Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1106/83987.html    Veröffentlicht: 06.06.2011 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/83987

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Forscher entwickeln automatische Gebärdenübersetzung

Eine automatische Gebärdenübersetzung soll gehörlosen Zuschauern in Japan das Fernsehen erleichtern: Ein Avatar soll den Text einer Sendung als Gebärden darstellen. Das System hat jedoch noch Tücken.

Forscher an den Science & Technology Research Laboratories (STRL) des japanischen Fernsehsenders NHK haben in Zusammenarbeit mit Kollegen der Kogakuin-Universität in Tokio ein System entwickelt, das japanischen Text automatisch in japanische Gebärdensprache umwandelt. Ein Avatar gibt die Übersetzung dann aus.

Das System basiert auf der TV Program Making Language (TVML), die am STRL entwickelt wurde. Das ist ein Sprachsynthesesystem für das Fernsehen: Es wird mit einem Text gefüttert, den ein Avatar dann spricht. Vergleichbar gebärdet ein Avatar einen vorgegebenen Text.

Gebärdensprache vor Schrift

Ziel ist, Programme mit Gebärdensprache auszustrahlen. Gedacht sei das System vor allem für Menschen, die von Geburt an gehörlos sind, sagte Naoto Kato vom STRL dem japanischen Nachrichtenangebot Diginfo.tv. Diese lernten zuerst die Gebärdensprache und erst später japanische Schriftsprache. Für sie sei Gebärdensprache deshalb einfacher zu verstehen als Untertitel.

Derzeit beherrsche der Avatar allerdings erst einen eingeschränkten Wortschatz, erklärte Kato. Die Nutzer können allerdings selbst dazu beitragen, das System zu verbessern: Es hat eine Schnittstelle, über die ungenaue oder falsche Übersetzungen korrigiert werden können.

Unterschiedliche Grammatik

Außerdem hätten gehörlose Nutzer kritisiert, dass das System noch nicht so flüssig sei wie ein menschlicher Gebärdenübersetzer, sagte Naoto Kato. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die japanische Gebärdensprache eine andere Grammatik habe als die gesprochene Sprache. Das System muss teilweise die Abfolge der Wörter ändern, um den Satz adäquat zu übersetzen.

Das System soll zunächst bei Nachrichtensondersendungen eingesetzt werden, etwa im Fall einer Katastrophe wie dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami im März. Bei solchen Eilmeldungen ist es oft nicht möglich, auf die Schnelle einen Gebärdenübersetzer zu engagieren. Bei solchen Eilmeldungen werden meist vorgefertigte Sätze verwendet, so dass das System damit keine Probleme hat.  (wp)


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