Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1104/82662.html    Veröffentlicht: 08.04.2011 14:27    Kurz-URL: https://glm.io/82662

Elon Musk

Top Gear ist authentisch wie Milli Vanilli

Tesla-Motors-Chef Elon Musk hat der BBC-Sendung Top Gear vorgeworfen, die Folge über den Tesla Roadster erfunden zu haben. Sie sei so authentisch wie die Konzerte der Playbackband Milli-Vanilli gewesen.

Im Streit mit der BBC hat Elon Musk nachgelegt: Die Darstellung des Elektrosportwagen Tesla Roadster bei Top Gear sei "komplett erfunden" gewesen, sagte der Tesla-Motors-Chef in einem Interview mit der US-Tageszeitung Detroit News. Der US-Hersteller von Elektroautos hat die Autosendung des britischen Fernsehsenders BBC verklagt, weil diese böswillig Unwahrheiten über den Tesla Roadster verbreitet haben soll.

Liegengeblieben

Der Streit dreht sich um eine Top-Gear-Folge aus dem Jahr 2008: Darin hatte Top Gear den Tesla Roadster getestet. Dafür ließen die Briten den Elektrosportwagen gegen einen Lotus Elise antreten, der die Basis für das Elektroauto bildet. Im Rennen rollte der Tesla Roadster wegen eines angeblich leeren Akkus aus.

Tesla bat die BBC um eine Korrektur ihrer Darstellung und verlangte, dass diese Folge nicht mehr ausgestrahlt wird. Die BBC habe sich zwar dafür entschuldigt, erklärte Musk, die Folge werde aber weiterhin verbreitet. Für das Unternehmen sei das ein großer Schaden gewesen, erzählt Musk: Bei Gesprächen vor dem Börsengang im vergangenen Jahr sei Tesla ständig gefragt worden, weshalb das Auto in dem Top-Gear-Test liegengeblieben sei.

Drehbuch des Scheiterns

Es habe ein Drehbuch für die Sendung gegeben, nach dem das Autos liegenbleiben sollte. Das sei einem seiner Mitarbeiter in die Hände gefallen, noch bevor Top Gear den Tesla Roadster überhaupt getestet habe, sagte Musk. Tesla hatte Top Gear für die Sendung zwei Autos zur Verfügung gestellt. Als das Unternehmen die Autos zurückbekam, waren die Akkus beider Autos nach Angaben von Tesla noch zu 20 Prozent geladen.

"Das Grundproblem bei Top Gear ist, dass die Show so authentisch war wie ein Milli-Vanilli-Konzert", sagte Musk. Die meisten Zuschauer wüssten das aber nicht. Milli Vanilli war ein zunächst gefeiertes deutsches Sängerduo, das 1990 mit dem Grammy Award als bester neuer Künstler ausgezeichnet wurde. Fab Morvan und Rob Pilatus hatten jedoch nur getanzt. Der Gesangspart, der von anderen Musikern stammte, war vom Band eingespielt worden. Der Schwindel flog auf, als es bei einem Konzert Probleme mit dem Playback gab.

Keine Vorverurteilung

Andy Wilman, der Produzent der Sendung, wies den Vorwurf einer Vorverurteilung des Autos im Top-Gear-Blog Transmission zurück. Es habe zwar ein Drehbuch gegeben, das sei aber nicht ungewöhnlich und habe nichts mit einer Vorverurteilung zu tun.

"Die Wahrheit ist, dass 'Top Gear' das Auto schon vor den Filmaufnahmen gefahren hatte, um sich vorab ein Bild machen zu können", schreibt Wilman. Top Gears harsches Urteil betreffe auch nicht die Leistung des Tesla Roadster, sondern die Tatsache, dass dieser viel teurer sei als der Lotus Elise, auf dem er basiert, und dass die langen Ladezeiten ein unbeschwertes Sportwagenerlebnis schmälerten. "Diesen Schluss kann man ziehen, ohne das Auto gefahren zu haben. Als es dann auf den Test auf der Strecke ging, waren wir voll des Lobes über die Leistung und sein Fahrverhalten."  (wp)


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