Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84214.html    Veröffentlicht: 15.06.2011 15:36    Kurz-URL: https://glm.io/84214

Volksaufstand in Zengcheng

Chinesische Regierung blockiert Suchmaschinenabfragen

China verhindert Suchabfragen zu den Unruhen in Zengcheng. Eine schwangere Markthändlerin wurde von Sicherheitskräften verletzt, was einen spontanen Aufstand auslöste.

Die chinesische Regierung blockiert Suchmaschinenabfragen zu dem Volksaufstand in Zengcheng, einer Industriestadt im Kanton Guangzhou. Wie IDG News berichtet, werden auf Google-Abfragen in China keine Ergebnisse zurückgeliefert, und die Verbindung zum Server wird zurückgesetzt. Die Machthaber in China blockieren auch Suchanfragen zu der südchinesischen Stadt Zengcheng aus einigen populären Microblogs der Betreiber Sina und Tencent. Ein Bewohner Zengchengs sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, dass die Menschen aufgefordert worden seien, keine Bilder des Aufstands im Internet zu posten.

Von den 800.000 Bewohnern Zengchengs sind circa die Hälfte Wanderarbeiter. In Zengcheng werden hauptsächlich Textilien produziert.

Im November 2010 hatte es Streiks und Demonstrationen bei dem Foxconn-Tochterunternehmen Premier Image Technology in Foshan in der Nähe von Guangzhou gegeben. LG Display, weltweit der zweitgrößte Displayhersteller, errichtet zusammen mit staatlichen Stellen in Guangzhou eine LCD-Fabrik für vier Milliarden US-Dollar. Baubeginn war 2010, die Produktion in Guangzhou soll 2012 anlaufen.

Chinesische Sicherheitsbeamte hatten die schwangere Markthändlerin Wang Lianmei im Vorort Dadun inn Xintang schikaniert, als sie auf ihrem Verkaufsstand ohne Genehmigung Waren anbot. Nachdem bekanntwurde, dass die 20-Jährige verletzt wurde, ins Krankenhaus kam und ihr Mann getötet wurde, kam es zu spontanen Aufständen. Daran nahmen mehrere tausend Menschen teil. Polizeiautos wurden umgeworfen und Regierungsgebäude angezündet. Zu dem Zwischenfall kam es am 10. Juni 2011. Am Sonntag wurden 25 Menschen verhaftet. Die Behörden setzten bewaffnete Hundertschaften, gepanzerte Fahrzeuge und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Ob es Tote gab, ist offiziell nicht bestätigt.

Regierungsvertreter kündigten eine Untersuchung des Vorfalls um die Markthändlerin Wang an. 1.200 Geschäftsleute in der Region wurden zu einem Treffen geladen. Sie sollten ihre Arbeiter von der Teilnahme an Protesten abhalten. "Passen Sie gut auf Ihre Leute auf und behalten Sie Ihre Eingangspforte im Auge", forderten die Regierungsvertreter die Geschäftsleute laut einem Bericht des Wall Street Journal auf.  (asa)


Verwandte Artikel:
Zensur: Skype ist in chinesischen Appstores blockiert   
(22.11.2017, https://glm.io/131281 )
Jobnetzwerk: Russland will App von LinkedIn verbieten   
(09.01.2017, https://glm.io/125474 )
Einstieg von BAIC: Elektroautos von Mercedes-Benz werden in China gebaut   
(27.02.2018, https://glm.io/133011 )
Snet in Kuba: Ein Internet mit Billigroutern und ohne Porno   
(04.01.2018, https://glm.io/131945 )
Tensorflow: Das US-Militär nutzt KI-Systeme von Google   
(07.03.2018, https://glm.io/133194 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/