Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/82345.html    Veröffentlicht: 25.03.2011 12:17    Kurz-URL: https://glm.io/82345

Augmented Reality

Sturm auf die Android-Plattform

Droidcon 2011 Die Entwickler von Augmented-Reality-Anwendungen rüsten ihre Applikationen für Android um. Schwierigkeiten bereiten ihnen noch die mangelnde Leistung der Hardware sowie die verschiedenen Plattformversionen - und es fehlen oft sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

Die zunehmende Leistung von mobilen Android-Geräten, etwa Tablets, lockt inzwischen auch die Hersteller von Augmented-Reality-Anwendungen (AR-Anwendungen) auf Googles mobile Plattform. Technisch gesehen, bietet die Plattform viele Möglichkeiten - an deren sinnvoller Umsetzung mangelt es allerdings bisher weitgehend. Selbst Softwareentwickler sehen bei der Technik, die eine Interaktion in Anwendungen mit der realen Umgebung ermöglichen soll, noch deutliche Grenzen. Auf der Droidcon 2011 haben sich unter anderem die folgenden drei Entwickler dazu geäußert: Andreas Hauser von der Firma Mobilizy, Sebastian Knödel von Diotasoft und Peter Meier von Metaio.

Die mangelnde Leistung der Hardware ist noch ein großes Hindernis, so die einhellige Meinung zahlreicher Entwickler. Das betrifft nicht nur CPU und Grafik, sondern auch die ungenauen Ortungsangaben der eingebauten GPS-Module, die für einige Applikationen äußerst präzise abgerufen werden müssen. Zudem bereiten die verschiedenen Formfaktoren mit ihren unterschiedlichen Auflösungen Probleme. Auch die Fragmentierung der Android-Versionen, vor allem deren unterschiedliche technischen Möglichkeiten, sind für die Entwickler von AR-Software hinderlich.

Zu hohe Erwartungen

Die Entwickler beklagen zusätzlich ein mangelndes Verständnis der Anwender dafür, was Augmented Reality eigentlich bedeutet. So sei das Bild des Anwenders von Filmen wie Terminator oder Minority Report geprägt. Das entspreche aber nicht der Realität, sagen Andreas Hauser, Entwickler bei der Firma Mobilizy, und Sebastian Knödel, Entwickler und Forscher bei Diotasoft. Vielmehr suchen die Softwarehersteller nach sinnvollen Einsatzmöglichkeiten - auch um später die Entwicklungskosten abzudecken.

Android eignet sich für AR

Dennoch sehen die Entwickler inzwischen auch in Android eine geeignete Plattform für ihre Anwendungen. Android auf den entsprechenden Hardwaregeräten biete schon jetzt einige der notwendigen technischen Möglichkeiten. Geräte, beispielsweise von Nintendo oder LG, ermöglichen mit zwei integrierten Kameras stereoskopische Effekte, was AR-Entwicklern neue Möglichkeiten eröffnet.

Hinzu kommen die offene Android-Plattform und die zahlreichen Frameworks, die es bereits für AR gibt, etwa von Simon Heinen an der RWTH Aachen, die nicht nur die für AR notwendigen Hardwaremodule einbindet, etwa das GPS-Modul und die Kamera, sondern auch die Entwicklung von OpenGL-Anwendungen vereinfachen soll. Das Framework steht unter der GPLv2.

Sehenswürdigkeiten und Spiele

Die Software Wikitude von der Firma Mobilizy soll ein mögliches Einsatzszenario bieten, wie die reale Umgebung mit einer Software auf mobilen Geräten interagieren kann. Wikitude will eine Art Wikipedia für Sehenswürdigkeiten werden. Hält man die Kamera eines mobilen Geräts in eine bestimmte Richtung, registriert die Anwendung den Standort und bietet in dem entsprechenden Bildausschnitt Informationen zu den dort vorhandenen Sehenswürdigkeiten, die der Benutzer per Tastendruck abrufen kann.

AR für die Navigation

Die Weiterentwicklung Wikitude Drive nimmt die Straße aus einem fahrenden Auto auf und legt die entsprechenden Navigationsinformationen virtuell darüber. Hier stoße die Hardware aber noch an ihre Grenzen, denn die dafür notwendigen GPS-Daten werden nur unzureichend schnell verarbeitet oder seien zu ungenau, sagte Entwickler Andreas Hauser. Auf dem HTC-Desire funktioniere das noch am besten. Und hier erwarte der Anwender auch, dass die Software dann funktioniere, wenn die Kamera des Geräts durch das Rückfenster gehalten werde.

Ein weiteres mögliches Einsatzszenario zeigt Sebastian Knödel, Entwickler und Forscher bei Diotasoft. Seine Software legt eine virtuelle Oberfläche auf Gegenstände, die vor die Kamera eines mobilen Geräts gehalten werden. Statt mit dem Mobiltelefon wird die Anwendung mit einem Gegenstand gesteuert, zum Beispiel wird ein virtuelles Labyrinth geneigt, um darin eine Kugel in eine bestimmte Richtung zu steuern.

Noch sind AR-Anwendungen in einer Entwicklungsphase, in der selbst Programmierer mit den Grundlagen wie Frameworks kämpfen und Forscher nach sinnvollen Lösungen für den alltäglichen Gebrauch suchen.  (jt)


Verwandte Artikel:
Android: Google stellt stabilen AR-Modus für Motion Stills vor   
(08.02.2018, https://glm.io/132658 )
Droidcon 2011: Android-Entwickler treffen sich in Berlin   
(15.03.2011, https://glm.io/82107 )
Spielzeug: Laser Tag mit Harry-Potter-Zauberstäben   
(19.02.2018, https://glm.io/132843 )
6DoF Blaster im Hands on: Wenn die Nerf-Gun nicht mehr reicht   
(11.01.2018, https://glm.io/132102 )
Augmented Reality: Pokémon Go fixiert die Monster für Schleichangriffe   
(21.12.2017, https://glm.io/131789 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/