Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84364.html    Veröffentlicht: 21.06.2011 16:38    Kurz-URL: https://glm.io/84364

Jugendschutz

Gewalt in Games kann Verbrechen verhindern

Eine neue Studie über gewalthaltige Spiele kommt zu einem paradoxen Ergebnis: Manche Gamer werden angeblich durch Call of Duty & Co. tatsächlich aggressiver - trotzdem haben die Actionspiele einen positiven Effekt auf die Kriminalitätsrate.

Wer Call of Duty auf PC oder Konsole spielt, wird dadurch möglicherweise aggressiver. Als Folge davon kann er trotzdem keine Straftat begehen, weil er Call of Duty spielt - und nicht etwa durch die Straßen zieht, um sich eine Prügelei zu liefern. Das sind, stark vereinfacht, die Ergebnisse einer Studie mit dem Titel Understanding the Effects of Violent Video Games on Violent Crime, die sich mit den Auswirkungen von gewalthaltigen Spielen auf Gewaltverbrechen beschäftigt. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Michael R. Ward von der University of Texas in Arlington, dem ebenfalls aus Texas stammenden A. Scott Cunningham von der Baylor University sowie von Benjamin Engelstätter vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.

Die Autoren haben für ihre Studie eine Reihe von früheren Untersuchungen unter die Lupe genommen. Und zwar vor allem solche, die auf empirischer Basis mit Vergleichsgruppen gearbeitet haben. Dabei, so kritisieren sie die Arbeit ihrer Kollegen, sei nie so ganz klar gewesen, ob die Gruppen sinnvoll zusammengestellt und ausgewertet worden sind - oder ob beispielsweise die Spieler von gewalthaltigen Games deshalb aggressiver waren, weil sie als aggressive Typen von vornherein einen größeren Bezug zu Shootern gehabt haben. Die aus diesem Grund teils neu gewichteten Daten haben die Autoren in Verbindung gebracht mit Verkaufszahlen von Computerspielen und der Häufigkeit von gemeldeten Verbrechen.

Die Wissenschaftler sind durchaus der Auffassung, dass gewalthaltige Inhalte die Aggressivität von Spielern steigern können. Das müsse aber kein Grund sein, die Programme mit Verweis auf ihre sozialen Kosten - beispielsweise Sachschäden durch kriminelles Verhalten - zu verbieten. Im Gegenteil: Zum einen können die Spieler, so paradox das klingt, ihre Aggressionen im Spiel auch wieder abbauen. Zum anderen sei es schlicht ein Zeitproblem, die Aggressionen zusätzlich zum Spiel auch noch anderweitig auszuleben. Es könnte durchaus passieren, so die Studie, dass etwa durch das Entfernen von gewalthaltigen Stellen in Games die Gesellschaft zwar langfristig weniger aggressiv wird, es kurzfristig aber zu einer Erhöhung der Kriminalitätsrate kommt.  (ps)


Verwandte Artikel:
Jugendschutz: 0,5 Prozent der Computerspieler gelten als süchtig   
(16.02.2011, https://glm.io/81481 )
Gewalt: US-Präsident Trump will Gespräch mit Spielebranche   
(02.03.2018, https://glm.io/133100 )
Grand Theft Leak: GTA 6 spielt in Südamerika und Black Ops 4 in der Zukunft   
(07.03.2018, https://glm.io/133192 )
Bitkom Research: Höherer Frauenanteil in der deutschen IT-Branche   
(07.03.2018, https://glm.io/133200 )
Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer hat Internetzugang   
(22.10.2007, https://glm.io/55549 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/