Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84244.html    Veröffentlicht: 16.06.2011 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/84244

Nokia

Qt 5 soll im April 2012 erscheinen

Nokia will sich vorerst "schmallippig" geben: Qt habe eine Zukunft, versicherte Nokia auf der Qt Contributors Conference in Berlin. Wie sie aussehen soll, will das Unternehmen aber noch nicht verraten. Nur so viel: Die Community wird stärker beteiligt.

Wie sieht die Zukunft von Qt nach Nokias Wechsel auf Windows Phone 7 und der Auslagerung des kommerziellen Qt-Geschäfts an Digia aus? Auf der Qt Contributors Conference in Berlin gab es einige Antworten, aber wichtige Fragen sind offen geblieben.

Qt habe eine Zukunft und diese liege stärker in den Händen der Community als jemals zuvor - auf diese Aussage liefen Nokias Äußerungen hinaus. Nokia habe trotz Windows Phone 7 weiterhin ein Interesse an Qt und investiere in das Framework. Warum? Dazu könne man noch nichts sagen.

Sebastian Nyström, als Vice President bei Nokia für Qt und Open Source verantwortlich, wies die Spekulation zurück, das neue Open-Governance-Modell sei lediglich Nokias Versuch, die Verantwortung für Qt abzugeben. Es gebe einen Platz für Qt in Nokias Produktportfolio und feste Pläne für die Zukunft. Nur wie diese Pläne aussehen und wie Qt in Nokias neue Strategie und das Produktportfolio passt, wollte er nicht verraten. Ankündigungen gebe es erst, wenn es etwas zu verkünden gebe. Bis dahin werde man sich dazu eher "schmallippig" geben, sagte Nyström.

Qt wird zum echten Open-Source-Projekt

Lars Knoll, der die Qt-Entwicklung bei Nokia leitet, machte deutlich, dass sich Qt zu einem echten Open-Source-Projekt wandeln soll. Jeder soll gleichermaßen an Qt mitarbeiten können, die Kommunikation über offene Mailinglisten und IRC abgewickelt werden und der Code über Git zur Verfügung stehen. Mit den neuen Einflussmöglichkeiten nimmt Nokia die Community aber auch stärker in die Pflicht.

Die Governance-Struktur von Qt soll sich künftig am Webkit-Projekt orientieren. Jeder kann bei Qt künftig zum "Contributor" werden, also einen Patch beisteuern oder sich anderweitig am Projekt beteiligen. Die nächste Stufe ist der "Approver", der dem Webkit-Reviewer ähnelt. Auch hier sollen die Hürden nicht sehr hoch liegen. "Maintainer" soll es nur geben, wenn es wirklich nötig ist. Über allen steht der Chief Maintainer. Die Rolle wird voraussichtlich Lars Knoll übernehmen, der Qt schon heute bei Nokia leitet.

Qt an die technischen Veränderungen anpassen

Knoll, der mit KHTML die Basis für Webkit geschaffen hat, stellte kürzlich seine Pläne für Qt 5 vor, machte in Berlin aber nochmals deutlich, dass diese nur ein Diskussionsvorschlag seien, wenn auch einer, für den es in der Community viel Zustimmung gebe.

Qt 4 ist rund sechs Jahre alt, und für Qt 5 sind einige grundlegende Veränderungen geplant. Dabei solle sich das Framework an die veränderte Welt anpassen, sagte Knoll und verwies unter anderem auf Touchscreens, mobile Endgeräte sowie striktere Anforderungen an Leistung und Speicherverbrauch.

So soll QML bei der Entwicklung neuer Applikationen ins Zentrum rücken, das klassische Applikationsmodell auf Basis von C++ tritt langfristig in den Hintergrund. Dabei soll das gesamte UI in QML erzeugt werden, es gibt keine klassische Main-Funktion wie in C/C++ mehr. Zudem kommt Javascript eine wichtige Rolle zu, und es wird zunehmend für die Applikationslogik verwendet. Weiterhin soll es aber auch möglich sein, die Applikationslogik im klassischen Qt/C++-Ansatz zu schreiben.

Im Bereich Webkit ist unter anderem der Umstieg auf Webkit2 geplant, womit es unter anderem Sandboxing ähnlich wie Chrome geben wird. Zudem soll das für eine vollständige HTML5-Kompatibilität sorgen. In Sachen Javascript soll Googles Javascript-Engine V8 zum Einsatz kommen.

Die Architektur von Qt wird stärker modularisiert, es gibt künftig kleine Repositorys für die einzelnen Unterprojekte. Die Trennung zwischen Qt und Qt Mobility soll aufgehoben werden. Aber bei allen Änderungen soll die Quellcode-Kompatibilität weitgehend erhalten bleiben. Knoll strebt eine vollständige Quelltextkompatibilität zu Qt 4.7 an. Wo das nicht gelingt, sollen Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, die den Umstieg vereinfachen. Veraltete APIs werden allerdings entfernt.

Jede Plattform kann unterstützt werden

Bei den unterstützten Plattformen will sich Nokia auf Windows, Linux und Mac OS X konzentrieren. Es ist aber laut Nokia grundsätzlich möglich, jede Plattform zu unterstützen, wenn sich die Community darum kümmert. Das soll durch die neue Struktur mit Lighthouse zugleich vereinfacht werden. Um eine weitere Plattform als sogenannte Tier-1-Plattform neben den dreien aufzunehmen, bedürfe es einer starken Unterstützung von einer Gruppe von Entwicklern.

Was die Hardware angeht, so soll Qt 5 auf x86- und ARM-Hardware laufen. Ein Prozessor mit FPU und eine GPU mit Unterstützung für OpenGL beziehungsweise OpenGL ES werden aber voraussichtlich notwendig sein.

Veraltete Plattformen und Compiler will Knoll nicht unterstützen. Bedürfte es nur kleiner Anpassungen, werde man diese vornehmen. Müsse aber der halbe Quellcode umgeschrieben werden, um auf veralteten Systemen zu laufen oder von nicht standardkonformen Compilern übersetzt zu werden, werde dies nicht gemacht. Hier will Digia einspringen und zahlenden Kunden eine Art erweiterten Support anbieten.

Qt 5 soll im Früher 2012 fertig sein

Die Entwicklung von Qt 5 liegt derzeit im Zeitplan, für Oktober 2011 wird ein Feature Freeze angestrebt. Bis dahin wird also auch entschieden sein, wie Qt 5 konkret aussehen wird. Eine Betaversion von Qt 5 soll im November oder Dezember 2011 verfügbar sein, im April 2012 dann die Finalversion von Qt 5 folgen. Das zumindest strebt Lars Knoll an.  (ji)


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