Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1104/82832.html    Veröffentlicht: 15.04.2011 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/82832

Mitchell Baker

Mozilla will Apps mit offenem Web verbinden

Mozilla hat hehre Ziele für die kommenden zwölf Monate: In den Bereichen Mobile, Apps und Identität sollten Lösungen zum Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft gefunden werden, sagt die Präsidentin der Mozilla Foundation im Gespräch mit Golem.de.

Mozillas Grundprinzip ist Offenheit. Jeder solle wählen können, welche Produkte er benutzen will, sagt Mitchell Baker, Präsidentin der Mozilla Foundation im Gespräch mit Golem.de. Und Mozilla gehe sogar noch einen Schritt weiter: Als gemeinnützige Organisation strebe es nicht nach Gewinn, könne also Produkte entwickeln, die gut für den Einzelnen und gut für die Gesellschaft als Ganzes seien. Umgesetzt werden solle dieses Konzept in den kommenden zwölf Monaten vor allem in den Bereichen Mobile, Apps und "Identität" sowie mit dem sozialen Projekt Drumbeat. Nach der Veröffentlichung von Firefox 4 für Android solle der nächste, schwierigere Schritt folgen: die vor allem auf Smartphones populären Apps mit dem offenen Web zusammenzubringen.

Auf den ersten Blick scheine es vielen sinnvoll, ein geschlossenes System zu bauen, bei dem etwas oder jemand im Zentrum steht und das System kontrolliert, erklärt Baker. Langfristig aber sei das ein Rezept dafür, sich für Missbrauch angreifbar zu machen. Daher gehe es Mozilla zum Beispiel darum, die Wahlfreiheit und Plattformunabhängigkeit des Web auf Apps zu übertragen, so dass sie auf jedem Gerät zur Verfügung stehen. Der Ansatz steht im Kontrast zu Apples geschlossenem Modell, doch Baker sieht keinen Grund, warum Apps und Web nicht zusammenpassen sollten.

Basis für Innovationen

Wie das gehen kann, zeigt Mozilla mit dem Projekt "Open Web Apps". Dabei soll explizit kein großer, geschlossener App-Store entstehen, der mit Apples App Store konkurriert oder wie dieser aussieht. Mozilla will eine Basis für die Entwicklung von Innovationen schaffen. So soll es viele verschiedene App-Stores geben: kleine spezialisierte und große mit umfangreichem Angebot. Mozilla will für gute User Experience sorgen, nicht aber die Beziehung zum Kunden kontrollieren.

Das dritte große Thema, an dem Mozilla derzeit arbeitet, umreißt Baker mit dem Schlagwort "Identität". Es sei im Onlineleben notwendig, sich auszuweisen, klarzumachen: "Das bin ich", sagt sie - das beginne schon beim Einloggen in eine Website. In Zukunft solle diese Identität aber nicht mehr an eine Applikation geknüpft sein. Menschen sollten wählen können, ob Facebook ihr zentraler Identitätsprovider bleiben solle, oder sie einen anderen nutzen wollten, um beispielsweise gegenüber offiziellen Regierungsstellen, der Krankenkasse oder der Bank mit einer anderen Identität aufzutreten. Mozilla arbeite deshalb an einer Art virtuellem Ausweis.

Mit Drumbeat will Mozilla soziale Fragestellungen angehen

Während Mozilla mit Firefox und Thunderbird daran arbeitet, eine technische Infrastruktur für das offene Web zu schaffen, soll sich das vor gut einem Jahr gestartete Projekt Drumbeat sozialer Fragestellungen annehmen und dabei auf Mittel zurückgreifen, die sich im Internet bewährt haben. In diesem Jahr geht es um Medien und Journalismus. Im vergangenen Jahr hatte das Thema Bildung im Fokus gestanden.

Viele Leute hätten sich beispielsweise mit dem Thema Open Education beschäftigt, sich dabei aber sehr allein gefühlt, erklärt Baker. Im vergangenen Jahr sei es im Rahmen von Drumbeat gelungen, einige dieser Menschen zusammenzubringen. Mit der Hilfe einiger technisch versierter Mitstreiter habe man große Fortschritte erzielt.

Das Web steht im Mittelpunkt aller Projekte von Mozilla, mit Firefox als dem wichtigsten und effektivsten Werkzeug. Daher sieht Baker trotz vieler neuer Projekte keine Gefahr, dass sich Mozilla verzettelt.  (ji)


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