icon für die virtuelle Tastatur bereitstellen. Der Opera-Browser gehört beispielsweise dazu und auch einige Felder von Firefox arbeiten nicht mit. Es gibt aber eine Taste zum Einschalten, eine Lautstärkewippe und eine Windows-Taste, die wir allerdings für sinnlos halten, da das Windows-Symbol des Startmenüs mit dem Finger leicht zu treffen ist.



Windows ohne Service Pack und Benchmarks

Acer liefert viel Software mit - zu viel. Die Programmliste ist gut gefüllt mit Spielen, Virenscanner und Acer-Software. Acers Ringsoftware ist dabei gezielt für die Fingerbedienung ausgelegt. Ein sehr lobenswerter Ansatz, um Windows besser bedienbar zu machen. In der Praxis arbeitet der Anwender aber viel mit Programmen, die nicht für Touchscreens erstellt wurden.

Gestört hat uns der Umstand, dass Acer das Iconia Tab noch mit einem Windows-Image bespielt, dem das Service Pack 1 fehlt. Die Ersteinrichtung dauert dementsprechend trotz SSD sehr lange, da die CPU gut mit Windows-Updates beschäftigt wird.

Benchmarks und Lastsituationen

AMDs C-50 ist vor allem eine Konkurrenz für Intels Atom-Prozessor. Der C-50 ist also nicht als leistungsfähiger Prozessor einzustufen, so dass wir Benchmarks und Benchmarkeinstellungen genommen haben, die wir auch bei Netbooks verwenden.

Wie zu erwarten war, schlägt sich der C-50 recht ordentlich. Super-Pi-Werte für eine Million Iterationen liegen bei 88,509 Sekunden und stehen für gute Einkernwerte. Bei Mehrkerntests wie dem Cinebench R10 (xCPU) wurden 1.256 Punkte erreicht. Der OpenGL-Test von Cinebench kommt auf 1.274 Punkte. Der 3DMark 01 SE liefert 5.700 Punkte. Damit ist die CPU-Leistung des AMDs C-50 in etwa mit einem N550er Atom zu vergleichen. Der Grafikkern ist dem GMA 3150 des Atom deutlich überlegen und liegt auf Ion-2-Niveau.



Lange Akkulaufzeit mit AMDs C-50

In der Praxis bedeutet das, dass der Anwender selten auf den Prozessor warten muss. Ist ein Kern ausgelastet, kann ein anderer übernehmen. Ob wir nun den Sintel-Film oder ein Youtube-Video abspielen, die Leistung ist ausreichend. Das gilt aber nur für aktivierte Hardwarebeschleunigung. So hat der VLC-Player im Unterschied zum Windows Media Player erhebliche Probleme mit dem Sintel-Film in der 2K-Version. Sehr vorteilhaft ist die Nutzung einer SSD. Vor allem das Laden von Programmen geht angenehm fix. Eine 1,8-Zoll-Festplatte, vermutlich die einzige Möglichkeit für so ein kleines Tablet, ist für Anwender ein viel zu deutlicher Nervfaktor.

Die Datentransfers (lesend) sind sehr unterschiedlich. Während die SSD durchaus 130 MByte/s liefert, können die Schnittstellen nicht mithalten. Über USB haben wir nicht mehr als 16 MByte/s mit einem Corsair Flash Voyager messen können. Damit sind die USB-Anschlüsse nur wenig schneller als die Fast-Ethernet-Schnittstelle mit rund 10 MByte/s. Der SD-Kartenleser ist ebenfalls sehr langsam und schafft mit einer Sandisk Extreme III (30-MByte/s-Version) nur 10 MByte/s. Wir haben die Messungen mit AS SSD und Crystal Disk Mark durchgeführt und anschließend mit einer Handmessung verifiziert. Bei der SSD ging das natürlich nicht.

In der Praxis fällt auf, dass sich USB-Anschlüsse und Netzwerk gegenseitig behindern. Wer etwa Daten von einem USB-Stick über das Netzwerk transferiert, bremst beide Schnittstellen nochmals aus.

Lange Akkulaufzeit durch schweren Akku

Bei der Akkulaufzeit erreicht das Iconia Tab respektable Werte von rund 5 Stunden bei voller Helligkeit und wenig Last. Diese Laufzeit hat sich Acer aber teuer erkauft, denn mit 950 Gramm ist das Tablet sehr schwer. Mit dem Dock wiegt es sogar 1,6 kg, so viel wie manches 12-Zoll-Business-Notebook mit einem Core-i-Prozessor. Wer mit dem Tablet im Dunkeln arbeitet, kann die Laufzeit durchaus verlängern. Tagsüber mussten wir allerdings etwa die Helligkeit auf den Maximalwert setzen, um das spiegelnde Display zu überstrahlen. Verglichen mit Android- oder iOS-Tablets hält das Tablet nicht lange durch.

Im Vergleich zu anderen Windows-Geräten ist die Laufzeit eher normal. Ein x86-Prozessor belastet den Akku halt stärker, bietet aber auch mehr Leistung, und für Windows-Anwender wichtig: die Flexibilität, seine gewohnten Programme einzusetzen. Unter Last (3DMark 2001 SE in einer Schleife) reduziert sich die Laufzeit auf etwa 3 Stunden bei voller Helligkeit und aktivem WLAN.



Verfügbarkeit und Fazit

Das Acer Iconia Tab W500 ist bereits im Handel erhältlich. Die von uns getestete Variante kostet etwa 600 Euro und beinhaltet das Dock. Wer auf das Dock verzichten kann, bekommt das W500 für rund 500 Euro. Eine 3G-Variante soll Mitte Juli 2011 für 600 Euro (ohne Dock) erscheinen.

Fazit

Ein Tablet mit Tastaturdock klingt nach einer guten Idee, leider hat Acer sie nicht gut umgesetzt. Herausgekommen ist nur eine wenig durchdachte Tablet-Halterung mit Tastatur. Die Konstruktionsschwächen lassen sich allerdings ausgleichen. Dafür muss der Nutzer diszipliniert genug sein, das Tastaturdock grundsätzlich nur auf ebenen Flächen ohne Gefälle zu nutzen, sprich: auf dem Schreibtisch. Auf der Couch ist das Tablet schwer zu nutzen, unterwegs gar nicht: Uns ist noch kein Gerät untergekommen, das so häufig umgekippt ist wie das Iconia Tab W500.

Wer bereits weiß, dass er das Tablet mit dem Dock nicht so diszipliniert einsetzen würde, sollte lieber darauf verzichten und stattdessen das Tablet ohne Dock kaufen. Der Anwender bekommt dann im Prinzip ein Windows-Tablet mit der Leistung eines typischen Netbooks mit guter Grafikeinheit und - für Windows-Verhältnisse - akzeptablen Akkulaufzeiten von rund 5 Stunden. Wer mehr bei einem Tablet braucht, muss zu einem anderen Betriebssystem greifen. Allerdings hat der Anwender dann keine Möglichkeit, seine Windows-Programme zu nutzen. Eine interessante Tablet-Alternative mit Android und vom Konzept durchdachter ist Asus' dockbares Eee Pad Transformer, bei dem das Tablet im Dock verriegelt wird. Es bietet zudem einen Akku in der Tastatur bei vergleichbarem Gewicht und rund die dreifache Akkulaufzeit.  (ase)


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