Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84222.html    Veröffentlicht: 15.06.2011 17:34    Kurz-URL: https://glm.io/84222

"Augenwischerei"

Neue IBM-Deutschlandchefin ist gegen Frauenquote

Martina Koederitz, allein unter Männern im IBM-Vorstand, will keine Frauenquote. Sie hofft beim weiblichen IT-Nachwuchs auf die junge Generation, die mit Smartphone und sozialen Netzwerken groß geworden ist.

Die neue Chefin von IBM Deutschland ist gegen eine Frauenquote für Unternehmen. "Ich finde es gut, wenn mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Aber eine Quote, wie sie für die Dax-Unternehmen diskutiert wird, ist doch Augenwischerei", sagte Martina Koederitz dem Handelsblatt.

Bei der von der Regierung diskutierten Vorgabe für eine Verdreifachung der Frauenquote in den Führungsgremien soll der Anteil bis 2020 von drei auf neun Prozent erhöht werden.

Die Managerin setzt beim Thema weiblicher IT-Nachwuchs große Hoffnungen auf die junge Generation, die mit Computer, Smartphone und sozialen Netzwerken groß geworden ist. "Da spielen dann heute auch die Frauen eine wesentlich größere Rolle als noch vor 25 Jahren, als es um das Programmieren eines Computers ging", sagte Koederitz.

Die Betriebswirtin Koederitz ist die einzige Frau in der Geschäftsführung von IBM Deutschland. Koederitz begann ihre Tätigkeit bei IBM 1987 als Systemberaterin. IBM Deutschland ist für den US-Konzern die wichtigste europäische Landesgesellschaft.

Koederitz widersprach Kritiken, nach denen IBM mit dem Verkauf der PC-Sparte an Lenovo einen strategisch wichtigen Bereich abgegeben habe. "Unsere Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass wir in die richtigen Bereiche investiert haben. Bei den Endgeräten verfällt die Marge so schnell, dass nur Massenanbieter das schaffen", sagte sie.

IBM bietet Unternehmenskunden weiterhin Lenovo-Thinkpad-Notebooks an, die nach Kundenwünschen fertig vorkonfiguriert werden. Im Hardwarebereich ist IBM weiterhin selbst als Hersteller von Mainframes aktiv.

Nachtrag vom 15. Juni 2011, 19:50 Uhr

Die Fachgruppe "Frauen und Informatik" in der Gesellschaft für Informatik unterstützt dagegen die Frauenquote. Deren Sprecherin, Christine Regitz von SAP, sagte Golem.de, dass sie die Ziele, wie in der Nürnberger Resolution formuliert, befürworte. Zur weiteren Unterstützung der Resolution waren die IT-Expertinnen bei der Veranstaltung "Starke Statements für starke Frauen" am 27. Mai 2011 in Berlin in der norwegischen Botschaft.  (asa)


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