Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1105/83542.html    Veröffentlicht: 17.05.2011 11:59    Kurz-URL: https://glm.io/83542

Geminoid-DK

Henrik Schärfe stellt sein robotisches Alter Ego vor

Der dänische Wissenschaftler Henrik Schärfe hat von dem japanischen Robotiker Hiroshi Ishiguro ein robotisches Porträt anfertigen lassen. Schärfe will mit dem Geminoid-DK die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter erforschen.

Er ist der dritte humanoide Roboter des Japaners Hiroshi Ishiguro und das erste robotische Alter Ego einer Langnase: Geminoid-DK ist ein robotisches Porträt des dänischen Wissenschaftlers Henrik Schärfe von der Universität in Aalborg.

Geminoid-DK ist eine genaue Kopie Schärfes. Wie die anderen Geminoids kann auch er Kopf und Gesicht bewegen. Er verfügt über ein Mienenspiel und kann sprechen. Gesteuert wird der Roboter von einem Menschen. Der sitzt vor einem Computer mit einer Kamera und einem Mikrofon. Er spricht in den Computer, der Sprache und Bewegungen aufnimmt und auf den Roboter überträgt.

Der Roboter ist kürzlich in Dänemark eingetroffen und wurde jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dem Geminoid-DK will Schärfe die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter erforschen. Dafür hat er an der Aalborger Universität eigens das Geminoid Lab eingerichtet.

Kulturelle Unterschiede

Dabei wird es auch um die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Robotern gehen. So scheinen viele Japaner und Südkoreaner im Umgang Robotern gegenüber aufgeschlossener zu sein als die Europäer. Möglicherweise werden sich die Dänen auch mit dem sogenannten Uncanny Valley (auf Deutsch etwa: unheimliches Tal) beschäftigen. Diese Theorie besagt, dass Menschen künstliche Figuren ablehnen, wenn sie ein allzu menschliches Aussehen oder Verhalten zeigen. Die Figuren können Roboter sein, aber auch Avatare oder Trickfiguren.

Das Tal bezeichnet dabei den Einbruch in einer Kurve, die die Akzeptanz nichtmenschlicher Wesen beschreibt. Wenn aus abstrakten Produktionsmaschinen humanoide Roboter mit menschlichen Attributen werden, wird die Akzeptanz zunächst größer. Wenn die Figur das menschliche Verhalten und Bewegungen jedoch allzu sehr imitiert, erzeugt das Unbehagen oder vehemente Ablehnung. Die Akzeptanzkurve bricht jäh ein - das Uncanny Valley.

Ishiguro leugnet das unheimliche Tal

Ishiguro selbst setzt sich mit seinen Kreationen über dieses Phänomen hinweg. Geminoid-DK ist der dritte von ihm geschaffene Roboter, der nach einem Menschen modelliert ist: Der erste war der Geminoid HI-1, den Ishiguro im Jahr 2006 nach seinem eigenen Abbild gebaut hat. 2010 stellte der Robotiker Geminoid-F vor, für den eine junge Japanerin Modell saß.

Ebenfalls 2010 präsentierte Ishiguro den Telenoid R1, der als Telepräsenzroboter eingesetzt werden soll. Der unheimliche Roboter hat keine Beine, zwei Stummelarme und ein Gesicht, in dem Mund und Nase nur angedeutet sind. Das wenig modellierte Gesicht soll laut Ishiguro zur Projektionsfläche werden, auf der sich der Nutzer, wenn er mit dem Telenoid spricht, das Gesicht des Gesprächspartners vorstellt. Eine Miniausführung des Telenoid, der Elfoid, soll nach den Vorstellungen des Robotikers sogar künftig das Mobiltelefon ersetzen.  (wp)


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