Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/82191.html    Veröffentlicht: 18.03.2011 11:23    Kurz-URL: https://glm.io/82191

RTL und ProsiebenSat.1

Kartellamt untersagt deutsches Hulu

Das Bundeskartellamt hat der geplanten gemeinsamen Onlinevideoplattform von RTL und ProsiebenSat.1 nach dem US-Vorbild Hulu eine Absage erteilt. Der Aufbau des entsprechenden Gemeinschaftsunternehmens der beiden großen deutschen Senderketten wurde untersagt.

"Die Gründung der gemeinsamen Plattform würde das marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken. Wir haben uns auch umfassend mit den möglichen Vorteilen einer neuen Video-On-Demand-Plattform befasst. In der konkret geplanten Form bietet das Projekt jedoch keine Gewähr dafür, die zu erwartenden Nachteile für den Wettbewerb aufzuwiegen", erläutert Kartellamtspräsident Andreas Mundt die Entscheidung, das deutsche Hulu zu verbieten. Diese sei allerdings noch nicht rechtskräftig, so dass RTL und ProsiebenSat.1 noch einen Monat Zeit hätten, um Beschwerde beim OLG Düsseldorf gegen die Entscheidung einzulegen.

Bereits im Februar 2011 hatte das Bundeskartellamt Bedenken über die Onlinevideoplattform von RTL und ProsiebenSat.1 geäußert: Die Wettbewerbshüter befürchten, dass die gemeinsame Plattform das marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken würde.

Eine offene, rein technische Plattform hätte das Kartellamt wohl erlaubt, doch die Sender seien nicht bereit gewesen, "die geplante Plattform so weit zu öffnen", erklärte das Kartellamt. Da die geplante Plattform aber eine Beschränkung des Zugangs auf Fernsehsender und einschränkende Vorgaben zu Verfügbarkeitsdauer, -zeitpunkt und Qualität der Angebote vorsah, sah das Kartellamt die wettbewerbsbeschränkenden Effekte des Vorhabens als überwiegend an: "Eine so ausgerichtete Plattform hätte nach Auffassung des Bundeskartellamtes den Effekt, die bestehenden Verhältnisse auf dem Fernsehwerbemarkt zu konservieren und auf das Segment der Videowerbung in Online-Video-Inhalten zu übertragen."

RTL erwägt rechtliche Schritte

RTL hat die Entscheidung des Kartellamts scharf kritisiert und erwägt nun, "gerichtlich dagegen vorzugehen".

Das Kartellamt verkenne, dass das geplante Joint Venture als rein technischer Dienstleister im Gegensatz zu der amerikanischen Plattform Hulu keinerlei Vermarktungsaktivitäten ausgeübt hätte. Damit wäre kein Werbemarkt betroffen, argumentiert RTL. Jegliche Vermarktung hätte ausschließlich der jeweils teilnehmende Sender durchgeführt.

Zudem wehrt sich RTL gegen die Darstellung des Kartellamts, die beiden Sendergruppen bildeten ein marktbeherrschendes Duopol im deutschen Markt.  (ji)


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