Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/84147.html    Veröffentlicht: 11.06.2011 09:26    Kurz-URL: https://glm.io/84147

id Softwares Rage angespielt

Tiefstapeln vor der Tobsucht?

Rage - das heißt Zorn, Wut oder Raserei. Am Stand von id Software auf der Spielemesse E3 war davon wenig zu spüren. Stattdessen standen ein paar PCs rum, auf denen Pressevertreter erste Levels anspielen konnten, und ein netter Plausch mit den Entwicklern war auch möglich.

Eigentlich hätte Rage eines der großen Themen auf der E3 sein müssen. Wer sich noch an den Wirbel vor der Veröffentlichung des ersten Quake erinnert, der hat eine Ahnung davon, was die Marketingmaschine von id Software auf die Beine stellen kann. Stattdessen war das Programm auf seltsame Art kaum sichtbar. An der Außenfassade der Messehallen hatte irgendjemand ein paar ausgestopfte Schaufenstermutanten aus dem Actionspiel angebracht, aber das sah eher ärmlich als eklig aus.

Anspielbar war unter anderem der Level, der unter dem Titel Mutant Bash TV bereits als Rail-Shooter für iPhone und iPad erschienen ist. Bis auf das Szenario, eben eine makabre TV-Show, und den Moderator ist die Version für Windows-PC und Konsole vollständig anders aufgebaut: Der Spieler muss nacheinander in Kampfarenen ums Überleben und eine hohe Abschussrate kämpfen. Beispielsweise steht er vor einem gigantischen Glücksspielautomaten, der nacheinander drei Totenköpfe anzeigt, und anschließend "kegelt" das Programm die Mutanten in Richtung des Spielers. Später muss er auf einer Art Schachbrett-Kampffeld agieren, aus dessen Boden alle paar Augenblicke mal hier, mal da dicke Stacheln emporschießen - die treffen mit etwas Glück nicht den Spieler, sondern auch mal seinen jeweiligen Gegner. Der Level war sichtbar liebevoll und mit viel morbidem Humor in Szene gesetzt.

Weitere spielbare Gebiete waren unter anderem ein Teil einer zumindest auf den ersten Blick arg konfus angelegten Stadt, und auch im Buggy konnten Spieler bereits über das Gelände brettern. Nicht alle gezeigten Level waren so abwechslungsreich wie die Pseudo-Fernsehsendung, stellenweise wirkte das Ganze eher solide als spektakulär.

Das gilt auf seltsame Art auch für die Grafik. Rage sieht wahnsinnig stimmig aus, jedes Detail scheint liebevoll handgeklöppelt. Aber auf bombastische Effekte setzt das Programm offenbar nicht, stellenweise wirkt es auch - wohl bewusst - weniger realistisch als etwa ein Battlefield 3, die Grafik sieht stellenweise fast wie mit Öl gemalt aus. Immerhin lief sie auf dem PC extrem flüssig, die Bildwiederholrate dürfte locker 60 Bilder pro Sekunde erreicht haben.

Die KI der Gegner hat in der längst nicht fertigen Version einen soliden Eindruck gemacht, lediglich ein Bossgegner stapfte noch etwas einfallslos durchs Gelände. Nett: Eine Hightech-Armbrust, die Mind-Control-Bomben verschießt. Die davon getroffenen Gegner kann der Spieler kurze Zeit steuern und dann auf Knopfdruck in die Luft jagen.

Der Veröffentlichungstermin von Rage hat sich leicht nach hinten verschoben: Statt im September 2011 soll der Shooter nun am 7. Oktober 2011 für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 erscheinen. Das ändert nichts daran, dass Publisher Bethesda auf der Gamescom im August 2011 in Köln die Werbetrommel für Rage etwas lauter schlägt.  (ps)


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