Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/82445.html    Veröffentlicht: 30.03.2011 13:31    Kurz-URL: https://glm.io/82445

Erdbeben in Japan

Netzaktivisten planen unabhängige Strahlungsmessungen

Täglich gibt es teils widersprüchliche Meldungen zur Strahlenbelastung durch die Atomruine in Fukushima - auch, weil es keine öffentlich einsehbaren Daten der japanischen Regierung gibt. Einige Onlineprojekte wollen das ändern.

Das Projekt geigercrowd ist eines der ambitioniertesten Vorhaben für unabhängige Strahlungsmessungen in Japan. Das Ziel soll eine Karte wie die des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) sein, wie Technology Review berichtet. Dazu sucht der Berliner IT-Experte Michael 'Nibbler' Horn noch Mitstreiter.

Zahlreiche Kontakte nach Japan sind bereits geknüpft, und auch Code gibt es schon. Die Webseite des Projekts ist zudem in Englisch wie Japanisch gestaltet. Am Donnerstag, dem 31. März 2011, will Horn die geigercrowd auch in der Sendung Chaosradio des Chaos Computer Clubs vorstellen.

Einen anderen Ansatz verfolgt RTDN. Die Webseite fasst die Daten anderer Quellen aus Japan zusammen und stellt sie mit Google Maps dar. Gleich für die ganze Welt macht das Radiocial - die Werte des BfS fehlen dort jedoch. Auch dieses Projekt setzt auf von Privatpersonen übermittelte Daten, die meist aus sehr günstigen tragbaren Geigerzählern stammen.

Markus Bleher, der die Messstation des BfS in Oberschleißheim bei München leitet, sagte Technology Review jedoch, dass solche Messwerte problematisch sein können. Für belastbare Daten sei eine Messung mit einem empfindlichen Gerät über zehn Minuten nötig, um einen Wert von 0,1 Mikrosievert pro Stunde festzustellen. Diese Dosisleistung, die auch durch natürliche Strahlung erreicht werden kann, gilt als unbedenklich.

Dennoch, so Bleher, seien private Messungen nicht nutzlos: "Damit kann man grob schauen, ob jemand wirklich nicht mit offenen Karten spielt", sagte der BfS-Mitarbeiter.  (nie)


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