Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1105/83640.html    Veröffentlicht: 20.05.2011 15:10    Kurz-URL: https://glm.io/83640

Lingodroid

Australische Roboter entwickeln ihre eigene Sprache

Lingodroids heißen in Australien entwickelte Roboter, die sich mit Sprache verständigen. Allerdings nicht in einer für Menschen verständlichen: Sie haben eine eigene entwickelt.

Roboter nutzen zur Kommunikation normalerweise andere Mittel als der Mensch - was auch ein Problem in der Interaktion zwischen Mensch und Maschine darstellt. Wissenschaftler in Australien haben Roboter entwickelt, die sich durch Sprache verständigen. Allerdings nicht unbedingt mit Wörtern, die der Mensch versteht.

Erfundene Wörter

Lingodroids haben die Wissenschaftler von der Universität des australischen Bundesstaates Queensland und der Queensland University of Technology, beide in Brisbane, um Ruth Schulz die Roboter getauft. Diese kommunizieren, wie der Name nahelegt, mit Sprache. Das macht allerdings die Kommunikation mit ihnen nicht unbedingt einfacher: Sie erfinden sich ihre Wörter nämlich selbst.

Die Lingodroids bestehen aus einer Plattform mit Rädern zur Fortbewegung. Dazu sind sie mit einer Kamera, einem Laserentfernungsmesser und einem Sonar zur Hinderniserkennung und zur Kartierung ausgestattet. Um mit einem anderen Lingodroid sprechen zu können, verfügt der Roboter über Lautsprecher und ein Mikrofon.

Orte benennen

Eine Lingodroid fährt nun beispielsweise durch einen Raum und legt dabei eine kognitive Karte davon an. Bestimmte Plätze in dem Raum benennt er mit einer beliebigen Silbe. In einem Versuch von Schulz etwa bezeichnete ein Lingodroid die Mitte des Raumes als Jaya. Diesen Begriff teilt er dem anderen mit und so legen sie fest, dass die Mitte des Raumes Jaya heißt.

Wo-sind-wir-Spiel nennen das die Wissenschaftler. Die Roboter spielen es, um ein Toponym-Lexikon anzulegen, also eine Liste mit Ortsnamen. Auf diese Weise geben die Roboter ihrer Umgebung Namen. Um diese Begriffe zu testen, spielen sie dann Gehe-zu-Spiele: Ein Roboter sagt etwa Jaya, und beide fahren in die Mitte des Raumes. So verfestigen sie die Verbindung von Ort und Namen.

Begriffe für Entfernung und Richtung

Im nächsten Schritt entwickelten die Roboter Begriffe für Entfernung und Richtung, so dass sie die Zonen, die sie benannt hatten, auch räumlich eingrenzen konnten. Das ermöglicht es ihnen, Aussagen zu treffen wie "Kuzo ist nahe bei Reya" oder "Ich bin gerade bei Kuzo und schaue nach Pize, also ist Reya rechts von mir" - wobei sie für nahe bei und rechts eigene Begriffe entwickelt haben. Auf Basis dieses Austauschs erstellten die Roboter recht genaue und übereinstimmende Karten des Raumes sowie angrenzender Räume.

Schulz und ihre Kollegen haben ihre Arbeit in der vergangenen Woche auf der International Conference on Robotics and Automation (Icra) in Schanghai vorgestellt.  (wp)


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