Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1104/82964.html    Veröffentlicht: 21.04.2011 14:55    Kurz-URL: https://glm.io/82964

Test Xperia Play

Keine Konsole für die Hosentasche

Sony Ericsson nennt es Xperia Play, die meisten Spieler sagen schlicht "Playstation Phone": Das Smartphone auf Basis von Android bietet einen integrierten Controller für Games - was für Spielspaß sorgt, aber langfristig sogar ein Problem für die Akzeptanz des Geräts sein könnte.

Auf den ersten Blick wirkt das Xperia Play wie ein etwas pummelig geratenes Business-Smartphone. Wer das Gerät von Sony Ericsson dann aufschiebt, sieht aber im unteren Teil keine Tastatur. Stattdessen befindet sich dort ein Gamepad, dessen Tasten und Layout dezent an die Controller der Playstation und der Playstation Portable erinnern.

Obwohl das Xperia Play seit seiner frühen Ankündigung unter der Bezeichnung "Playstation Phone" im Fokus des Spielerinteresses stand und sogar der ein oder andere Mobilfunkbetreiber den Namen in offiziellem Material verwendet hat: Mit der echten Playstation-Familie will das Xperia nur bedingt zu tun haben. Lediglich auf der Verpackung steht "Playstation Certified", ansonsten tauchen weder Schriftzug noch Logo der Konsole auf dem Smartphone auf.

Spiele, Spiele und Spiele

Auf dem Xperia Play laufen grundsätzlich drei Arten von Games: Das eine sind die ganz normalen Programme aus dem Android Market, etwa Angry Birds. Das zweite sind speziell an die Steuerung angepasste Android-Spiele, die im Hauptmenü unter dem Symbol mit der Beschriftung "Xperia Play" zu finden sind. Vier Titel liefert Sony Ericsson gleich mit, nämlich Fifa 10, Die Sims 3, Star Battallion HD und das Prügelspiel Bruce Lee: Dragon Warrior. Deren Grafikqualität schwankt etwas: So sieht Fifa 10 überraschend schwach und pixelig aus, während Die Sims 3 sehr gelungen scheint. Rund 50 weitere Spiele gibt es im Shop zum Runterladen, darunter mobile Versionen von Worms oder Assassin's Creed; einige sind kostenlos, andere kosten bis zu 10 Euro.

Unter dem Menüpunkt "Playstation" gibt es außerdem Spiele, die ursprünglich für die erste Playstation veröffentlicht wurden, und die - anders als sonst bei Emulatoren - an die Steuerungsmöglichkeiten des Xperia Play angepasst sind. Der Jump-and-Run-Klassiker Crash Bandicoot liegt gleich bei, im Playstation-Pocket-Store gibt es außerdem für knapp 5 Euro eine Handvoll weiterer Titel wie Medi Evil, Syphon Filter und Destruction Derby; mehr Umsetzungen sollen folgen. Sony will, dass Dritthersteller die Spielefunktionalität auch in eigene Smartphones einbauen - statt konkreter Ankündigungen gibt es hierzu aber bislang nur Gerüchte.

Möglichkeiten der Steuerung

Je nachdem, um was für ein Spiel es sich handelt, erfolgt die Steuerung über das Touchpad. Oder eben über die speziellen Eingabetasten und -felder, wie sie in ähnlicher Form von der Playstation bekannt sind. Am Xperia Play wurden die klassischen Dual Analog Sticks durch zwei Touch Slider emuliert - was in der Praxis nicht so gut ist wie das Original. Aber auch schnelle Bewegungen oder Drehungen lassen sich damit gut ausführen. Außerdem gibt es vier Richtungstasten, die mit Symbolen belegten vier Tasten von der Playstation und auch deren "Select"- und "Start"-Tasten. Zwei Schultertasten hinter dem Display hat Sony ebenfalls spendiert - die sind aber, insbesondere für größere Hände, nur schwierig zu erreichen. Alle Tasten wirken hochwertig und verfügen über angenehm spürbare Druckpunkte.

Bildschirm mit Multitouch

Das tadellos verarbeitete Xperia Play verfügt über einen 4 Zoll großen kapazitiven Touchscreen mit einer Auflösung von 854 x 480 Pixeln, der Multitouch beherrscht. Die Bildqualität ist gut, allerdings zieht die Grafik bei schneller Bildfolge manchmal nach. Im Innern des Geräts arbeitet ein Snapdragon-Prozessor von Qualcomm mit einer Taktrate von 1 GHz, um die Grafikausgabe kümmert sich die Adreno-205-GPU von Qualcomm. GPS, WLAN, UMTS, Bluetooth sowie die gängigen Helligkeits-, Lage- und Beschleunigungssensoren sind ebenfalls vorhanden. Das Smartphone verfügt über eine 5-Megapixel-Kamera, die recht anständige Bilder und Videos liefert. Der Mediaplayer beherrscht relevante Formate, auch MP3, Wav, Midi, MPEG 5 und H.264.

Als Betriebssystem kommt Android 2.3.2 (Gingerbread) zum Einsatz, darüber hat Sony eine eigene Oberfläche installiert, die der Spieler weitgehend seinen Vorstellungen anpassen kann. Gleich beim Einrichten fragt das Xperia Play den Nutzer nach den Accountdaten von Facebook und Twitter, die dann sehr prominent im Hauptmenü angezeigt werden. Das Gerät verfügt über 512 MByte Arbeitsspeicher und eine 8 GByte große Micro-SD-Karte, die bis auf 32 GByte erweiterbar ist. Es wiegt mit rund 180 Gramm recht viel und passt mit einer Größe von 62 x 119 x 16 mm nicht mehr ganz problemlos in enge Hosentaschen. Die Laufzeit des auswechselbaren Akkus liegt bei rund vier bis fünf Stunden beim Spielen und laut Sony Ericsson bei 16 Tagen im Standbymodus. Die Sprachqualität bei Telefonaten macht im Alltag einen guten Eindruck, allerdings muss der Nutzer ein bisschen aufpassen, das Smartphone im richtigen Winkel ans Ohr zu halten - sonst ist schlicht fast nichts zu hören.

Im Lieferumfang enthalten sind zwei Kabel für den Anschluss an USB-Schnittstellen, je ein USB-kompatibler Stecker für Steckdose und Zigarettenanzünder sowie eine etwas labberige Kunstlederhülle; Kopfhörer liegen nicht bei. Das Xperia Play ist in einer schwarzen und einer weißen Fassung im Handel ohne Vertrag für rund 500 Euro erhältlich. Mit Vertrag kann man das Smartphone auch schon für 1 Euro beim Provider mitnehmen.

Fazit

Das Xperia Play ist ein gelungenes Android-Smartphone. Dank der vielfältigen und guten Eingabemöglichkeiten machen die speziell angepassten Spiele viel Spaß, und auch mit dem riesigen Angebot an Android-Titeln kommt das Gerät selbstverständlich klar. Trotzdem lässt es wohl bei keinem engagierten Spieler das Herz so richtig hoch schlagen - auch nicht bei Fans der Playstation. Für diese Zielgruppe gibt es bislang zu wenig Spiele, bei denen die Steuerung echte Vorteile bringt, für sie sind Grafik und Display kein Hingucker, und auch in Sachen Verzahnung mit PS3 und PSP wären heutzutage ganz andere Sachen möglich gewesen.

Ein bisschen erinnert dieser Versuch von Sony Ericsson, einen eigenen Standard für mobiles Gaming zu etablieren, an die jahrelangen und schließlich erfolglosen Bemühungen von Nokia mit dem Ngage. Denn ob es tatsächlich eine breite Unterstützung durch Dritthersteller gibt, ist zweifelhaft. Und damit besteht die Gefahr, dass Käufer des Xperia Play beim Nachschub mit speziell angepassten Spielen irgendwann auf dem Trockenen sitzen. Unter dem Strich ein interessantes Gerät, bei dem aber nur sehr überzeugte Unterwegsspieler zugreifen sollten.  (ps)


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