Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1105/83871.html    Veröffentlicht: 31.05.2011 18:29    Kurz-URL: https://glm.io/83871

Cyberwar

USA will Cyberangriffe zum Kriegsgrund machen

Das US-Verteidigungsministerium will im kommenden Monat eine neue Cyberstrategie einführen. Darin ist vorgesehen, Angriffe über das Internet mit konventionellen Militärschlägen zu beantworten.

Die USA wollen künftig auf Angriffe über das Internet auch mit militärischen Schlägen reagieren: Nach der neuen US-Cyberstrategie könne auch ein Angriff auf Computersysteme des Landes oder Cybersabotage als kriegerischer Akt betrachtet werden, berichtet das Wall Street Journal.

Das US-Verteidigungsministerium wird Teile der neuen Strategie voraussichtlich im kommenden Monat veröffentlichen. Sie stellt den Versuch dar, mit den Bedrohungen aus dem Internet für das Land umzugehen. In einem Positionspapier zum Internet, das die US-Regierung kürzlich veröffentlicht hat, hatte sich diese Entwicklung abgezeichnet.

Tatsächlich versucht das US-Militär, die abschreckende Wirkung seines Militärapparates aus der realen Welt in die virtuelle zu übertragen. "Wenn ihr unser Stromnetz lahmlegt, dann feuern wir vielleicht eine Rakete auf eure Industrieanlagen ab", fasst ein namentlich nicht genannter US-Offizier die Logik in der Zeitung zusammen.

Großbritannien wird offensiv

Unterdessen hat die britische Regierung zugegeben, dass sie ein eigenes Cyberwar-Programm entwickeln lässt, das auch die Möglichkeit für offensive Aktionen im Cyberspace beinhaltet, berichtet die britische Tageszeitung The Guardian. Es ist das erste Mal, dass die britische Regierung die Existenz eines solchen Programms zugibt.

Operationen im Cyberspace würden Teil des Schlachtfelds der Zukunft sein, sagte Nick Harvey, Staatsminister im Verteidigungsministerium, der Zeitung. Entsprechend brauche das britische Militär die Möglichkeit, auch offensive Operationen durchführen zu können. Das dafür nötige Instrumentarium werde derzeit entwickelt.

Für Harvey ist das ein logischer Schritt: Der Cyberspace sei zwar ein neuer Bereich, aber dort gelten die gleichen Regeln und die gleiche Logik wie in den anderen Bereichen auch. "Ich glaube nicht, dass die Existenz eines neuen Bereiches an sich uns offensiver macht, als wir es in anderen Bereichen sind. Die gesetzlichen Regeln, an die wir gebunden sind, sind durchdacht und etabliert", sagte er der Zeitung.

China gibt Existenz von Hackertruppe zu

Großbritannien ist nicht das einzige Land, das eine Cyberwar-Truppe unterhält. Die USA etwa haben 2009 die Kommandostelle Cybercom eingerichtet. China hat in der vergangenen Woche erstmals zugegeben, eine eigene Cybertruppe, die Blaue Armee, zu unterhalten. Diese sei aber rein defensiv ausgerichtet, beteuerte die Armeeführung.

Auch die Bundeswehr hat eine Einheit für den Krieg im Netz. Diese soll durchaus auch offensiv tätig werden. Auch die militärische Führung in den USA fordert eine Einheit, die möglicherweise auch offensiv tätig werden soll. Experten hingegen raten dazu, sich auf die Verteidigung der eigenen Systeme zu beschränken.  (wp)


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