Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1105/83441.html    Veröffentlicht: 12.05.2011 14:36    Kurz-URL: https://glm.io/83441

PCMark 7 im Test

Benchmark mit realen Anwendungsprofilen

Mit leichter Verzögerung hat Futuremark den neuen PCMark 7 zum Download freigegeben. Mit 25 Einzeltests lässt sich damit die Gesamtleistung eines Rechners bewerten. Vor allem die Tests von Speichermedien wurden gründlich überarbeitet.

Wie frühere PCMarks und auch der Grafikkartenbenchmark 3DMark ist PCMark 7 ein synthetischer Test: Er arbeitet nicht mit dem Code von weit verbreiteten Anwendungen. Das hat jedoch einen großen Vorteil: Der Test kann ohne Abhängigkeiten von Patches jahrelang unverändert bleiben, die Ergebnisse sind immer vergleichbar.

Um jedoch nahe am Praxiseinsatz zu bleiben, hat Futuremark untersucht, wie echte Programme mit der Hardware umgehen. Dafür kamen beispielsweise World of Warcraft oder Windows Media Center zum Einsatz. Die Operationen dieser Anwendungen wurden aufgezeichnet, der Benchmark bildet sie mit gleichem Timing und gleichen Datei- und Blockgrößen nach.

Die dabei entstehenden Bildschirmdarstellungen, wie den Start von WoW, kann das Programm nicht anzeigen, weil dafür die nötigen Lizenzen fehlen. So bleibt insbesondere bei den Tests von Speichermedien oft nur ein sich langsam bewegender Fortschrittsbalken die einzige Anzeige von PCMark 7.

Viel schneller als frühere Ausgaben ist das Programm ohnehin nicht geworden: Der am häufigsten benötigte Test "Overall" benötigt auch auf schnellen Systemen mit Quad-Core-Prozessor und SSD rund eine Viertelstunde. Ein irrtümlicher Klick auf ein anderes Fenster oder das Aufrufen des Task-Managers aus dem Systembereich von Windows 7 führt nun aber, anders als bei PC Mark Vantage, nicht mehr zum sofortigen Abbruch des Tests. Reproduzierbare Ergebnisse sind aber, wie bei allen Benchmarks, nur ohne Bedienung des Rechners während eines Tests zu erzielen.

Kein DirectX-11, aber neue Speichertests

Bei den Tests für die Leistung mit Spielen hat Futuremark kaum etwas verändert, sie basieren weiterhin auf Szenen aus älteren Versionen des Programms 3DMark. Dabei werden wahlweise DirectX-9 oder DirectX-10 genutzt. Das aktuelle DirectX-11 verwendet PCMark 7 nicht, was eine Schwäche des Benchmarks ist. Das verwundert insbesondere, weil auch World of Warcraft inzwischen DirectX-11 nutzt. Ein Profil dieses Spiels verwendete der Benchmark aber nur für die Storage-Tests, nicht für die Bewertung der Grafikleistung.

Überhaupt wurden die Tests von Speichermedien gründlich überarbeitet, es stehen nun sieben verschiedene auch als "Workloads" bezeichnete Einzeltests zur Verfügung. Sie prüfen unter anderem das Tempo beim Virenscan mit Windows Defender, beim Importieren von Musikstücken in die Datenbank des Windows Media Player und das gleichzeitige Aufnehmen und Abspielen von Videos im Media Center.

Bei diesen Storage-Tests ist zu beachten, dass sie - wie schon bei PC Mark Vantage - auf Systemen mit selbstlernenden Caches erst nach mehreren Durchläufen reproduzierbare Ergebnisse liefern. So kam eines unserer Testsysteme mit Seagates Hybridfestplatte Momentus XT im ersten Durchgang auf 1.653 Punkte, dann auf 2.337 Punkte, und steigerte sich nach 2.393 Punkten im dritten Durchlauf nicht weiter.

Für schwächere Rechner wie Netbooks und Tablets bietet der neue Benchmark auch einen schnelleren und mit weniger großen Daten operierenden "Lightweight"-Test an. Dieser ist dann sogar mit Windows Vista durchführbar, wohingegen alle anderen Tests sich nur mit Windows 7 durchführen lassen. Die Trennung zwischen einer 32- und 64-Bit-Version des Tests selbst hat Futuremark aufgegeben, das Programm verwendet je nach installiertem Betriebssystem die passenden Routinen.

PCMark 7 gibt es in drei Versionen: Die "Basic Edition", die bei beliebig vielen Durchläufen nur den Gesamtwert ausgibt, bleibt kostenlos, die "Advanced Edition", die auch Einzeltests erlaubt, kostet 39,95 US-Dollar. Der kommerzielle Einsatz ist erst mit der "Professional Edition" für 995 US-Dollar zulässig. Diese Ausgabe kann zudem über die Kommandozeile automatisiert werden.

Fazit

Bis auf das Fehlen von DirectX-11-Tests wirkt PCMark 7 gelungen. Die in einem Whitepaper (PDF) veröffentlichten Anwendungsprofile, auf denen die Tests basieren, sorgen für mehr Transparenz. Ein Highlight sind die umfangreichen Storage-Tests, die auch von vielen Hardwareherstellern seit PCMark Vantage gerne zitiert werden und nun SSDs gerecht werden. Eigene Messungen der Storage-Suite alleine erlaubt aber nur die kostenpflichtige Version.

Für eigene Versuche hier zum Vergleich die Overall-Scores von drei Systemen aus der Golem-Redaktion mit Windows 7 Ultimate x64 bei 1.920 x 1.080 Pixeln, wie sie auch mit der kostenlosen Basic Edition messbar sind: Ein Core i7-860 mit 12 GByte RAM, Radeon HD 6950 und Seagates Momentus XT kam auf 3.088 Punkte. Ein Core i7-975 mit 6 GByte, Radeon HD 6990 und Intels SSD X-25M der ersten Generation erreichte 4.078 Punkte. Der schnellste Rechner war ein Core i7-2600 mit 8 GByte RAM, Geforce GTX 570 und der SSD Vertex-2 von OCZ, dieses System kam auf 4.404 Punkte.  (nie)


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