Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1105/83556.html    Veröffentlicht: 17.05.2011 18:22    Kurz-URL: https://glm.io/83556

Cyberkriminalität

Betrug mit Vorkasse in rund 100.000 Fällen

Betrug, DoS-Attacken und Missbrauch von Firmendaten - eine nun vom LKA Bayern und anderen Behörden ausgehobene Bande schreckte vor kaum einer Masche zurück. Das Ziel war stets der Verkauf von Waren, die nie geliefert wurden.

Einer Mitteilung des LKA Bayern zufolge haben zwölf nun festgenommene Verdächtige aus Deutschland sowie ein Österreicher seit Jahren ihr Unwesen mit der immer gleichen Masche getrieben: In professionell aussehenden Webshops boten sie Waren gegen Vorkasse an, die nie geliefert wurden. Besonders günstige Preise waren das wichtigste Lockmittel.

Damit die Geschädigten darauf hereinfielen, wurde auf vielen Wegen Seriosität vorgespielt. So sollte unter anderem die Vorkasse-Zahlung auf deutsche Konten erfolgen. Die gehörten jedoch Dritten, welche die Betrüger mit dem Versprechen von hohen Verdiensten in einem vermeintlichen Nebenjob hereingelegt hatten. Diese Finanzagenten, die sich dabei unter Umständen wegen Geldwäsche selbst strafbar gemacht haben, gaben laut den Behörden teilweise auch ihre Zugangsdaten zu den Konten preis.

Bei den Onlineshops selbst verwendeten die Beschuldigten teilweise die Daten echter Firmen, die sie oft nur leicht abwandelten. Ein Betreiber eines seriösen Angebots brachte die Ermittler so auch auf die Spur, weil die Betrüger für die inzwischen nicht mehr aktive Domain "ja-kaufen.com" seine Daten verwendet hatten. Das war im September 2009.

Seitdem wurde ermittelt, was sich als schwierig herausstellte: Die Verdächtigen kommunizierten dem LKA zufolge "in verschlüsselten Chats in Kombination mit Anonymisierungssoftware und versteckten sich in sogenannten Bot-Netzen". Die gekaperten Rechner der Botnetze sollen sie unter anderem zum Versenden von E-Mails genutzt haben.

DoS-Attacken auf Kritiker

Um die immer neuen Webshops möglichst lange am Leben zu halten, sollen die Täter sogar eigene Bewertungsplattformen für den Onlinehandel wie "shopauskunft.net" geschaffen haben, für die sie von der seriösen Seite "shopauskunft.de" Inhalte kopierten. Andere Foren, in denen die Machenschaften von geprellten Kunden diskutiert wurden, sollen auch mit DoS-Angriffen sabotiert worden sein.

Insgesamt gehen die Behörden inzwischen von 100.000 Geschädigten durch Vorkassebetrug sowie 1.000 Finanzagenten aus, wobei es sich aber noch um Schätzungen handelt. Der entstandene Schaden soll mehrere Millionen Euro betragen. Verhaftet wurden nach einer konzertierten Aktion am 11. Mai 2011 bei 29 Durchsuchungen neun Personen, darunter sollen sich die Drahtzieher der Bande befinden.

Einige der Webshops, die dem kriminellen Netzwerk zugeordnet werden, sind dem Landeskriminalamt zufolge noch online, in ihnen sollte keinesfalls bestellt werden. Es handelt sich um die Adressen "usa-auto-kaufen.de, luxus-ferienhaus24.de" und "af-import-autohaus.de".  (nie)


Verwandte Artikel:
Razzia wegen Kinderporno-Versand per Handy   
(04.12.2006, https://glm.io/49255 )
Europa und USA wollen gemeinsam Cyberkriminalität bekämpfen   
(30.06.2009, https://glm.io/68081 )
Betrug: Cuphead-Klon schafft es in den App Store   
(19.12.2017, https://glm.io/131751 )
Smominru: Riesiges Botnetz missbraucht Windows-Server für Kryptomining   
(05.02.2018, https://glm.io/132595 )
Cisco: Kritische Lücke im VPN ermöglicht DoS-Angriffe auf Switches   
(30.01.2018, https://glm.io/132470 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/