Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1104/82984.html    Veröffentlicht: 21.04.2011 16:00    Kurz-URL: https://glm.io/82984

René Obermann

Telekom streicht Ziele beim Glasfaserausbau zusammen

Überraschend hat Deutsche-Telekom-Chef René Obermann die Zielvorgaben beim FTTH-Ausbau massiv gesenkt. Schuld seien die Regulierung und die mangelnde Nachfrage durch den Endkunden.

Der Chef der Deutschen Telekom, René Obermann, hat gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angekündigt, die Ziele beim FTTH-Ausbau massiv zurückzufahren. Statt bisher 4 Millionen will die Telekom nun bis Jahresende nur noch 160.000 Haushalte anschließen.

Am 17. März 2010 hatte die Telekom erklärt, bis Ende 2012 zehn Prozent aller 40 Millionen Haushalte direkt mit Glasfaser ausstatten zu wollen. Dabei setzt der Konzern im Wesentlichen auf FTTH und auch auf Fibre-To-The-Building (FTTB).

Probleme mit der Regulierung seien ein Grund für den Rückzug von den Ausbauplänen. "Mit den noch immer bestehenden Unsicherheiten sind die alten Höchstziele schwieriger abzubilden", sagte Obermann. Im nächsten Jahr sollen aber weitere hunderttausend Haushalte FTTH-Zugänge bekommen. "Wir wollen in die Glasfaser investieren, um langfristig gegen die Kabelnetzbetreiber das beste Gesamtangebot zu haben." Ein flächendeckender Glasfaserausbau könne jedoch nicht "von heute auf morgen" erfolgen. "Dazu fehlt es an Marktnachfragen, Anwendungen und auch noch an der Preisbereitschaft für solch hohe Leistungen."

In 602.000 Haushalten oder Gebäuden in Deutschland lag Ende 2010 Glasfaser. Doch nur 25 Prozent der Versorgten wollten oder konnten für FTTH/B auch zahlen. Die Telekom schloss eine Million VDSL-Verträge ab, verfügbar war ihr Fibre-To-The-Node für zehn Millionen. Das geht aus Angaben aus Kreisen von Netzwerkausrüstern vom Februar 2011 hervor, die Golem.de vorliegen. Danach hatten regionale Glasfasernetzbetreiber bis zum Jahresende 2010 zwar 602.000 Haushalte oder Gebäude mit Glasfaseranschlüssen versorgt, aber nur 151.500 zahlende Kunden gefunden. 40 Prozent dieser Glasfaseranschlüsse basierten auf FTTH, 60 Prozent hatten eine FTTB-Architektur.  (asa)


Verwandte Artikel:
René Obermann: Telekom-Chef rüttelt an der Netzneutralität   
(18.11.2010, https://glm.io/79498 )
Telekom-Chef: "Sorry! Da ist mir der Gaul durchgegangen"   
(23.02.2018, https://glm.io/132962 )
Stream On: Telekom klagt per Eilverfahren gegen Bundesnetzagentur   
(07.03.2018, https://glm.io/133183 )
Deutsche Telekom: Smartphone-Tarif mit echter Datenflatrate kostet 80 Euro   
(06.03.2018, https://glm.io/133165 )
Glasfaser: M-net schließt weitere 75.000 Haushalte an   
(22.02.2018, https://glm.io/132942 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/